Unterschätzte Anleger

Institutionelle Investoren nehmen berufsständische Versorgungswerke wenig wahr, obwohl sie mit einem verwalteten Vermögen von rund 196 Milliarden Euro zu den bedeutendsten institutionellen Investoren gehören. Klaus Rotter, Anwalt für Bank- und Kapitalanlagerecht, gibt einen kurzen Einblick zum aktuellen Stand.

Versorgungswerke gehören im System der Alterssicherung zur sogenannten Regelsicherung der „ersten Säule“, zusammen mit der gesetzlichen Rentenversicherung und der Beamtenversorgung. Sie werden damit nicht zur betrieblichen Altersversorgung (zweite Säule) und der privaten Altersvorsorge (dritte Säule) gezählt. Mitglieder in den selbstständigen Versorgungswerken sind Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater beziehungsweise Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie selbstständige Ingenieure und Psychotherapeuten.

Alle Bundesländer haben eigene Versorgungswerksgesetze

Der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) zufolge gibt es insgesamt rund 978.000 Mitglieder, die sich zahlenmäßig im Einzelnen auf folgende Berufsstände verteilen: 439.000 Ärzte, 75.000 Zahnärzte, 34.000 Tierärzte, 75.000 Apotheker, 178.000 Rechtsanwälte und Notare, 50.000 Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und 127.000 Architekten (Stand Dezember 2016).

Der Leistungskatalog der Versorgungswerke ist grundsätzlich der gesetzlichen Rentenversicherung nachgebildet und umfasst deshalb zu Gunsten ihrer Mitglieder vor allem Leistungen im Bereich der Altersvorsorge, der Hinterbliebenenabsicherung und der Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos.

Die Errichtung der Versorgungswerke beruht dabei nicht auf einem Gesetz der Bundesrepublik Deutschland, sondern auf Gesetzen der einzelnen Bundesländer. So haben alle 16 Bundesländer Versorgungswerksgesetze erlassen. In der Regel gibt es in den einzelnen Bundesländern dann wiederum einzelne Versorgungswerke für die jeweiligen Berufsstände. Diese starke Zersplitterung führt dazu, dass einzelne Versorgungswerke oftmals auch organisatorisch kleine Einheiten mit nicht selten weniger als zehn Mitarbeitern sein können.

Größere Versorgungswerke mit eigenen Kapitalmarktexperten

Die kleineren Versorgungs- werke lassen sich regelmäßig in Fragen der Kapitalanlagen von externen Dienstleistern, wie etwa Investment Consultants, Banken oder unabhängigen Anlageexperten beraten. Dem entgegen verfügen größere Versorgungswerke, die aufgrund der großen Mitgliederzahlen oftmals bei den Ärzteversorgungen anzutreffen sind, über eigene Kapitalmarktexperten. So gab etwa die Nordrheinische Ärzteversorgung in ihrem Geschäftsbericht für 2016 an, 53.543 Mitglieder, Kapitalanlagen von 12,058 Milliarden Euro und 123 Mitarbeiter zu haben, darunter zahlreiche Experten für einzelne Anlageklassen.




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