HYPOPORT IM FOKUS: Digitalisierung soll Wachstum befeuern

BERLIN (dpa-AFX) – Der Finanzdienstleister Hypoport hat sich in den letzten drei Jahren einen festen Platz im Nebenwerteindex SDax gesichert. Mit seinen Online-Portalangeboten für die Immobilien-, Finanz-, und Versicherungsindustrie kann das Unternehmen vom digitalen Wandel profitieren. Auch wenn es in einem Bereich noch etwas hakt, rechnet Hypoport mit einem weiteren Wachstumssprung im laufenden Jahr. Wie sich Hypoport entwickelt, was die Experten sagen und wie die Aktie läuft.

DAS IST LOS BEI HYPOPORT:

Das Zauberwort für den Finanzdienstleister ist die Digitalisierung. Das Unternehmen kann mit entsprechenden Dienstleistungen für die Immobilien-, Finanz- und Versicherungsbranche punkten. Das vierte Unternehmenssegment sind Privatkunden. Die erst seit Dezember 2015 in den SDax aufgenommene Hypoport knackte im vergangen Jahr erstmals die Eine-Milliarde-Euro-Marke bei der Marktkapitalisierung, Ende des Jahres lag Hypoport wieder etwas darunter. Die Anfang März vorgelegten Jahreszahlen für 2018 sprechen für sich: Im vergangen Jahr stiegen die Erlöse um mehr als ein Drittel auf 266 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um mehr als ein Viertel auf 29 Millionen Euro.

Das Herzstück des Unternehmens sind die Online-Kreditplattformen, die mehr als die Hälfte des Gesamtkonzernumsatzes sowie knapp 90 Prozent des Ebit ausmachen. Bei der Plattform Europace sind zum Beispiel Banken, Versicherungen und Finanzberater vernetzt, die Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukte und Ratenkredite untereinander abschließen können. Für den genossenschaftlichen Bankensektor sowie für die Sparkassen gibt es jeweils ähnliche Plattformen, die die Geldhäuser als digitalen Kreditmarktplatz nutzen können.

Das an Umsatz und Ertrag gemessen zweitwichtigste Segment machen die Privatkunden aus. Hypoport vertreibt über die Tochtergesellschaften Dr. Klein und Vergleich.de Produkte zur Immobilienfinanzierung und andere Finanzprodukte, wie Kredite und Versicherungen. Ein Team von fast 600 Beratern vergleicht hierbei verschiedene Anbieter für die Kunden.

Im Immobilienbereich beinhalten die Plattformen für Unternehmen Software für den Vertrieb, die Bewertung und die Verwaltung von Immobilien. Das Segment wurde mit der Übernahme der Fio Systems AG im vergangenen Jahr neu ausgerichtet. Es umfasst nun alle Zielgruppen außer Privatkunden – Wohnungswirtschaft, Immobilienmakler und Finanzinstitute, die Immobilien finanzieren. 2018 kaufte das Unternehmen zudem die Value AG, einen Dienstleister für Immobilienbewertungen sowie den Dienstleister für Versicherungsvermittler ASC Asskuranz-Service Center.

Im Gegensatz zu den drei anderen Bereichen entwickelte sich das Versicherungssegment noch nicht zufriedenstellend für Unternehmenschef Ronald Slabke. Die „Anfangsverluste“ vor Zinsen und Steuern, wie er sie im Geschäftsbericht bezeichnete, beliefen sich im vergangenen Jahr noch auf minus 2,7 Millionen Euro. Gründe dafür seien der Aufbau von Vertriebs- und IT-Entwicklungskapazitäten sowie Aufwendungen für Zukäufe. 2019 soll der Fokus daher auf der Integration der neu erworbenen Unternehmen liegen.

Für das laufende Jahr stellte Slabke Anfang März ein prozentual zweistelliges Wachstum mit einem Konzernumsatz von 310 bis 340 Millionen Euro in Aussicht. Das Ebit soll zwischen 32 und 40 Millionen Euro liegen, was einem maximalen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um fast 38 Prozent gleich käme.

DAS SAGEN DIE EXPERTEN:

Für die Privatbank Berenberg stehen die Zeichen beim Finanzdienstleister auf Wachstum, wie Analyst Gerhard Orgonas schrieb. Das Umsatzziel für 2019 liege leicht über den Markterwartungen. Er behalte sein Kursziel von 210 Euro bei.

Besonders optimistisch ist das Analysehaus Warbung Research mit einem Kursziel von 250 Euro. Die Investitionen des Finanzdienstleisters in künftiges Wachstum belasteten die Profitabilität kurzfristig zwar recht deutlich, kommentierte Analyst Marius Fuhrberg. Angesichts des hohen Marktpotenzials sei die Strategie aber stimmig.

Die Privatbank Hauck & Aufhäuser ist dagegen vorsichtiger. Analyst Simon Bentlage wies darauf hin, dass die Transaktionsvolumen des ersten Quartals gemischt ausgefallen seien. Geringere Steigerungsraten beim Kreditmarktplatz Europace und Finmas, der Plattform für Institute der Sparkassenorganisationen, stünden dem stark beschleunigten Wachstum bei Genopace, der Plattform für genossenschaftliche Banken, gegenüber. Er veranschlagt für die Aktie ein Kursziel von 120 Euro, was mehr als ein Drittel unter dem derzeitigen Kurs liegt. Bentlage empfiehlt als einziger der fünf im dpa-AFX-Analyser gelisteten Experten den Verkauf der Aktie. Die übrigen Analysten raten zum Kauf des Papiers.

Das durchschnittliche Kursziel auf zwölf Monate liegt bei 195 Euro. Dabei geht die Spanne weit auseinander: Das niedrigste Ziel liegt bei 120 Euro, das höchste mehr als das Doppelte darüber bei 250 Euro.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Für die Hypoport-Aktie ging es an der Börse 2015 so richtig los. Innerhalb eines Jahres legte die Aktie mehr als 560 Prozent zu und sicherte sich damit einen Platz im SDax. Der nächste Schub nach oben erfolgte 2017 mit Zuwächsen um etwa 90 Prozent bis Jahresende.

Im September vergangenes Jahr erreichte die Aktie dann ihren bisherigen Höchstwert bei 204,50 Euro. Zehn Jahre zuvor, im September 2008, hatte die Aktie nur etwa zehn Euro gekostet. Zu Jahresbeginn legte die Aktie von gut 140 auf über 180 Euro zu. Seitdem pendelt sie zwischen 165 Euro und Höchstwerten von knapp 190 Euro. Im SDax liegt Hypoport mit einem Kursgewinn seit Jahresanfang von mehr als einem Fünftel leicht über dem Indexdurchschnitt.

Mehr als ein Drittel der Aktien hält Unternehmenschef Slabke. Der überwiegende Teil von 60 Prozent ist im Streubesitz.


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