Unternehmen, die es verschlafen, innovativ zu sein, werden am Markt abgestraft

Martin Stürner, Geschäftsführer der PEH Wertpapier AG und Fondsmanager des PEH EMPIRE

In manchen Branchen reißen die Negativschlagzeilen kaum ab – so wie in der Finanzbranche. Die Deutsche Bank, Deutschlands größte Privatbank, plant, bis 2022 jede fünfte Stelle – insgesamt 18.000 Arbeitsplätze – zu streichen. Die staatlichen Finanzinstitute DekaBank, Sparkassen-Finanzgruppe sowie die Landesbank Hessen-Thüringen prüfen eine Fusionierung und auch die britische HSBC vermeldete jüngst, bis zu 10.000 Jobs abbauen zu wollen. Die Finanzbranche ächzt unter dem Druck von verstärkter Regulierung, Negativzinsen und der Digitalisierung. Sie muss entsprechende Konsolidierungsmaßnahmen einleiten, um überlebensfähig zu bleiben. Exemplarisch für den Strukturwandel in der Finanzbranche ist das Ersetzen der Commerzbank durch den elektronischen Zahlungsdienstleister Wirecard im deutschen Blue-Chip-Index DAX. Dies veranschaulicht die Verwundbarkeit der Geschäftsmodelle großer Banken und das Potenzial schlanker aufgestellter, innovativer und technologieorientierter Finanzunternehmen, die mittlerweile höhere Börsenbewertungen erzielen.

Innovationsführer beherrschen den Markt

Traditionsreiche Großunternehmen der Old Economy können sich für die Zukunft besser aufstellen, indem sie sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, Trends frühzeitig erkennen und innovativ bleiben. Laut Innovationsforscher Clayton Christensen ist eine Innovation erst dann disruptiv – im Sinne von etablierte Geschäftsmodelle unterlaufend – wenn sie die Massen erreicht. Sie ist die einzige Innovationsform, die starkes Wachstum generiert. Als der finnische Telekommunikationsanbieter Nokia im Jahre 1996 mit dem „Nokia 9000 Communicator“ den ersten Prototyp eines Smartphones auf den Markt brachte, war das Unternehmen seinen Wettbewerbern einen Schritt voraus. Jedoch konnte das Unternehmen seine Pole Position nicht lange verteidigen. Das Nokia 9000 Communicator war noch zu unhandlich, zu teuer und das Internet noch nicht schnell genug, um der breiten Masse der Konsumenten einen echten Mehrwert zu bieten. Erst der Launch des ersten iPhones durch Apple 2007 war der richtige Zeitpunkt für die Erfolgsgeschichte des Smartphones: das iPhone war handlich, einfach zu bedienen und erschwinglich. Das Internet war schnell genug, um wahrlich den nächsten Schritt zum „Computer für die Westentasche“ zu gehen.

Große, etablierte Unternehmen tun sich oft schwer damit, disruptive Innovationen hervorzubringen. Viel mehr sind sie damit beschäftigt, ihre bereits bestehenden Produkte zu optimieren und auf dem Markt zu verteidigen. Der Spagat zwischen dieser „erhaltenden Innovation“ und der „disruptiven Innovation“ kann einem etablierten Unternehmen aber durchaus gelingen, indem es Geschäftseinheiten für disruptive Entwicklungen aufbaut, die wie ein Start-up organisiert werden.

Ein großer Trend, der unser Leben nachhaltig bestimmt, ist die Digitalisierung. Als vor über 40 Jahren die ersten Technologiefirmen wie Microsoft oder Apple gegründet wurden, konnte noch niemand ahnen, dass daraus weltumspannende Konzerne und Börsenschwergewichte werden würden, die die Digitalisierung von der ersten Stunde an mitgestalten und vorantreiben werden.
Jegliche Branchen – seien es Industrie, Einzelhandel, Finanzen, Freizeit und Reisen oder der Gesundheitsmarkt – werden durch die Digitalisierung unter Druck gesetzt. Datengetriebene Plattformen wie Amazon werden durch diesen Trend zum Gewinner. Auch relativ junge Digitalunternehmen, wie die Hotelbuchungsplattform Booking.com, haben es geschafft, die etablierten Konzerne aus der Touristikbranche herauszufordern. Zukunftstechnologien, die noch nicht ganz ausgereift aber stark im Kommen sind, wie das autonome Fahren, werden durch die Tech-Giganten ebenso besetzt. Die große Bedeutung der großen Technologiefirmen drückt sich auch in ihrem hohen Marktwert aus: Microsoft und Apple haben die Rekordmarke von 1 Billion US-Dollar Marktkapitalisierung bereits geknackt. Neben den hohen Börsenbewertungen zeichnen sich die Tech-Konzerne durch eine dynamische Gewinn- und Umsatzentwicklung aus.

Auch in der Vermögensverwaltung hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Künstliche Intelligenz unterstützt zunehmend aktive Fondsmanager dabei, Massen an Daten auszuwerten.
Beim PEH EMPIRE, einem weltweit anlegenden Mischfonds, der in die größten börsennotierten Unternehmen investiert, ist im Jahr 2016 die Anlagesystematik umgestellt worden: künstliche Intelligenz wertet Daten auf Makro-, Sentiment- und Value-Ebene aus und gewichtet dabei flexibel unterschiedliche Indikatoren. Jedoch spielt der menschliche Faktor bei der Aktienauswahl auch noch eine Rolle. Durch diesen Ansatz konnte der PEH EMPIRE seine Performance beträchtlich steigern. Seit dem Tag der Systemumstellung im Juni 2016 bis Mitte Oktober 2019 hat der Fonds um rund 30 Prozent an Wert gewonnen. Dabei hat das Anlagesystem die Tech-Unternehmen Apple, Microsoft, Amazon und Facebook als die Aktien mit den besten Renditechancen identifiziert, die dementsprechend die größten Positionen im Portfolio einnehmen.

Innovationsführer bieten langfristig beste Investmentperspektiven

Da die Digitalisierung unseren Alltag auch in den nächsten Jahrzehnten beherrschen wird, kann man davon ausgehen, dass die großen Tech-Unternehmen auch weiterhin ihre bedeutende Marktstellung behalten werden. Deshalb sind sie für langfristige Investments höchst relevant. Ob sich andere Tech-Player, die erst seit kurzem auf dem Markt sind, in einem längeren Zeithorizont durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Etablierte Unternehmen mit einer langen Historie sollten wachsam bleiben und auf die veränderten Marktbedingungen reagieren, indem sie Innovation zu einer zentralen Geschäftseinheit ausbauen. Dann können auch sie wieder für ein langfristiges Investmentportfolio interessant werden.




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