Wohneigentum: Junge Haushalte zunehmend ausgeschlossen

Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall

Die Rahmenbedingungen für den Erwerb von Wohneigentum sind gut – die Zinsen sind niedrig und die Nachfrage nach Wohnraum hält an. Dennoch verharrt die Wohneigentumsquote in Deutschland seit Jahren bei 45 Prozent. Im europäischen Vergleich leben nur in der Schweiz weniger Menschen in den eigenen vier Wänden. In einer Studie im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) als Hauptgrund für die Stagnation das mangelnde Eigenkapital ausgemacht.

Die Bauzinsen liegen auf einem historisch niedrigen Niveau, die Nachfrage nach Wohnraum hält weiter an – und dennoch verharrt die Wohneigentumsquote in Deutschland bei 45 Prozent. Dies stellte das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in einer Studie im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall fest. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf dem vorletzten Rang – nur in der Schweiz leben weniger Menschen im Wohneigentum.

Besonders auffällig ist, dass immer weniger junge Haushalte Wohneigentum erwerben, während die Quote bei den Älteren steigt. So wohnten von den 25- bis 34-Jährigen 2017 nur 12 Prozent und von den 35- bis 44-Jährigen lediglich 38 Prozent in den eigenen vier Wänden – ein Rückgang von je fünf Prozentpunkten im Vergleich zu 2010. Dagegen stieg in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen die Wohneigentumsquote im selben Zeitraum an – 58 Prozent der Haushalte wohnt im Eigentum (+ zwei Prozentpunkte seit 2010).

„Die Studie zeigt, dass vor allem jüngere Haushalte zunehmend von der Wohneigentumsbildung ausgeschlossen sind“, sagt Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Dabei wäre Wohneigentum angesichts der Probleme in der gesetzlichen und betrieblichen Rente und fehlender alternativer Anlagen gerade für junge Menschen die ideale Form der Altersvorsorge.“

Neben fehlendem Bauland und einem mangelnden Angebot an Wohnimmobilien, vor allem in Ballungszentren, nennt die Studie einen Hauptgrund für die Stagnation: zu wenig Eigenkapital. Die laufende Belastung aus Zins und Tilgung können die meisten Haushalte zwar besser tragen als noch vor einigen Jahren. Dies liegt hauptsächlich an der Zinsentwicklung, die bislang die gestiegenen Immobilienpreise mehr als kompensieren. Der Bedarf an Eigenkapital hingegen übersteigt oftmals die Ersparnisse und erweist sich für viele Haushalte als größtes Hindernis für Wohneigentum.

Mindestens 20 Prozent des Kaufpreises sollte ein Haushalt für den Erwerb einer Immobilie gespart haben. Hinzu kommen die Erwerbsnebenkosten, die – je nach Bundesland – rund 10 bis 15 Prozent ausmachen und ebenfalls vom Bauherren gestemmt werden müssen. Da sich der Eigenkapitalbedarf prozentual am Kaufpreis orientiert, müssen Haushalte angesichts der gestiegenen Preise vor allem in Ballungszentren teils mehr als 50 Prozent gespart haben als noch vor fünf Jahren.

„Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist es wichtig, die Vermögensförderung zu verbessern und jungen Menschen einen Anreiz zum Sparen zu geben. Hier ist die Politik gefordert. So wurden beispielsweise die Förderbeiträge für die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage seit 1998 nicht angepasst und dadurch real entwertet“, sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln.

„Leider können viele Haushalte in Deutschland die Chancen niedriger Zinsen nicht nutzen. Wenn wir Altersarmut morgen verhindern wollen, müssen wir daher heute den Aufbau von Eigenkapital fördern“, sagt Reinhard Klein.




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