Viel Lärm um deutsche Autos an der Börse

Die Deutschen und ihre Autos sind seit jeher ein besonderes Thema, die Deutschen und ihre Automobilhersteller ebenfalls. Immerhin gibt es nicht viele Länder, die mit einer Paradebranche aufwarten können und vom Kleinwagen bis zum Premiummodell weltweit höchste Reputation genießen. Gastkommentar von Jürgen Hackenberg, Union Investment

Steigende Zulassungszahlen in Europa und China und eine Stagnation auf hohem Niveau in den USA lassen auf anhaltend gute Geschäftszahlen von BMW, Daimler und Konsorten hoffen.

Allerdings ist die Welt derzeit voll von Herausforderungen, die die Manager bewältigen müssen. Dass bislang noch keine wirklich schlüssigen Konzepte für alternative Antriebssysteme erkennbar sind, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Rückschläge durch Dieselgate und zuletzt die Übernahme von Opel durch Peugeot USA, die Anfang März mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro über die Bühne gegangen ist. Zumindest die mediale Berichterstattung suggeriert: Es geht bergab!

Zur Einordnung: Die Probleme durch die Dieselaffäre und das drohende Fahrverbot in einigen Städten sind ernst zu nehmen und können die Profitabilität einiger Hersteller belasten. Die Folgen sind noch nicht en detail absehbar, dürften aber den ohnehin nötigen Wandel zu alternativen Konzepten beschleunigen. Überdies handelt es sich um ein regional eingegrenztes Problem. Außerhalb Europas spielt Diesel kaum eine Rolle.

GM zog Notbremse

Im Fall von Opel war es eine Frage der Zeit, dass General Motors die auflaufenden Fehlbeträge aus Rüsselsheim aus dem eigenen Zahlenwerk verbannen würde. Für die Rüsselsheimer hätte es schlimmer kommen können. Schon seit längerem kooperieren Peugeot und Opel miteinander und bauen sogar eine Reihe von Modellen gemeinsam. Dass sie sich nicht spinnefeind sind, zeigt auch der Umstand, dass sowohl Management als auch Arbeitnehmervertreter die Übernahme durch die Franzosen im Kern begrüßten.

Wichtiger, weil für die gesamte Branche relevant, ist die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Antriebssysteme. Je nach Schätzung dürfte der Anteil der Alternativen, also Elektromotor, Hybridantrieb oder Brennstoffzelle, bis ins Jahr 2025 auf 25 bis 50 Prozent steigen. Es ist also klar, dass hier die Musik spielt. Was in der Debatte aber oft unter den Tisch fällt: Die Zahl der mit Verbrennungsmotoren oder Hybrid betriebenen Fahrzeuge wird in den kommenden Jahren ebenfalls weiter steigen. Vor allem die Schwellenländer sind weit entfernt von einer Infrastruktur, die alternative Antriebstechnologien benötigen würden.




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