AKTIEN IM FOKUS 2: Kurzarbeit bei VAT nährt Ängste vor Chip-Abschwung

(neu: Schlusskurse)

ZÜRICH/FRANKFURT/PARIS/AMSTERDAM (dpa-AFX) – Kurzarbeit in einem Werk des schweizerischen Chip-Zulieferers VAT Group hat am Mittwoch die gesamte europäische Halbleiterbranche belastet. Aktien von VAT brachen in Zürich um 10,34 Prozent ein.

In ihrem Sog verloren die Aktien des Chipkonzerns Infineon 4,38 Prozent, womit sie einer der schwächsten Werte im deutschen Leitindex Dax waren. Für die Aktien des Spezialpumpenproduzenten Pfeiffer Vacuum , der auch Chiphersteller beliefert, ging es um 6,90 Prozent abwärts. Die Papiere des Chipindustrieausrüsters Aixtron verloren 3,83 Prozent, die Jenoptik-Aktien sogar 9,69 Prozent und die Papiere des Wafer-Herstellers Siltronic 5,46 Prozent.

Die VAT Group, ein Hersteller von Vakuumventilen, reagierte mit der Kurzarbeit für einige Mitarbeiter auf eine schwächere Nachfrage nach Produktionsanlagen aus der Halbleiterindustrie.

Die Maßnahme der Schweizer könne Indiz sein für einen nachlassenden Investitionszyklus in der weltweiten Halbleiterbranche, sagte Analyst Reto Amstalden von der Baader Bank. Die für das dritte und vierte Quartal 2018 erwartete Schwäche der Branche scheine sich in das erste Quartal 2019 hinein zu verlängern. Damit trübten sich die Aussichten ein. Der Experte schließt nicht aus, dass die Schweizer bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im dritten Quartal Ende Oktober die Umsatzziele weiter reduzieren.

Auch andere europäische Branchentitel ließen am Mittwoch Federn: In Paris fielen die Aktien von STMicroelectronics um 5,80 Prozent. In Amsterdam verloren die Anteilsscheine von ASML 5,51 Prozent. Die Niederländer stellen Lithografie-Anlagen zur Fertigung von Halbleitern her.

Sowohl die Nachfrage nach Halbleitern aus der Automobilindustrie als auch seitens der Hersteller von Smartphones berge Risiken, hatte Analyst Amit Daryanani von RBC erst kürzlich in einer Studie geschirieben. Er verwies zum einen auf schlechtere Geschäftsaussichten gleich mehrerer Autohersteller und zum anderen auf Unsicherheiten auf dem wichtigen Smartphone-Markt China. In den Monaten Juli und August habe sich das weltweite Umsatzwachstum der Chip-Hersteller im Vergleich zu den ersten Monaten des Jahres abgeschwächt.

Hinzu kommt der jüngste Anstieg der Renditen vor allem am US-Anleihemarkt. „Steigende Zinsen können nicht nur die Bewertungsrelationen von Aktien negativ beeinflussen, sondern auch die operative Entwicklung ausbremsen“, sagten die Experten des Börsenstatistik-Magazins Index-Radar. Wichtig sei es daher, Branchen im Blick zu behalten, die im Wirtschaftszyklus frühzeitig auf Veränderungen reagierten. Dazu zähle insbesondere der Chipsektor.


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