Sonne, Wind und schlechte Straßen

Brasilien hat mit Problemen zu kämpfen, von denen viele auch nach der Rezession noch immer nicht behoben sind. Nichtsdestotrotz versucht das Land, Investoren für seinen Energiesektor zu gewinnen – ein Kommentar.

Für viele Europäer ist Brasilien unvorstellbar groß. Auch für mich wurde diese Größe erst deutlich, als ich während einer Pressereise fünf Tage lang mit Bus und Flugzeug tausende Kilometer zurücklegte: von São Paulo, nach Montes Claros, über Belo Horizonte nach Natal und wieder zurück nach São Paulo. Die Szenerie, die ich aus den Fenstern der Busse und Flugzeuge sah, war beeindruckend: weite Flächen, Regenwälder, weiße Strände und lange Küstenlinien, vor denen Rohöl gefördert wird. Doch die Rezession hat ihre Spuren hinterlassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2017 mit knapp 10.000 US-Dollar pro Kopf weit unter dem, was bedeutend kleinere Länder wie Singapur, Norwegen oder Deutschland erwirtschaften (siehe hierzu Abbildung eins und zwei).

Abbildung eins
Abbildung zwei

Das Gefälle zwischen arm und reich ist deutlich sichtbar. Von den Luxushotels und Wolkenkratzern sind es oft nur ein paar Autominuten bis zu den Favelas. Die Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand, weniger als 15 Prozent der Straßen sind asphaltiert. Das politische System krankt an Korruption, erst kürzlich wurden Dutzende Verdächtige im Zuge eines Geldwäscheskandals festgenommen.

Erneuerbare Energien: Hoffnungsträger der Wirtschaft

Doch unterkriegen lassen sich die Brasilianer davon nicht. Neben dem Ausbau der Infrastruktur und der Förderung von Rohöl setzen sie ihre wirtschaftlichen Hoffnungen in erneuerbare Energien. Es ist zwar fragwürdig, dass in Brasilien auch Rohöl und Kohle als solche gelten, doch glücklicherweise werden auch umweltfreundlichere Arten der Stromerzeugung gefördert. Das gilt vor allem für Wind- und Solarenergie, auch weil viele Wasserreservoirs sich wegen ihres sinkenden Pegels kaum noch zur Stromproduktion eignen. Im September 2017 wurden 8,2 Prozent des Stroms in Windparks und Solaranlagen erzeugt, im Jahr 2026 sollen es schon 18 Prozent sein. Dafür braucht es Investitionen. Im Jahr 2016 etwa flossen 4,35 Milliarden Euro in Windenergie, das entspricht 78 Prozent aller Investitionen in saubere Energien.




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