In jedem Fall wird die Unsicherheit um die Bildung und die Stabilität der italienischen Regierung einige Zeit andauern, und es ist denkbar, dass es zu Neuwahlen kommt.

In den vergangenen Monaten sind die Renditen für italienische Staatsanleihen gesunken. Das hat einige Analysten zu der irrtümlichen Annahme verleitet, dass der Wahlausgang sich nur wenig auf die Märkte auswirkt und dass die Anleger die innenpolitischen Risiken in Italien weitgehend ausblenden.

Die Auswirkungen der politischen Unsicherheiten waren im derzeitigen Marktumfeld gering, verglichen beispielsweise mit den Folgen auf dem Höhepunkt der Staatschuldenkrise. Es gibt mehrere Erklärungen dafür wie die expansive Geldpolitik der EZB und die jüngst fallenden Renditen an den Anleihemärkten der Eurozone. Diese Entwicklungen sind verbunden mit globalen Marktereignissen wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Deshalb suchen Anleger nach sicheren Häfen in den Märkten der Eurozone.

Ein näherer Blick zeigt, dass der ungewisse politische Kurs Italiens die Kreditspreads und somit die relativen Finanzierungskosten nach oben getrieben hat. Das bedeutet, dass italienische Staatsanleihen nicht so stark vom derzeit günstigen Marktumfeld profitieren wie spanische oder portugiesische Staatsanleihen

Bei den zehnjährigen Laufzeiten ist der Spread von italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen in den vergangenen Monaten ungefähr gleichgeblieben, während die Rendite portugiesischer Staatsanleihen seit Dezember stetig sinkt.

Portugal kann sich derweil zu besseren Konditionen finanzieren

Das hat dazu geführt, dass sich Portugal, trotz seines schlechteren BBB-Ratings von Scope, mittlerweile zu günstigeren Konditionen finanzieren kann als Italien. Spanien, das mit A- über das gleiche Scope-Rating wie Italien verfügt, kann Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit um etwa 45 Basispunkte billiger emittieren als Italien. Im Dezember 2017 hatte der Spread bei lediglich 24 Basispunkten gelegen. Diese Entwicklung ist vermutlich zum Großteil auf die politischen Unsicherheiten in Italien zurückzuführen.

Im Moment schließt Scope weder eine anhaltende Pattsituation im Parlament aus, noch Neuwahlen oder die Machtübernahme durch eine populistische Regierung, die die Reformen der Vorgängerregierungen rückgängig machen könnte. Das kann in der nächsten Zeit zu einer eingepreisten Risikoprämie in die italienischen Anleihenmärkte führen.




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