UBS zu China: Zeit für einen eigentständigen Investment-Ansatz

Luke Browne, Global Head of Investment Specialists, und Michael Walsh, Investment Specialists, UBS

In einer Welt, deren globale Wirtschaft zunehmend von China vorangetrieben wird, können Investoren jetzt eine eigenständige Allokation chinesischer Vermögenswerte in Betracht ziehen, wie sie bereits für Regionen wie die USA, Japan, Europa und Großbritannien erfolgt. Die Gründe sind:

– Mit einem erwarteten Beitrag von 33 Prozent zum globalen Wachstum im Jahr 20191 setzt sich China an die Spitze der Weltwirtscha , seine Aktien- und Anleihenmärkte zählen zu den größten der Welt.

– Nach der Einführung von Stock Connect und Bond Connect gehören Beschränkungen beim Zugang für Investoren nach China zunehmend der Vergangenheit an.

–  Aktien und Festzinsanlagen aus China bieten Diversikationsvorteile, und die Marktvolatilität kann zu Chancen für aktive Anlagestrategien führen.

– China ist weltweit führend in vielen Bereichen neuer Technologie und Innovation; eine eigenständige Allokation bietet Investoren größeres Potenzial, an der Wachstumsstory Chinas teilzuhaben.

Zukunftsorientierte Investoren beginnen darüber nachzudenken, ob es an der Zeit ist, einen neuen Ansatz für die chinesischen Vermögensmärkte zu wählen. Wir glauben, dass immer mehr Hinweise für eine eigenständige China-Allokation sprechen.

China hat in den letzten Jahren seine ehemals geschlossenen Aktien- und Anleihenmärkte über Programme wie Stock Connect und Bond Connect mit globalen Investoren verbunden und so kontinuierlich Marktbarrieren abgebaut.

Der Erfolg dieser Bemühungen wurde kürzlich unterstrichen, als wichtige Aktien- und Anleihenindizes ihre Gewichtung chinesischer Wertpapiere erhöhten, was wiederum die bereits starken Zu üsse ausländischer Investoren in chinesische Anlagen weiter steigern wird.

Am 28. Februar kündigte der Aktienindexanbieter MSCI an, die Gewichtung chinesischer Inlandsaktien in seinem wichtigsten Schwellenländerindex bis November 2019 zu vervierfachen, wodurch im In- und Ausland notierte chinesische Titel fast ein Drittel des gesamten Bereichs der Schwellenländer abdecken werden.

Der weit verbreitete Bloomberg Barclays Global Aggregate Index nimmt seit dem 1. April schrittweise chinesische Inlandsanleihen auf – eine Veränderung, der mit der Zeit andere Indexanbieter folgen dürften, womit der chinesische Onshore- Markt die Position Japans als zweitgrößter Anleihenmarkt der Welt übernehmen wird.

Bis zu einem gewissen Grad bedeuten diese Veränderungen nur, dass die Indizes bei einem Thema ‚aufholen‘, das wir von UBS Asset Management gemeinsam mit unseren Kunden schon seit einigen Jahren klar verfolgen.

Es lautet: Chinesische Vermögensanlagen bieten in Umfang und Vielfalt überzeugende Möglichkeiten für Investoren, die nach Marktrenditen und aktiven Renditen in allen Anlageklassen suchen.

China setzt sich an die Spitze

Die Bandbreite dieser Möglichkeiten ist vielleicht weniger überraschend, wenn man bedenkt, welche bedeutende Rolle China heute spielt, und zwar sowohl in der Weltwirtschaft als auch in Sektoren, die im Mittelpunkt künftiger wirtschaftlicher Anstrengungen stehen dürften.

Voraussichtlich wird China im Jahr 2019 für 33 Prozent des globalen Wachstums verantwortlich sein und bis 2030 die USA als weltweit größte Volkswirtschaft ablösen. Dieser Aufstieg in eine wirtschaftliche Führungsposition hat aus Anlegersicht eine Reihe unterschiedlicher Dimensionen. Die direkten Auswirkungen der Entwicklungen der laufenden Handelsverhandlungen mit den USA auf die Investorenstimmung können als sinnbildlich für die Schlüsselrolle Chinas als Handelsnation angesehen werden.

Solche Beteiligungen haben oft das Ziel, aus Chinas führender Position in Bereichen der New Economy wie bargeldlosem Zahlungsverkehr, Smartphones und Online-Datennutzung zu profitieren. In Verbindung mit der Neuausrichtung des Inlandswachstums zu mehr Verbrauchernachfrage anstelle von Exporten und Anlageinvestitionen entstehen so spannende Möglichkeiten für eine breite Palette von Produkt- und Serviceanbietern.

