Verbesserte Stimmung für Banken

Der italienische Aktienmarkt zeichnete sich im Mai durch starke Volatilität aus. Einerseits belasteten US-Handelszölle und das iranische Atomabkommen und andererseits die Bildung einer neuen Regierung den Aktienmarkt.

Der Mai 2018 war für italienische Aktien von Volatilität geprägt. Die Nachrichten bezüglich der US-Handelszölle und des iranischen Atomabkommens belasteten die Stimmung erheblich und italienische Aktien litten unter starker Volatilität aufgrund der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Bildung einer neuen italienischen Regierung, die bis zuletzt intensive politische Verhandlungen erforderte.

Nun hat Italien jedoch endlich eine neue Regierung, nachdem die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord eine Einigung erzielt haben. Was bedeutet dies nun für italienische Aktien?

Erholung bei Italiens Banken? 

Nach einer starken Performance zwischen Januar und April mussten die Aktien italienischer Banken im Mai starke Verluste hinnehmen, da die Anleger ein deutlich höheres Risiko für Italien einpreisten. Der FTSE MIB Banks Index büßte im Monatsverlauf über 19 Prozent ein – mehr als doppelt so viel wie der breitere MSCI Italy Index im selben Zeitraum. Während der MSCI Italy Index in den ersten fünf Monaten des Jahres ein leichtes Plus verbuchte, verzeichnete der FTSE MIB Banks Index von Januar bis Ende Mai einen Rückgang um 7 Prozent.

Abbildung 1: Italienische Banken bleiben hinter dem Markt zurück
Quelle: Bloomberg, für den gesamten Zeitraum vom 31. Dezember 2017 bis zum 31. Mai 2018. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Doch nun, da Italien eine neue Regierung hat, fällt eine wesentliche Risikoquelle weg. Könnte der Index angesichts der Tatsache, dass sich die Stimmung der Anleger gegenüber Italien in der Regel stark in den Bewegungen des FTSE MIB Banks Index widerspiegelt, demnächst steigen?

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels scheint die Antwort angesichts der für die ersten beiden Juniwochen zur Verfügung stehenden Performancedaten „ja“ zu lauten

  • FTSE MIB Banks Index: 5,72 Prozent
  • MSCI Italy Index: 2,72 Prozent
  • MSCI EMU Index: 3,18 Prozent

Wirtschaftswachstum: Steht die Wende unmittelbar bevor?

Nachdem das Wirtschaftswachstum in Italien in den vergangenen Jahren durchweg enttäuschend ausfiel, wiesen die Mai-Daten eine mehr als doppelt so hohe Inflation aus als im April. Dabei stiegen die Preise laut den vorläufigen Schätzungen von Istat auf Jahresbasis um 1,1 Prozent (April: 0,5 Prozent).

Historisch betrachtet ist die Inflation in Italien an zwei Faktoren geknüpft: höhere Rohstoffpreise und höherer Einkaufsbedarf. Höchstwahrscheinlich hat der höhere Ölpreis den jüngsten Inflationsanstieg begünstigt, doch es scheint, dass auch die Nachfrage nach den Waren und Dienstleistungen, die den „Einkaufskorb“ des VPI ausmachen, angezogen hat.

Auch wenn der Wendepunkt noch nicht erreicht ist, so lassen sich doch einige interessante Konsummuster erkennen. Und diese könnten durch das „Flat Tax“-Programm der Regierung, das die Konjunktur antreiben soll, unterstützt werden.

Risiken für den Bankensektor

Was das Risiko betrifft, so gibt es zwei wesentliche Barometer, die wir in Bezug auf den italienischen Bankensektor analysiert haben.

Die erste wichtige Messgröße für das Risiko ist der Spread zwischen den Renditen von BTP Italia-Anleihen und den Renditen deutscher Bundesanleihen. Bei Betrachtung der zehn-jährigen Anleihen wird deutlich, dass zehn-jährige italienischen Papiere 2013 eine um drei Prozent höhere Rendite verzeichnet haben als deutsche Titel. Erst rund fünf Jahre später – Ende Mai 2018 – wurden diese Niveaus erneut getestet.

Die folgende Grafik zeigt, dass der Markt innerhalb von nur etwa einem Tag von einer relativ geringen Risikoeinschätzung für Italiens BTPs zu einer deutlich höheren Risikoeinschätzung überging.

Abbildung 2: Spread zehn-jähriger BTP Italia gegenüber zehn-jähriger Bundesanleihen
Quelle: Bloomberg, Daten vom 31. Mai 2013 bis 14. Juni 2018. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Seit der Verkündigung der erfolgreichen Regierungsbildung ist der Spread jedoch um 70 Basispunkte von drei Prozent auf 2,3 Prozent gesunken, was darauf hindeutet, dass das Risiko nachgelassen hat.

Die andere Risikomessgröße, die wir analysiert haben, sind die Credit Default Swap Spreads (CDS-Spreads) auf italienische Banken.

Legt man die CDS-Spreads der letzten fünf Jahre für die drei größten italienischen Banken zugrunde, zeigt sich, dass die Spreads trotz einer Ausweitung im Mai nicht annähernd das Niveau vom Juni 2013 erreichen. Dies deutet darauf hin, dass das Risikoniveau weit unter dem Niveau von vor fünf Jahren liegt.

Bewertungen sind niedrig 

Anlagen sind grundsätzlich mit Risiken verbunden – daher kommt es darauf an, Risiko und Ertrag in Einklang zu bringen.

Beispielsweise wird der FTSME MIB Banks Indes derzeit mit einem Gesamt-KGV von 9,6x und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,7x gehandelt (vgl. Abbildung 3). Dies sind sehr niedrige Bewertungsniveaus, was darauf hindeutet, dass in diesem Teil des Marktes bereits ein hohes Risiko eingepreist wird.

Abbildung 3: Italienische Banken sind günstig
Quelle: Bloomberg. Stand: 14. Juni 2018. Die ausgewählten Banken waren Bestandteile des FTSE MIB Banks Index. Die Banco BPM Spa verzeichnete zum 14. Juni 2018 ein negatives Ergebnis für die letzten 12 Monate, daher lag kein KGV vor. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Zusammenfassung

Vor diesem Hintergrund halten wir italienische Banken mittlerweile für eine interessante Anlagegelegenheit.

Italien hat eine neue Regierung, und neue Vorschriften zur Verbesserung des Wirtschaftswachstums im Land könnten sich positiv auf den Konsum auswirken und die Kreditnachfrage ankurbeln.

Für Anleger, die von der verbesserten Stimmung gegenüber Italien profitieren wollen, könnte sich eine Long-Positionierung beim FTSE MIB Banks Index bezahlt machen.

 

 

 

 

 

 




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