Der Zinsfalle in Europa entkommen

Die Renditen europäischer Staatsanleihen sind im Keller. Schuldtitel aus den Schwellenländern bieten attraktive Alternativen.

Nach ihrem Tief im Januar sind Emerging-Market- Fremdwährungsanleihen kräftig gestiegen. Vom 20. Januar bis zum 14. April legte die Benchmark, der JPMorgan EMBI Global Diversified, in US-Dollar gerechnet 8,4 Prozent zu. Dies mag einige Beobachter überraschen, insbesondere, wenn sie Ende letzten Jahres eine ganz andere Entwicklung erwartet hatten.

Seinerzeit war der Konsensausblick deutlich pessimistischer, als die derzeitigen Bewertungen vermuten lassen. Man schien ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum zu erwarten und achtete vor allem auf die Zinspolitik in den USA sowie belastbare Hinweise auf eine Erholung Kontinentaleuropas. Wenn sich hier die Einschätzungen ändern, kann dies Auswirkungen auf die Kreditqualität der Emerging Markets haben. Zwar kaufen die Schwellenländer auch Produkte anderer Schwellenländer, doch sind sie insgesamt von der Nachfrage der Industrieländer abhängig. Ein Aufschwung hier lässt oft die Risikobereitschaft der Investoren steigen – und umgekehrt.

Risikoreiche Anlageklasse

Im 4. Quartal 2015 erwarteten die Marktteilnehmer zumeist nachlassendes Wachstum und trennten sich von risikoreicheren Titeln. Rechnete der Markt auf Basis des J.P. Morgan CEMBI Broad Diversified im Dezember noch mit einer High-Yield-Ausfallquote von 4,3 Prozent, stiegen die Erwartungen bis zum 11. Februar auf 6,0 Prozent. Die EZB gab dann eine Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms bekannt und teilte mit, dass jetzt auch Unternehmensanleihen in Frage kämen. Damit pumpte sie noch mehr Liquidität in das europäische Bankensystem.

Emerging-Market-Anleihen gelten gemeinhin als eine risikoreiche Assetklasse. Sie bieten Erträge bei einem Risiko über dem von vergleichbaren Industrieländertiteln. Das Anlegerinteresse an diesen riskanteren Anleihen kann davon abhängen, welche Ertragschancen es sonst noch gibt. Wenn die relativen Erträge der Industrieländermärkte höher sind, zählen im Wettbewerb der Emerging Markets um Kapital vor allem die Fundamentaldaten. Wenn aber die Staatsanleiherenditen der Industrieländer fallen, können die Emerging Markets für deutlich mehr Anleger interessant werden.




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