Im weiteren Umfeld ist China zunehmend bemüht, seine Infrastruktur vor allem in Verbindung mit anderen Schwellenländern zu verbessern, und zwar durch physische Anbindung wie durch Handelsabkommen.

Während die weithin propagierte Initiative Neue Seidenstraße die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog, hat China weltweit 17 Freihandelsabkommen abgeschlossen, weitere 14 verhandelt und neun zusätzliche Vereinbarungen ins Auge gefasst. Der Schwerpunkt der Investitionen lag tendenziell auf Regionen mit hohem erwartetem Bevölkerungs- und Einkommenswachstum, wobei sich die Zuschüsse der Unternehmen auf Gebiete konzentrierten, in denen die Mittelschicht bis 2030 voraussichtlich um fast 3 Milliarden Menschen wachsen wird.

Ein eigenständiger Ansatz wird selbstverständlich

Viele der genannten Faktoren sind natürlich nicht auf China beschränkt. Wir sehen jedoch zunehmend Gründe dafür, bei der Festlegung der Vermögensallokation auf Ebene des Gesamtportfolios Investitionen in China auf eigenständiger Basis und nicht als Teil einer breiteren Schwellenländerallokation zu betrachten.

Die Eigenschaften der chinesischen Wirtschaft unterscheiden sich in einer Reihe wesentlicher Punkte von anderen als Schwellenländer eingestuften Märkten, sowohl in Asien als auch außerhalb:

–  Chinas Dimension als bevölkerungsreichstes Land der Welt, zweitgrößtes Ziel ausländischer Direktinvestitionen5 und weltweit größte Handelsnation.

–  Die Geschwindigkeit des historischen und erwarteten Wirtschaftswachstums sowie die Maßnahmenpalette zur Neuorientierung der Wirtschaft mit einem Zielwert von 6,0 bis 6,5 Prozent p.a. für das Inlandswachstum, der vom Nationalen Volkskongress im März 2019 bekräftigt wurde.

–  Eine führende Position in neuen Industrien wie Robotik, Elektroautos, Drohnen und Photovoltaik, die sich zu- nehmend in der Zusammensetzung des chinesischen Aktienmarkts widerspiegelt.

Es beginnen sich Parallelen abzuzeichnen zu den differenzierten Wachstumsraten und -treibern der großen regionalen Volkswirtschaften unter den Industrieländern. Bei Investitionen in entwickelte Märkte, vor allem bei traditionellen Anlagen wie Aktien und Anleihen, konzentrieren sich Investoren oft auf verschiedene regionale Blöcke wie Nordamerika, Europa, Großbritannien, Japan, Asien-Pazi k und so weiter.

Wenn nun die gleichen Investoren beginnen, zunehmend zwischen den wichtigsten Schwellenländern zu unterscheiden, wird sich daraus vermutlich ein ähnlicher Ansatz ergeben.

Mit Blick auf die bereits genannten Prognosen für das globale Wachstum 2019 mag es etwas seltsam erscheinen, China und Indien als Teil eines homogenen, weltweit übergreifenden Blocks anzusehen, während die USA, die einen ähnlichen Wachstumsbeitrag wie Indien und einen halb so großen Beitrag wie China leisten dürften, als ganz eigenständige Allokation betrachtet werden!

… und das Land zu große Chancen bietet

Darüber hinaus steht die ganze Bandbreite der Anlagemög- lichkeiten in China einem breiteren Spektrum von Investoren zur Verfügung. Durch die laufenden Veränderungen, wie die Aufnahme in weitere globale Indizes, die Ausweitung der täglichen Quoten bei Stock Connect und die rückläu ge Anzahl von Branchen, die für ausländische Investitionen geschlossen sind.

Indem chinesische Wertpapiere zunehmend Teil von weit verbreiteten Indizes und damit von Anlegerportfolios werden, dürfte das Bewusstsein der Investoren für diese Wertpapiere ebenso steigen wie die Bereitschaft, sie zu hal- ten, und es wird ein Übergang von breiten Engagements zu stärker zielgerichteten Transaktionen erfolgen. Auch hierin würden die Investoren einen Weg einschlagen, der in vielen entwickelten Märkten längst beschritten wird.

Anlagen in China: gute Diversizierer

Für Investoren, die besser verstehen wollen, welche Rolle chinesische Vermögensanlagen in ihren breiteren Portfolios spielen können, sei auf die großen Diversifikationsvorteile solcher Positionen in der Vergangenheit hingewiesen.

Nachfolgend zeigen wir die rollierende Drei-Jahres-Korrelation der täglichen Renditen des MSCI China A-Aktienindex in lokaler Währung gegenüber dem entsprechenden MSCI Emerging Markets Index und einigen regionalen Varianten.

