US-Wirtschaft stützt globale Konjunktur

Die Konjunktur gibt ein durchwachsenes Bild ab. Vor allem in der Eurozone ist die Aktivität abgeflaut. China zeigt ebenfalls Ermüdungserscheinungen. Die US-Wirtschaft hellt das Bild lediglich auf. Christian Heger,Chefanlagestratege von HSBC Global Asset Management Deutschland, kommentiert.

Nach der deutlichen Korrektur im ersten Quartal erholten sich die Notierungen zuletzt wieder. Hat der Börsenaufschwung nur eine Pause gemacht? Die Konjunktur zeigt gegenwärtig ein gemischtes Bild. Vor allem in der Eurozone ist die wirtschaftliche Aktivität seit Jahresanfang abgeflaut. Die Stärke des Euro, höhere Ölpreise und der Handelsstreit mit den USA zeigen zunehmend Wirkung. Die Stimmung in Industrie und Dienstleistung konnte sich auch im April auf dem gedrückten Niveau nur stabilisieren. Mit gut zwei Prozent wächst die Eurozone zwar über ihrem mittelfristigen Potenzial, die 2017 vorherrschen- den Korrekturen nach oben sind jedoch passé.

Ermüdung in China

Auch China zeigt Ermüdungserscheinungen.
Zwar gab es im ersten Quartal nochmals einen beachtlichen Zuwachs von 6,8 Prozent. Schwächere Kreditnachfrage und Stimmungsindikatoren
knapp oberhalb der kritischen Marke von 50 deuten aber bereits auf Abschwächungstendenzen
hin. Immerhin hat die chinesische Notenbank mit
der überraschenden Senkung des Mindestreservesatzes gezeigt, dass sie konjunkturellen Dellen nicht tatenlos zuschauen wird. Auch in anderen Emerging Markets läuft nicht alles nach Wunsch. Sanktionen und eine deutliche Rubelschwäche belasten den zaghaften Aufschwung in Russland. Brasilien leidet zunehmend an den Unsicherheiten vor der Parlamentswahl im Herbst.

Trotz dieser weltweiten Eintrübung sind in keiner größeren Region bereits für 2018 rezessive Tendenzen erkennbar. Dazu tragen auch die USA bei. Mit 2,5 Prozent Wachstum überraschte die größte Volkswirtschaft im ersten Quartal positiv. Die zum Jahreswechsel beschlossenen Steuersenkungen beginnen zudem gerade erst, ihre Impulse über höhere Investitionen zu entfalten. Der Internationale Währungsfonds schätzt den positiven Effekt für 2018 auf 0,8 Prozent und für 2019 auf 0,9 Prozent.

Für die Geldpolitik bedeutet die leichte globale Abkühlung noch keine Abkehr vom moderaten Bremskurs. Das Tempo könnte jedoch weiter auseinander laufen. So findet die Europäische Zentralbank aktuell gute Argumente für eine nur sehr behutsame Kürzung des Kaufprogramms. Die US-Notenbank Fed hingegen dürfte 2018 neben der angekündigten Bilanzschrumpfung auch die zwei erwarteten Zinserhöhungen umsetzen. Die jüngste Aufwärtsbewegung des Dollars könnte daher anhalten.

 Aktien neutral gewichten

Für Risiko-Anlagen ist das Umfeld ambivalent. Der Rückenwind von der guten Konjunktur hält an, verliert aber an Schwung. Der Gegenwind von der Zinsseite bläst wenig spürbar, dürfte aber bis zum Jahresende zunehmen. Auf dem wieder erhöhten Kursniveau sollten Anleger daher vorsichtiger agieren. Zwar führte die Berichtssaison vor allem in den USA überwiegend zu positiven Gewinnrevisionen. In den kommenden Monaten dürfte es jedoch schwieriger werden, den gestiegenen Gewinnerwartungen gerecht zu werden. Immerhin legt die Bewertung der meisten Aktienmärkte einen weiteren Abbau noch nicht nahe. Eine neutrale Aktiengewichtung erscheint allerdings derzeit auch angesichts der politischen Risiken ausreichend. Sollte die Volatilität wie erwartet zurückkehren, ergeben sich bessere Zukaufgelegenheiten.




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