Genossenschaftsbanken warnen vor Verschärfung des EZB-Strafzinses

FRANKFURT (dpa-AFX) – Die genossenschaftliche Finanzgruppe wehrt sich gegen eine mögliche weitere Verschärfung der Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). „Es wird für Banken immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen eine angemessene Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen“, sagte die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, am Donnerstag in Frankfurt. „Insbesondere, wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet wird.“

Im Raum steht sogar eine Verschärfung des Strafzinses, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Derzeit werden dafür 0,4 Prozent fällig – in Summe eine Milliardenbelastung für die Geldhäuser im Euroraum. Wegen düsterer Konjunkturaussichten hatte EZB-Präsident Mario Draghi jüngst angedeutet, dass die Notenbank nachlegen könnte. Eine Weitergabe von Strafzinsen an einen größeren Kundenkreis oder Gebührenerhöhungen sind in einem solchen Fall nach Einschätzung des BVR nicht ausgeschlossen.

„Die EZB darf nicht alleine die Inflation im Fokus behalten, sondern muss stärker die Folgen der Negativzinspolitik für die Wirtschaft insgesamt berücksichtigen“, forderte Kolak. Eine Staffelung des Strafzinses sei „dringend erforderlich“, um die Kreditinstitute „durch angemessene Freibeträge“ zu entlasten.

Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete die genossenschaftliche Finanzgruppe einen Vorsteuergewinn von rund 7,8 Milliarden Euro. Den Rückgang um gut 1,1 Milliarden Euro zum Vorjahr erklärte der BVR mit Schwankungen an den Kapitalmärkten zum Jahresende. Nach Steuern ergab sich ein Jahresüberschuss von 5,4 Milliarden Euro und damit 671 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor. Zu der Finanzgruppe gehören unter anderen 875 Volksbanken und Raiffeisenbanken, die Sparda-Banken sowie der DZ-Bank-Konzern.


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