Unerschrocken trotz Unsicherheit

Während die Welt in einer Phase der Unsicherheit steckt, ausgelöst durch eine Serie politischer Schocks, denken und kaufen Investoren in Gewerbeimmobilien weiterhin langfristig.

Das Jahr der Überraschungen: 2016. Die größte und willkommenste unter ihnen war sicherlich, dass ein altes Sprichwort widerlegt wurde: „Märkte hassen Unsicherheit“. Besonders deutlich wurde das in der Welt der Immobilienmärkte.

Das Vereinigte Königreich hat dafür gestimmt, aus der EU auszutreten, die USA haben Donald Trump als ihren neuen Präsidenten gewählt und Italien hat im Rahmen des Referendums im Dezember 2016 die vorgeschlagenen Änderungen seiner Verfassung abgelehnt. Alle drei Wahlergebnisse stehen im direkten Gegensatz zu den Wünschen der Marktakteure und Investoren, sodass die meisten Analysten in der Folgezeit fallende Kurse, Volatilität und Zurückhaltung erwarteten. Doch die Anleger nahmen die Unsicherheit gelassen, Aktienindizes stiegen und die Investorenstimmung verbesserte sich, das spiegelte sich auch im Markt für Gewerbeimmobilien wider.

In der Folge des Brexit-Referendums wurden offene Immobilienfonds, die in UK-Gewerbeimmobilien investierten, geschlossen, sodass Investoren ihr Kapital nicht sofort abziehen konnten. So hatten Asset Manager genügend Zeit, Anlageobjekte zu verkaufen. Einige Veräußerungen zu reduzierten Preisen wurden als die ersten Beispiele eines nahenden Marathons von Notverkäufen gesehen. Doch schon im Herbst kehrte die Zuversicht auf die Märkte zurück und ein Fonds nach dem anderen öffnete sich wieder für neues Kapital. Ende 2016 wurden einige der Gebäude, die von Immobilienfonds zuvor veräußert wurden, von ihren neuen Eigentümern gewinnbringend verkauft.

Britische Immobilien bleiben für Investoren aus dem Ausland attraktiv – trotz Brexit

Teile des UK-Gewerbeimmobilienmarktes wie Logistikimmobilien und Bürogebäude in Londons Shoreditch Technologie- Quartier haben ihr Niveau vom Mai wieder erreicht. Ende 2016 waren fallende Preise auf Sub-Märkte begrenzt, die schon vor dem Referendum Anzeichen von Schwäche gezeigt haben, dazu zählen ältere Shoppingcenter und Einzelhandelslager.

Der IPD-UK-Commercial-Property-Values-Index stieg im Dezember 2016 um 0,7 Prozent, nach den Rückgängen der Sommermonate ist dies der dritte Anstieg in Folge. Der Index umfasst das Büro- und Einzelhandelssegment, Lagerflächen sowie Industrieliegenschaften. Im Vergleich zum Dezember 2015 ist der Wert um 2,8 Prozent gesunken, aber mehr Investoren sind nun bereit, darauf zu spekulieren, dass sich das Wachstum der vergangenen Monate fortsetzen wird.

Ein Grund für diese überraschende Wendung innerhalb eines so kurzen Zeitraums ist die Abwertung des Pfund Sterling. Die UK-Wirtschaft stürzte nicht – wie nach dem Referendum befürchtet – in eine Rezession. Der Fall des Pfunds machte britische Immobilien für Auslands-Investoren attraktiv – in einer Zeit, in der Kapital aus China hauptsächlich über Hongkong und Singapur abfloss. In den letzten Jahren war besonders London bei chinesischen Investoren beliebt: Ihre Berater in Hongkong und Singapur sind mit dem Markt schon vertraut, dank der ähnlichen Rechtssysteme und den historischen Geschäftsbeziehungen.

Nicht nur Chinesen haben auf die Abwertung des Wechselkurses reagiert, auch internationale Investoren aus Nordamerika, dem Mittleren Osten und Europa haben Londoner Büroimmobilien in der zweiten Jahreshälfte gekauft. Die Renditen der Premiumbürogebäude und in den Stadtteilen, die die aufkeimende Technologiebranche beherbergen, sind wieder auf ihren Wert vor dem Referendum gesunken. Das Investmentvolumen der Londoner Büroimmobilien erreichte im vierten Quartal 2016 4,1 Milliarden Pfund Sterling, knapp ein Viertel mehr als der Dekadendurchschnitt von 3,3 Milliarden Pfund Sterling; ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell der Markt zur Normalität zurückgekehrt ist.

Insbesondere in London haben viele internationale Unternehmen ihre Verbundenheit zur Stadt bekräftigt. Das ist ein Signal an Investoren, dass die Nachfrage nach Mietraum auch nach dem Brexit stabil bleibt. Apple hat einen Mietvertrag für ein 500.000 Quadratmeter großes Büro unterschrieben, genug Platz, um die Zahl der Londoner Angestellten zu verdoppeln. Facebook hat angekündigt, dass es plant, allein 2017 die Mitarbeiterzahl in der Stadt um 50 Prozent anzuheben. Und die US-Bank Wells Fargo hat ein Bürogebäude für ihren europäischen Hauptsitz gekauft. Diese Entwicklung ermutigt Investoren, über den Brexit hinauszublicken, und weiter in den Londoner Büromarkt zu investieren.




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