Überdenke dein Portfolio!

Eine zunehmend restriktivere Geldpolitik könnte womöglich ein Comeback der Volatilität bedeuten. Ein Großteil der Portfolios ist nicht auf ein volatiles Umfeld ausgerichtet. Arif Husain, Head of International Fixed Income bei T.Rowe Price, kommentiert.

Traditionell war die Volatilität für Anleger immer ein entscheidender Faktor. Seit der Finanzkrise fiel sie jedoch am meisten durch ihre weitgehende Abwesenheit auf. Doch die absehbar restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken, die sich aufbauenden politischen Risiken in Teilen der Welt und ein drohender Handelskrieg könnten die Volatilität wiedererwecken. Viele Anleger riskieren, überrumpelt zu werden, wenn sie sich darauf nicht vorbereiten.

Die makroökonomische Volatilität werde von Faktoren wie Wachstumsprognosen, Inflation und Zinsbewegungen bestimmt. Zentralbanken, deren Hauptaufgaben die Festlegung von Zinssätzen, die Kontrolle der Geldmenge und die Gewährleistung der Stabilität des Finanzsystems sind, können die Volatilität stark beeinflussen. Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken weltweit mehrere Billionen in den Markt gepumpt, wodurch die Zinsen niedrig und die Liquidität hoch geblieben ist, was Kreditmärkte und nationale Ökonomien unterstützt hat. Stabiles Wachstum in China sowie ein niedriger Ölpreis hätten das makroökonomische Umfeld zusätzlich stabilisiert.

Gefesselte Marktkräfte

Theoretisch hätte die Volatilität in den vergangenen Jahren erhöht sein müssen. Allein im vergangenen Jahr wurde Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt, das Vereinigte Königreich löste Artikel 50 aus, um offiziell aus der Europäischen Union auszutreten, in Europa fanden mehrere mit Spannung erwartete Wahlen statt, und im Nahen Osten sowie auf der koreanischen Halbinsel war und blieb die Lage angespannt. Dennoch war das Jahr 2017 ein bemerkenswert ruhiges Jahr an den Märkten. Die genannten Risiken kamen und gingen, ohne für nachhaltige Turbulenzen zu sorgen. Dies könnte auf den beruhigenden Effekt der Geldpolitik zurückzuführen sein oder auf die Häufung ungewöhnlicher politischer Ereignisse in den vergangenen Jahren, die bei Anlegern zu einer gewissen Gelassenheit geführt hätten. Zudem sei die Zeit seit der Finanzkrise zwar von deutlichen Asset-Preisanstiegen gekennzeichnet gewesen, nicht aber vom Platzen einer Blase.

Die wichtigsten Volatilitäts-Faktoren sind also seit der Finanzkrise nur gering ausgeprägt, das wird aber vermutlich nicht so bleiben,. Eine schärfere Geldpolitik dürfte die natürlichen Marktkräfte entfesseln, die bislang unterdrückt wurden. Das wird zu höheren Zinssätzen führen, wodurch die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher steigen und das Wachstum potenziell beeinträchtigt wird. Ein weiterhin stabiles Wachstum in China sowie niedrige Energiepreise seien eher unwahrscheinlich. Ohne die unterstützende Geldpolitik könnten zudem geopolitische Auswirkungen wieder stärker spürbar und Preisblasen erkennbar werden.

Anleger sollten Portfolios prüfen

Kehrt die Volatilität also zurück, sollten Investoren ihre Portfolios unbedingt dahingehend überprüfen, ob sie vorbereitet sind. Insbesondere auf mögliche Korrelationen sollte geachtet werden. Die Phase der äußerst akkommodierenden Geldpolitik habe dazu geführt, dass viele Anleger stärker korrelierte, weniger effiziente Portfolios aufgebaut hätten, da die geringen Renditen sie gezwungen hätten, stärker in die Kreditmärkte zu investieren, um bessere Renditen zu erzielen. Da Anlagen mit höherem Risikoaufschlag stark mit Aktien korreliert sind, handelt es sich hierbei um eine hochriskante Positionierung in einer Zeit, in der eine Rückkehr der Volatilität in Aussicht steht.

Zusätzlich könnten Volatilitätsspitzen zu einem unerwarteten Zusammenbruch der Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen führen. Aktien und Staatsanleihen sind nicht immer negativ korreliert. Wenn plötzliche Volatilität durch Inflationsängste verursacht wird, können beide sogar sehr stark korrelieren. Das haben wir zum Beispiel während der Marktkorrektur im Februar gesehen, als die Nervosität wegen der Inflation dazu führte, dass Anleihen und Aktien gleichzeitig verkauft wurden. Anleger sollten daher nicht davon ausgehen, dass zusätzliche Duration zwangsläufig eine effektive Möglichkeit zur Diversifizierung ihres Portfolios gegen Aktienmarktvolatilität darstellt.

Anleger, die von erhöhter Volatilität profitieren möchten, sollten einem anderen Ansatz folgen, der auf einer aktiven Länder- und Sektorallokation und Laufzeitmanagement beruht. Aktuell sind viele Länder weltweit in sehr unterschiedlichen Phasen ihrer Zinszyklen. Das bietet eine gute Gelegenheit, Portfolios aufzubauen, die über Länder und Märkte hinweg diversifiziert sind und Vermögenswerte mit geringen Korrelationen umfassen. Wir sind der Ansicht, dass dieser Ansatz der beste ist, um erfolgreich durch die bevorstehende volatile Periode zu navigieren.




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