Selbst wenn man die Korrelation des Marktes für A-Aktien zum EM Asia Index betrachtet, lag der Wert die meiste Zeit bei etwa 0,5, was auf einige Unterschiede bei den Ursachen für Volatilität in der Vergangenheit hindeutet. Die Korrelationen zu anderen Schwellenländerregionen waren deutlich geringer, was ebenfalls für einen kleinteiligeren Ansatz bei diesen Engagements spricht.

Was Anleihen betrifft, so beherbergt China heute einen schnell wachsenden Festzinsmarkt, der bereits der drittgrößte der Welt ist und dem zweitgrößten Markt Japan näher rückt. Mit der zunehmenden Verbreiterung des Marktes über Staats- und Policy-Bank-Anleihen hinaus ist seine Attraktivität für ausländische Investoren dank einer Reihe regulatorischer Änderungen gewachsen.

Die Entscheidung von Bloomberg, chinesische Anleihen in seine globalen Leitindizes aufzunehmen, dürfte zu weiteren hohen Zuflüssen von diesen Investoren führen, deren Posi- tionen in Onshore-Bonds sich in nur drei Jahren bereits verdreifacht haben.

Wiederum gilt, dass chinesische Anleihen angesichts ihrer niedrigen Korrelation zu anderen großen Märkten Diversi kationsvorteile in einem globalen Festzinsportfolio bieten können. Da die angebotenen Renditen für Staats- anleihen, Unternehmensanleihen hoher Qualität und Hoch- zinsanleihen in den vergangenen Monaten allesamt gefallen sind, könnten renditehungrige Investoren hier auch von eher taktischen Überlegungen geleitet werden.

Chinesische Anleihen weisen die höchsten Nominalrenditen unter den zehn größten Rentenmärkten weltweit auf und haben über die letzten fünf und zehn Jahre die höchsten risikoadjustierten Renditen dieser Gruppe erzielt. Auch die realen Renditen erscheinen attraktiv, und die Kosten für die Absicherung eines Engagements in chinesischen Yuan sind tendenziell gesunken – womit potenziellen Investoren ein wichtiges Instrument der Risikobegrenzung zur Verfügung steht.

Während sich der Zugang zum Anleihenmarkt und die Investitionen dramatisch verbessert haben, wurde der Markt bislang nicht einer kontinuierlichen Prüfung der Kreditqualität unterzogen, wie es bei Anleihen der Industrieländer der Fall ist. Die Entwicklung von Onshore-Ratings wird von Bedeutung sein, um das Vertrauen der Investoren zu gewinnen, und so unternehmen die chinesischen Behörden energische Schritte, um ausländische Rating-Agenturen in den Markt zu bringen.

Wir glauben, dass mit der zunehmenden Gewöhnung der Marktteilnehmer an Festzinsinvestitionen in China die Bottom- up-Auswahl von Einzelemissionen von zentraler Bedeutung sein wird, da idiosynkratische Risiken häu g anzutreffen sein werden, und genau hier können Investoren von lokaler Präsenz und Wissen vor Ort pro tieren.

Zeit für einen eigenständigen Ansatz, um Chinas Wachstumsstory zu nutzen?

Insgesamt wird anhand der beschriebenen Faktoren deutlich, dass die Internationalisierung der chinesischen Kapitalmärkte schnell voranschreitet.

Die entscheidende Frage für globale Investoren ist damit, wie sich Chinas anhaltende Wachstumsstory am effektivsten nutzen lässt. Wir glauben, dass eine eigenständige Anlageallokation zunehmend eine effektive Möglichkeit für Investoren darstellen kann.

Dies liegt auch daran, dass die Chance einfach zu groß ist, um ignoriert zu werden – China ist der bedeutendste Treiber des globalen Wachstums, und seine Onshore-Märkte lassen hinsichtlich ihrer Größe andere wichtige globale Märkte rasch hinter sich.

Dieses Wachstumsmuster dürfte sich von anderen Märkten der Schwellen- und Industrieländer durch seine wichtigsten Treiber unterscheiden: die wachsende Rolle Chinas in zen- tralen Branchen der New Economy und den Fokus auf den Aufbau von Beziehungen zu anderen Schwellenländern.

Darüber hinaus bieten chinesische Aktien und Festzinsanlagen als Anlageklassen den Investoren Diversi kationsvorteile im Vergleich zu anderen weit verbreiteten Portfolioallokationen sowie attraktive Gelegenheiten für aktives Management zur Wertsteigerung.

All dies bedeutet, dass eine eigenständige China-Allokation hochinteressante Gelegenheiten für Investoren bietet, und zwar innerhalb einzelner Anlageklassen ebenso wie aus Sicht der Gesamtportfolioallokation.




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