Ziehen Wolken auf?

Das weltweite Wirtschaftswachstum nähert sich dieses Jahr der Vier-Prozent-Marke. In der Eurozone hält das Wachstum an, jedoch nehmen Unsicherheiten zu. Anton Brender sowie Florence Pisani, beide erfahrene Marktexperten bei Candriam, geben einen aktuellen Überblick.

Der Sommer 2018 beginnt mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum, das auch den zunehmenden politischen Unsicherheiten trotzt. Doch können steigende Ölpreise, Handelskonflikte oder die Bildung einer populistischen Regierung in Italien die Fortsetzung der Konjunkturerholung stoppen? Der europäische Asset Manager Candriam analysiert in seinem heute veröffentlichten Wirtschafts- und Finanzausblick die weiteren Aussichten für die Weltwirtschaft.

Nach wie vor positives globales Umfeld

Nach einer deutlichen Beschleunigung im Jahr 2017 dürfte sich das weltweite Wirtschaftswachstum dieses Jahr der Vier-Prozent-Marke nähern, das ist der höchste Anstieg seit 2011. Die Rohstoff-exportierenden Länder profitieren von der Stabilisierung der Kurse und die Erdöl-Exporteure vom Anstieg des Ölpreises. In China ist es den Behörden gelungen, den Anstieg der privaten Schuldenlast und die Entwicklung eines Schattenbanksystems einzudämmen, ohne gleichzeitig die Konjunktur allzu sehr zu belasten. Das unsichere internationale Umfeld könnte die Konjunktur zwar etwas bremsen, aber sofern sich die Spannungen nicht verschärfen und die Ölpreise nicht sehr viel stärker steigen, dürfte das Wachstum nicht ins Stocken geraten.

In der Eurozone stagnierte das Wachstum im ersten Quartal, dennoch gibt es keinen Grund, warum sich das Wachstum jetzt verlangsamen sollte: Die Exportaufträge bleiben positiv, die Kreditbedingungen sind immer noch günstig und der Anstieg der Unternehmensinvestitionen setzt sich fort. Falls sich der Ölpreis bei rund 75 US-Dollar stabilisiert, wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2018 um 2,4 Prozent steigen, was in etwa dem Anstieg von 2017 entspricht.

Es ist jedoch zu betonen, dass dieses insgesamt solide Wachstum im Kontrast zu einer Verschärfung der tatsächlichen Unterschiede in der Eurozone steht. Seit 2006 gehen die Pro-Kopf-BIP in Europa auseinander und die Ausweitung der Wachstumsunterschiede hat sehr unterschiedliche Entwicklungen der Arbeitslosen- und Armutsquoten zur Folge. Letztere sind zwar seit der Finanzkrise tendenziell überall gestiegen, aber in den Ländern Südeuropas war ihr Anstieg besonders ausgeprägt. Das Vertrauen der Bevölkerung in die europäische Geldpolitik wird dadurch zwangsläufig erschüttert, wie das Ergebnis der letzten Wahlen in Italien zeigt.

USA: Zwischen Anreizen und Unsicherheiten

In den USA bleibt das Wachstum trotz einer Abschwächung zu Beginn des Jahres solide. Die Unternehmensinvestitionen steigen deutlich an und der Konsum, der immer noch der wichtigste Motor der Wirtschaft ist, wird weiterhin durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze gestützt. Der Anstieg der Einzelhandelsumsätze im April ist im Übrigen ein Zeichen dafür, dass die Schwäche im ersten Quartal nur vorübergehend war. Im Laufe der nächsten Monate dürfte sich die Steuerreform in begrenztem Umfang auswirken. Die im Haushaltsplan 2018 beschlossenen Zusatzausgaben werden sich hingegen deutlicher auf das Wachstum auswirken. Wenn die geopolitischen Unsicherheiten und die Handelskonflikte das Vertrauen nicht beeinträchtigen, dürfte sich das Wachstum 2018 der Drei-Prozent-Marke nähern. Um jedes Risiko einer ‚Inflationspanik‘ auszuschließen, wird die US-Notenbank die Normalisierung ihrer Zinspolitik fortsetzen: Sie dürfte ihre Leitzinsen dieses Jahr noch drei Mal erhöhen.




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