Weiterhin synchroner Aufschwung

Die Konjunktur befindet sich weltweit nach wie vor im Wachstumsmodus. In den großen Wirtschaftszonen USA, Euroraum, Japan und China liegt das Wachstum weiterhin über Trend – was im vergangenen Jahr die Anlagemärkten so ertragreich gemacht hat. Karen Ward von J.P. Morgan Asset Management kommentiert.

Die Konjunktur befindet sich weltweit nach wie vor im Wachstumsmodus. In den großen Wirtschaftszonen USA, Euroraum, Japan und China liegt das Wachstum weiterhin über Trend – was im vergangenen Jahr die Anlagemärkten so ertragreich gemacht hat.

Dies schlägt sich in soliden Unternehmensgewinnen nieder. Im ersten Quartal übertrafen die Erträge die Erwartungen auf breiter Front. An der
 Spitze lagen die Börsen in den USA. Nicht zuletzt wegen der
 umfangreichen Steuersenkungen stiegen die Gewinne je Aktie um 25 Prozent.  Doch auch in Europa und Japan lagen die Erträge deutlich über den Erwartungen. Europäische Unternehmen meldeten ein Gewinnwachstum von 10 Prozent und die japanischen Firmen aus dem TOPIX von 11 Prozent.

Im ersten Quartal übertrafen die Ergebnisse die Erwartungen in allen wichtigen Märkten

Abbildung 1: Gewinnwachstum je Aktie im ersten Quartal
Veränderung zum Vorjahr in %
Quelle: J.P. Morgan Securities Research, J.P. Morgan Asset Management. Gewinnwachstum je Aktie im 1. Quartal von europäischen, TOPIX- sowie Unternehmen im S&P 500. Stand der Daten: 12. Juni 2018.

Das Wachstum hat auch die Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen wieder ansteigen lassen. Es dauerte lange, bis die Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise verblassten, und den Unternehmen fehlte über Jahre die Konfidenz, ihre Investitionen auszuweiten. Der Aufschwung zieht sich zwar bereits über lange Zeit, verlief aber bisher recht flach, was vor allem auf die Investitionszurückhaltung der Unternehmen zurückzuführen ist.

Aufgrund des Arbeitskräftemangels müssen Unternehmen ihre Produktivität steigern

Abbildung 2: Produktivitätswachstum und Qualität des Arbeitsangebotes
Anteil der Firmen in Prozent (links); Veränderung über 3 Jahre in Prozent, annualisiert (rechts)
Quelle: Bloomberg, BLS, NFIB (National Federation of Independent Business), Thomson Reuters Datastream, J.P. Morgan Asset Management; Stand der Daten: 12. Juni 2018.

Die Unternehmen sahen sich gezwungen, mehr auszugeben, da Arbeitskräfte immer knapper werden, insbesondere in den USA. Künftig müssen die Unternehmen mehr aus ihren Beschäftigten herausholen, d. h., sie müssen die Produktivität steigern. Nachweise einer steigenden Produktivität wäre für die Märkte sehr positiv. Dadurch könnte der Zyklus verlängert, die Inflation niedrig gehalten (durch Senkung der Lohnstückkosten), die Rentabilität der Unternehmen unterstützt und die Notwendigkeit deutlich höherer Zinsen begrenzt werden.

Handelskonflikte sind ein wesentliches Risiko

Prinzipiell besteht die Möglichkeit eines positiven Kreislaufs von wachsendem Vertrauen, höheren Investitionen und steigender Produktivität. Doch die Politik in Washington kann diese günstigen Ausblick gefährden.

Die größte Sorge ist die Möglichkeit eines internationalen Handelsstreits. Die US-Regierung ist der Ansicht, dass für das hohe Leistungsbilanzdefizit unter Ausnahme des Energiesektors ungleiche Handelsabkommen verantwortlich sind. Die einzige konkrete Maßnahme war bislang die Einführung von Zöllen auf Stahl und Aluminium in den USA. Diese allein werden nur sehr geringe Auswirkungen auf die Konjunktur in den USA oder die Weltwirtschaft haben. Aber das Risiko besteht darin, dass diese relativ kleinen Aktionen Vergeltungszöllen auf andere Produkte nach sich ziehen.

Abbildung 3: Beitrag zum realen Bip-Wachstum in der Eurozone und Gesamt-Emi
Veränderung zum Vorjahr in Prozent (links); Indexstand (rechts)
Quelle: Eurostat, Markit, Thomson Reuters Datastream, J.P. Morgan Asset Management. EMI steht für Einkaufsmanagerindex, wobei eine Punktzahl von 50 angibt, dass die wirtschaftliche Aktivität weder wächst noch schrumpft; mehr als 50 Punkte stehen für eine Expansion. EMI-Daten sind vierteljährlich angegeben. Stand der Daten: 12. Juni 2018.

Unser Basisszenario ist, dass die Auseinandersetzungen nicht zu einem ausgewachsenen Handelskrieg eskalieren. Obwohl „billige“ Importe einige Sektoren und Arbeitnehmer in den USA vor Probleme stellen, profitiert die überwiegende Mehrheit der US-Haushalte von den niedrigeren Preisen. Vieles hängt davon ab, wie die Politik im Land aufgenommen wird, während der Termin der Zwischenwahlen näher rückt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, ob die US-Regierung einen politischen Anreiz hat, Zölle aufzulegen oder nicht, bevor die Wähler zur Wahlurne gehen. Diese Unsicherheit allein spricht für eine vorsichtigere Einstellung zu Risikoanlagen.

Handelssorgen und höhere Ölpreise

Die USA sind zusätzlich auch aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, was den Ölpreis auf 80 US-Dollar pro Barrel erhöhte. Handelssorgen und höhere Ölpreise belasten somit gemeinsam die Stimmung in Europa. Der Gesamt-Einkaufsmanagerindex – die wichtigste Umfrage zum Geschäftsklima – deutet mittlerweile auf ein Wachstum der Eurozone von rund 2 Prozent hin und nicht mehr von knapp 3 Prozent wie am Ende des vergangenen Jahres. Unter japanischen Unternehmen, die ähnlich sensibel auf die Entwicklungen im Handel und des Ölpreises reagieren, hat sich die Stimmung vergleichbar verschlechtert.

Abbildung 4: Verbrauchervertrauen in Europa und MSCI Europe
Indexstand
Quelle: EU-Kommission, MSCI, Thomson Reuters Datastream, J.P. Morgan Asset Management. Die hellgrauen Balken stehen für eine Rezession. Stand der Daten: 12. Juni 2018

Wir gehen davon aus, dass die Sorgen um den Welthandel abnehmen und die treibenden Kräfte hinter dem Aufschwung sich in der zweiten Jahreshälfte in Europa wieder durchsetzen werden. Die europäischen Banken stehen inzwischen auf einer viel solideren Basis, und durch den Wettbewerb fallen die Zinsen und die Kreditvergabestandards lockern sich. Auch der Arbeitsmarkt erholt sich. Die Beschäftigung in Europa wächst genauso schnell wie in den USA, was mit dazu beiträgt, dass das Verbrauchervertrauen auf Rekordhöhen steigt.




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