Top-Banken in Europa bleiben hinter den Erwartungen zurück

Fernando De La Mora, Managing Director im Financial Industry Advisory Services Team von A&M

München – 10. Juli 2019 – Alvarez & Marsal (A&M), eines der weltweit führenden Consulting-Unternehmen, gibt die Ergebnisse seiner ersten Ausgabe des Euro Banking Pulse („The Pulse“) bekannt. The Pulse analysiert die 24 größten europäischen Banken im Jahr 2018 und bewertet sie anhand von Key Performance Indikatoren (KPIs), die sich sowohl an Rentabilität als auch an Krisenfestigkeitsmaßstäben orientieren. Das grundsätzliche Ergebnis zeigt, dass es den europäischen Spitzenbanken an ausreichender Widerstandsfähigkeit mangelt und sie nicht über das Renditeniveau verfügen, das die Erwartungen von Kunden, Märkten und Regulierungsbehörden übertrifft.

Der Kampf um den Thron (BBVA, Credit Mutuel, Danske Bank, HSBC, ABN Ambro, Credit Agricole)

Obwohl sie in Bezug auf Rentabilität und Widerstandsfähigkeit zu den leistungsstärksten Banken gehören, erzielt keine dieser Banken einen ausreichenden Punktestand, um in den Spitzenbereich vorzudringen. Diese Banken können ihre Kosten fest im Auge behalten und quartalsweise konstant gute Ergebnisse liefern, wenn sie im Rennen bleiben wollen.

Das Streben nach Rentabilität (Commerzbank, Barclays, RBS, Standard Chartered)

Nordeuropäische Banken haben grundsätzlich dem Thema „Widerstandsfähigkeit“ Priorität eingeräumt, kämpfen aber nun, angemessene Renditen zu erwirtschaften. Diese müssen ihre Rentabilitätsagenda nun an die erste Stelle der Entscheidungsfindung setzen.

Der Weg zu mehr Widerstandskraft (Lloyds, Santander, Caixa Bank, Banca Intesa, Rabobank)

Diese Banken haben Gewinnpools identifiziert, müssen aber Widerstandsfähigkeit aufbauen und gleichzeitig eine konstante Quartalsleistung vorweisen. Sie müssen nun dem Aufbau eines robusten Geschäftsmodells gestützt durch genügend Eigenkapital und Strategien zur Bewältigung anstehender regulatorischer Veränderungen Priorität einräumen.

Schutzschild aufbauen und strategische Maßnahmen (BNP Paribas, Deutsche Bank, BPCE, Societe Generale, DZ Bank)

Diese Banken schneiden in der Untersuchung am schlechtesten ab. Sie müssen ihre Strategie überdenken und Teile ihres Unternehmens neu strukturieren. Kostenrestrukturierung und schlanke Geschäftsmodelle müssen gleichzeitig mit schwierigen Entscheidungen zu Kapitalallokationen durchgespielt werden.

 „Das europäische Bankenwesen ist zu einem Kampf nur für die mutigen Player geworden. Die Banken kämpfen in einem wirklich rauen Markt“, sagt Fernando De La Mora, Managing Director im Financial Industry Advisory Services Team von A&M. „Drei Jahre mit flachen bis negativen Zinssätzen und dies in Verbindung mit einem sehr mageren Kreditwachstum haben die Einnahmenpools ausgetrocknet. Gleichzeitig sehen sich die Finanzinstitute seit fünf Jahren starkem Gegenwind von Seiten der Regulierungsbehörden ausgesetzt, die auf mehr Krisenfestigkeit bei Eigenkapital, Liquidität und Risikovorsorge drängen, was wiederum höhere Kosten für die Unternehmen bedeutet.“

 „Darüber hinaus schwächen die Geldpolitik und die Digitalisierungsbemühungen der EZB die Einnahmequellen von Banken, die nicht schnell genug eine kostengünstigere Back-Office Lösung herstellen können. Weiterhin drohen durch die verschärften Bedingungen in Bezug auf Eigenkapitalunterlegung und neue, schnelllebige Risiken per se höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung“, so Fernando de la Mora weiter.

Das aktuelle Klima bietet aber auch Chancen. So könnten beispielsweise M&A-Konsolidierungen Rückenwind erzeugen, durch Kosteneffizienzen und Synergien die Profitabilität zu steigern oder durch die Neuausrichtung bzw. Veräußerung von Nicht-Kerngeschäften Gewinne und Kapital freizusetzen. In der Zwischenzeit können niedrige Renditen aufgrund der aktuellen Geldpolitik der EZB den Marktzugang verbessern, da das sehr günstige Kapital für lukrative Investitionsmöglichkeiten genutzt werden kann.

Länder-/Regionalschnappschuss

Deutschland: Die Banken sind aufgrund niedriger Renditen und hohem Cost-to-Income unterdurchschnittlich profitabel. Die Deutsche Bank und die DZ Bank befinden sich in der Gefahrenzone.

Großbritannien: Banken schneiden bei der Widerstandsfähigkeit aufgrund der Asset-Qualität relativ gut ab, während sie bei der Rentabilität aufgrund niedriger Renditen unterlegen sind.

Nordeuropa und die Niederlande: Die Banken sind in Bezug auf Rentabilität und Widerstandsfähigkeit ausgewogen und haben sich besser entwickelt als ihre Konkurrenten.

Frankreich: Die französischen lokalen Banken (Credit Mutuel & UniCredit) sind gut positioniert, aber die globalen Banken (BNP Paribas und Societe Generale) befinden sich in der Gefahrenzone.

Spanien: Die Banken übertreffen die Rentabilität, aber die Bank Santander und Caixa Bank sind in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit noch weit von ihren Konkurrenten entfernt.

Italien & Schweiz: Banken erhalten Durchschnittswerte.

The Pulse ist ein Jahresbericht, der die 24 größten europäischen Banken im Jahr 2018 untersucht und jede von ihnen anhand von Key Performance Indicators (KPIs) bewertet, die sowohl an die Rentabilität als auch an die Widerstandsfähigkeit gekoppelt sind, wobei eine proprietäre Kalibrierung auf der Grundlage der Schwellenwerte der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der A&M erfolgt.

Die A&M Scoring-Methodik bewertet Banken anhand von 13 Performance-KPIs (Definitionen siehe Anhang) und den neuesten verfügbaren öffentlichen Informationen. Jede Bank erhält eine 1-4 Punktzahl (1 als Bester und 4 als Schlechtester) unter Verwendung einer eigenen Kalibrierung, die auf den Schwellenwerten der Europäischen Bankaufsichtsbehörde (EBA) und der AM basiert. Die 13 KPIs wurden zu sechs Familien von KPI-Gruppen von Leistungsindikatoren und zwei allgemeinen Ansichten (Rentabilität und Widerstandsfähigkeit) zusammengefasst.




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