ROUNDUP: Einigung auf Regierungsprogramm in Italien belastet die Finanzmärkte

FRANKFURT/MAILAND (dpa-AFX) – Sorgen vor einer populistischen, eurofeindlichen Regierung in Italien haben am Freitag die Finanzmärkte belastet. Auslöser ist die finale Einigung der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega auf ein Regierungsprogramm. Insbesondere italienische Staatsanleihen und Bankaktien gerieten unter Druck.

In dem Programm werden Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen gefordert, die kaum mit den Verpflichtungen in der Eurozone zu vereinbaren sein dürften. Auch die Abschaffung der Rentenreform steht im Programm. Wenigstens die Forderung nach einem Schuldenerlass durch die Europäische Zentralbank (EZB) taucht in dem Papier nicht mehr auf. Diese Forderung hatte bereits am Mittwoch für Turbulenzen an den Märkten gesorgt.

Eine solche neue Regierung wäre nach Einschätzung von Stefan Mütze von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sowohl für Italien als auch für Europa kein gutes Omen. „An eine Reformpolitik, die das Land voranbringen würde und wie sie Emmanuel Macron in Frankreich gerade umsetzt, wäre mit einer solchen Regierung nicht zu denken“, schreibt Mütze. „Stattdessen sollen teure Wahlversprechen realisiert werden, obwohl die Staatsverschuldung bereits bei knapp 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.“ Italien sei ein Land mit großen strukturellen Problemen, die sich jetzt noch verschärfen dürften.

Die Kurse italienischer Staatsanleihen gaben am Freitag merklich nach. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg im Gegenzug um sieben Basispunkte auf 2,179 Prozent. Zeitweise hatte sie mit 2,21 Prozent den höchsten Stand seit zehn Monaten erreicht. Merklich gestiegen sind auch die Risikozuschläge für portugiesische und spanische Anleihen. Gefragt waren dagegen die als sicher geltenden deutschen Anleihen.

Zudem zeigte sich der italienische Aktienmarkt besonders schwach in Europa. Der FTSE MIB sackte am frühen Nachmittag um 0,94 Prozent auf 23 576,68 Punkte ab. Vor allem Bankenwerte wurden abgestoßen: Bper Bank, Ubi Banca und auch Banco Bpm büßten jeweils etwas mehr als 5 Prozent ein. Die Papiere der Unicredit verloren 2,6 Prozent, während sich die der Krisenbank Monte dei Paschi mit minus 0,4 Prozent recht gut hielten. Sie hatten allerdings am Vortag bereits 9 Prozent eingebüßt, nachdem Claudio Borghi, von der rechtspopulistischen Lega einen radikalen Kurswechsel für das Geldhaus gefordert hatte. Die Geschäftsführung der Bank sollte gefeuert und die Pläne zur Privatisierung verworfen werden, hatte er gesagt.

Am Devisenmarkt schwächelte zudem auch der Eurokurs . Er fiel wieder unter die Marke von 1,18 US-Dollar und wurde zuletzt mit 1,1784 Dollar notiert.

Das Thema Italien dürfte auch in den kommenden Tagen für Bewegung sorgen. Schließlich sei die Frage, wer Premierminister werden soll, noch offen. Zudem sollen die Mitglieder der beiden Parteien über das Programm abstimmen.


Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt