US-Staatsanleihen: Warum ein globaler Blick erforderlich ist

Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy, WisdomTree

Es ist recht einfach sich bei der Verfolgung von Zinstrends nur auf die in den USA relevanten Faktoren zu konzentrieren – die US-Notenbank Fed, der monatliche Arbeitsmarktbericht usw. Es hat jedoch einige interessante Entwicklungen in Europa gegeben, die in den Marktkommentaren weitgehend ignoriert wurden und die mich dazu gebracht haben, global zu denken. Ein Beitrag von Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy, WisdomTree.

Eine der Grundlagen für die niedrigeren 10-Jahres-Renditen der US-Treasuries (UST) in den letzten Jahren war das Fehlen jeglicher Alternativen auf den Märkten für Staatsanleihen der entwickelten Welt. Tatsächlich hatten negative Renditen von Staatsanleihen im Ausland festverzinslichen Anlegern, wenn überhaupt, nur wenige andere Alternativen geboten. Während auf den Märkten für Staatsanleihen Japans und verschiedener Länder der Eurozone nach wie vor entweder Null- oder Negativzinsen vorherrschen, bietet die zehnjährige UST-Rendite nicht mehr den gleichen Vorteil wie früher.

Ich wollte die Renditedifferenz bzw. den Spread zwischen der 10-jährigen US-Staatsanleihe und zwei anderen genau beobachteten Arenen für Staatsschulden – Deutschland und Italien – hervorheben. In jedem Fall ist es leicht ersichtlich, dass sich dieser Spread im Laufe des letzten Jahres beträchtlich verringert hat.

Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die 10-jährige deutsche Bundesanleihe werfen. Damals, im November 2018, hatte das UST-Pendant eine um fast 280 Basispunkte höhere Rendite, aber diese Differenz ist in diesem Jahr um etwa 170 Basispunkte gesunken und liegt nun bei „nur“ noch plus 112 Basispunkten. Beim 10-jährigen italienischen BTP lag der Spread im September 2019 sogar bei 100 Basispunkten. Seitdem kehrte der Kurs aber vollständig um und liegt nun im negativen Bereich. Mit anderen Worten: Die 10-jährige US-Anleihe wirft nun nicht zehn Jahre lang mehr ab als ihr italienisches Pendant, sondern 65 Basispunkte weniger – eine bemerkenswerte Wende.

Worauf kommt es hier hauptsächlich an, werden Sie vielleicht fragen. Interessanterweise gab es in jedem Fall ein unterschiedliches Muster. In den betrachteten Zeiträumen sank die Rendite deutscher Bundesanleihen, während die italienische BTP-Rendite sogar stieg. Die einzige wichtige Konstante ist jedoch die Tatsache, dass die 10-jährige UST-Rendite gesunken ist. Und das sind die Aussichten: Im November 2018 lag ihre Rendite bei fast 3,25 Prozent, und im September 2019 lag sie bei 1,90 Prozent. Heute liegt sie bei 0,64 Prozent … die Rechnung ist ziemlich einfach!

Fazit

Auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass die 10-Jahres-Rendite des UST in absehbarer Zeit die oben genannten Niveaus von 2018/2019 revidieren wird, so hat sie doch nicht mehr die gleiche Rückenwind-Geschwindigkeit, wenn man in globalen Zusammenhängen denkt.




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