NEBENWERTE IM FOKUS: Robuste Firmen hieven SDax auf Rekordhoch

FRANKFURT (dpa-AFX) – Nebenwerte führen zumeist ein Schattendasein am Aktienmarkt. Dabei stieg der deutsche Kleinwerteindex SDax am Dienstag auf ein Rekordhoch von gut 12 701 Punkten, während die beiden größeren Brüder MDax und Dax noch ein gutes Stück von ihren Ende Januar erreichten Höchstständen entfernt sind. Auch das US-Pendant des SDax, der Russell 2000, schwang sich zuletzt zu immer neuen Höhen auf. Die Kursentwicklung der Nebenwerte, welche Unternehmen herausragen und was die Experten sagen:

WIE SICH DIE NEBENWERTE ENTWICKELT HABEN:

Der SDax, eine Kurzform für „Small-Cap-Dax“, ging am 21. Juni 1999 an den Start. Mittlerweile umfasst das Börsenbarometer die 50 nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung größten Firmen der klassischen, also nicht stark technologiegeprägten Branchen unterhalb des MDax der mittelgroßen Werte.

Anfang des Jahrtausends litt auch der SDax unter dem Platzen der Technologieblase: Der Nebenwerte-Index sackte nach einem Hoch bei gut 3470 Punkten im September 2000 bis zum März 2003 um gut die Hälfte ab. Danach folgte eine rasante Erholung auf fast 6700 Punkte, bevor der SDax im Zuge der Finanzkrise sogar mehr als zwei Drittel an Wert verlor. Ende 2013 aber hat der Index seine Rekordjagd wieder aufgenommen.

Auch seit Jahresbeginn gerechnet läuft es bei den deutschen Nebenwerten gut: Während der hiesige Leitindex Dax bislang unter dem Strich kaum von der Stelle gekommen ist, hat der SDax die Anfang des Jahres aufgekommenen Sorgen vor zu schnell steigenden Zinsen erst einmal abgestreift. Höhere Zinsen können Aktien im Vergleich zu Anleihen bei Investoren in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

DIESE UNTERNEHMEN TREIBEN DIE NEBENWERTE-INDIZES:

Auch in den Vereinigten Staaten haben sich die Nebenwerte seit Jahresanfang besser geschlagen als die Standardpapiere, wie die Entwicklung des Russell 2000 im Vergleich zum Dow Jones Industrial und zum S&P 500 zeigt. Zu den Überfliegern im Nebenwerte-Index zählen die Aktien von Intelsat, die sich allein im Zeitraum von Ende Dezember bis heute in etwa vervierfacht haben. Der Satellitenbetreiber profitiert vom weltweiten Mobilfunkboom. Immerhin fast viermal so teuer wie noch zu Jahresbeginn sind die Papiere des Uhren- und Taschenherstellers Fossil , der zuletzt von überraschend hohen Umsätze im wichtigen Weihnachtsquartal profitiert hatte.

Im SDax sind derweil sowohl typische Mittelständler wie der Autovermieter Sixt oder der Leasingspezialist Grenke als auch Unternehmen wie der Schienenlogistiker VTG vertreten, die durch Übernahmen wachsen und zuletzt beständig gute Zahlen präsentierten. Zudem punkten laut dem Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft MB Fund, Thilo Müller, Firmen wie der Online-Händler für Heimtierbedarf Zooplus mit neuartigen Geschäftsmodellen.

DAS SAGEN EXPERTEN:

Für Portfolio-Manager Björn Glück vom Vermögensverwalter Lupus Alpha kommt der Erfolg der kleinen Unternehmen nicht von ungefähr: Im SDax spielten exportorientierte Firmen eine weit geringere Rolle als Unternehmen, die vom Binnenkonsum abhängen. Für die Indexentwicklung sei das ein Vorteil, denn letztere sind Glück zufolge in der vermutlichen Spätphase der Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt gefragter als sehr zyklische Werte. Auch generell sollte der SDax konjunkturell etwas robuster aufgestellt sein, weil die Nebenwerte weniger stark vom Marktzyklus abhingen als die Standardaktien.

Ebenfalls gute Nachrichten gibt es für die Dividendenfreunde unter den Nebenwerte-Anlegern. So verteilen die im SDax vertretenen Unternehmen 2018 deutlich mehr Geld an ihre Aktionäre als noch im Vorjahr. Das Plus resultiert einer Studie des Institute for Strategic Finance der Essener Hochschule für Oekonomie und Management zufolge nicht nur aus den Sonderausschüttungen des Großzahlers Sixt oder dem Dividenden-Debüt der Container-Reederei Hapag-Lloyd . Auch in der Breite stimme der Trend.

Nicholas Colas vom Analysehaus DataTrek Research glaubt derweil nicht, dass die Nebenwerte weiter die Standardaktien schlagen werden. Zwar stimme es schon, dass zum Beispiel eine Eskalation der internationalen Handelskonflikte kleinere Unternehmen weniger stark treffen dürfte, sagte er jüngst dem Anlegermagazin Barron’s. Allerdings verfügten sie auch nicht über die Größen- und Verbundvorteile, die den Konzernen Vorteile in Einkauf, Produktion und Vertrieb verschafften.


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