„Wir kennen alle Kreditnehmer persönlich“

Das Konzept nachhaltiger Fonds ist schon lange etabliert und bekannt. Doch wie arbeitet eine nachhaltige Bank? Global Investor hat mit Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland, gesprochen.

Sie werben damit, eine nachhaltige Bank zu sein. Bieten Sie dennoch auch alle üblichen Dienstleistungen an?

Schürmann: Ja selbstverständlich. Auch eine nachhaltige Bank bietet die Produkte an, die ein Kunde braucht, das ist uns sehr wichtig. Wir wollen die gesamte Palette an Produkten, die ein Kunde benötigt, abdecken, sodass der Kunde uns auch als Hausbank nutzt.

Was bedeutet nachhaltiges Banking für den Kunden?

Schürmann: Nachhaltiges Banking bedeutet für uns, dass wir das Geld unserer Sparer ausschließlich in nachhaltigen Projekten investieren. Also nur in Projekten, die einen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft leisten. Das sind ganz konkret erneuerbare Energien, ein ganz wesentlicher Punkt unter dem Kapitel Umweltschutz. Ein weiterer Sektor ist für uns der Sektor des Sozialen, hier finanzieren wir in Deutschland beispielsweise Senioreneinrichtungen. Dazu kommt der Bereich Kultur beziehungsweise Bildung, wo wir Schulen finanzieren. Und des Weiteren finanzieren wir nachhaltige Immobilien, die im Umweltbereich angesiedelt sein können, wenn sie besonders hohe Umweltstandards erfüllen, oder auch im sozialen Bereich, wenn es sich beispielsweise um Obdachloseneinrichtungen handelt. Das sind die Themen, die wir begleiten und so definieren wir bestimmte Sektoren, in denen wir tätig sind und wo wir einen gesellschaftlichen Nutzen sehen. Ganz wichtig ist für uns auch der Faktor Transparenz. Unsere Anleger können auf unserer Website alle Kredite einsehen, die wir vergeben haben. So sehen sie, was ihr Geld bewirkt.

Wie überprüfen Sie Ihre Kreditnehmer und ob die Projekte einen gesellschaftlichen Mehrwert liefern?

Schürmann: Für uns ist der entscheidende Faktor zunächst, in welchem Bereich wir investieren. Bei erneuerbaren Energien ist das relativ einfach. In anderen Bereichen kann es schwieriger sein. Wird eine Senioreneinrichtung von einem Investmentfonds geführt, so achtet man wahrscheinlich mehr auf die Rendite und weniger auf die Menschen, die dort leben. Dann gibt es noch Senioreneinrichtungen, wo der Mensch im Vordergrund steht, diese müssen aber auch eine vernünftige wirtschaftliche Grundlage haben. Das bekommen Sie natürlich nur raus, wenn Sie vor Ort sind, mit dem Unternehmer sprechen und sich die Einrichtungen anschauen. Dafür muss man ein Gefühl entwickeln und auch die entsprechende Expertise haben. Wir kennen alle unsere Kreditnehmer persönlich und führen intensive Gespräche, weil wir auch ihre Intention kennen wollen. In einem ersten Schritt prüfen wir, ob der Partner zu Triodos passt, in einem zweiten — nicht weniger wichtigen Schritt – prüfen wir die finanziellen Zahlen.

Steht für Sie Rendite oder Nachhaltigkeit an erster Stelle? Würden Sie zugunsten der Nachhaltigkeit auch auf Rendite verzichten?

Schürmann: Das ist für uns kein „Oder“, sondern gehört zusammen. Unsere Verpflichtung ist es, nachhaltige Produkte anzubieten. Und weil sie nachhaltig sind, haben sie auch eine überzeugende Rendite. Nachhaltige Produkte haben auch ein überzeugendes Rendite-Risiko-Verhältnis, hierzu gibt es mehrere Studien, aus denen eindeutig hervorgeht, dass nachhaltige Fonds klassischen Fonds eindeutig überlegen sind. Von daher ist das für uns kein „Entweder/Oder“ sondern ein ganz klares „Und“. Für Nachhaltigkeit muss man nicht auf Rendite verzichten. //

Interview: Katharina Lamster




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