MiFID II: Strengere Regeln, Mehr Digitalisierung

Anbieter von Fonds und Vermögensverwalter sind mit neuen Regeln konfrontiert, genauer: mit der europäischen MiFID II, ausgeschrieben „Markets in Financial Instruments Directive, zweite Version“. Global Investor sprach mit Dr. Jörg Stotz, Geschäftsführer der HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH, über die weitreichenden Folgen.

Ab 2018 gelten strengere Vorschriften bei der Konzeption von Investmentfonds sowie im Wertpapiervertrieb. Wie reagieren Sie als Dienstleister der Marktteilnehmer?

Stotz: Als Kapitalverwaltungsgesellschaft, kurz KVG, übernehmen wir seit jeher die Rolle des aktiven Beraters unserer Kunden – und diesem Anspruch wollen wir natürlich auch beim Thema MiFID II gerecht werden. Nicht in Vergessenheit geraten darf jedoch auch das Gesetz zur Reform der Investmentsteuer, welches ebenfalls signifikante Implikationen haben wird. Wir haben aus diesem Grund ein mehrstufiges Servicepaket geschnürt, dass für jedes Informationsbedürfnis den passenden Baustein bereithält. Grundsätzlich ist der Informationsbedarf hinsichtlich beider Themen in meinen Augen als überaus hoch einzustufen.

Woran machen Sie das fest?

Stotz: Wir haben beispielsweise mehrere ganztägige Vortragsreihen mit Experten zu den jeweiligen Themen durchgeführt, die innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren. Aufgrund der großen Nachfrage haben wir sogar noch weitere Veranstaltungen angeboten, die ebenfalls alle bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Die lebhaften Diskussionen mit den Teilnehmern haben uns bestätigt, wie brisant MiFID II und das Gesetz zur Reform der Investmentsteuer für unsere Vermögensverwalter ist. Gleichzeitig bekamen wir das Feedback, dass grundsätzlich eher geringe Unterstützung in der Branche geboten wird und sich mancher ein wenig alleingelassen fühlt.

Treiben Sie diese Informationsoffensive weiter voran?

Stotz: Wir bieten unseren Kunden neben den Fachveranstaltungen an, in Beratungsgesprächen vor Ort die spezifischen Herausforderungen persönlich zu besprechen. Wir werden gern als die Service-KVG wahrgenommen, die ihren Geschäftspartnern relevante Mehrwerte weit über die reine Administrationsdienstleistung hinaus anbietet.

Rechnen Sie mit Verschärfungen bei den Berichtspflichten?

Stotz: Das Kundenreporting muss künftig in bestimmten Situationen ergänzende Angaben wie die Abstimmung der getroffenen Anlageentscheidung auf die Präferenzen und Ziele des Kunden enthalten. Zudem sind den Anleger belastende Kosten detaillierter offenzulegen, als es bislang gefordert war. Unterschieden wird nun nach den Kosten des empfohlenen Wertpapiers wie auch nach Kosten, die im Zusammenhang mit der erbrachten Dienstleistung stehen, zum Beispiel Depotgebühren und Ausgabeaufschläge. Um die Komplexität noch zu erhöhen, ist neben den tatsächlich angefallenen Kosten zusätzlich eine Vorabschätzung über die vermuteten Kosten zu treffen.

Dies geht über das bisherige Tätigkeitspaket eines Vermögensverwalters hinaus – können die Anbieter dies noch leisten?

Stotz: Viele Häuser stellen die hohen Anforderungen vor immense Herausforderungen, die mit den vorhandenen Kapazitäten kaum bewältigt werden können. Ein umfangreiches Reporting von Seiten der KVG, das zahlreiche Daten an die Vermögensverwalter liefert, kann dabei einen wertvollen Mehrwert bieten. Bisher haben wir unseren Kunden spezifische Reports geliefert, aber im Wesentlichen individuell und auf Anfrage. Jedoch haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und im April 2017 unser neues HANSAINVEST Informationsportal gelauncht, welches nun überaus wettbewerbsfähig ist. Das Informationsportal bietet auf Basis einer Bedarfsanalyse unserer Bestandskunden entwickelte Funktionen und wird in einem iterativen Prozess weiter ausgebaut. So führen wir beispielsweise in Kürze eine Studie mit der TELOS GmbH durch, mittels derer wir ein noch besseres Gefühl für die Bedürfnisse unserer Noch-nicht-Kunden bekommen wollen. Diese Erkenntnisse werden wir nutzen, um in den nächsten Releases immer mehr Funktionalitäten einzuspielen.

Sie stecken mitten in der Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse?

Stotz: Ja, wir beschäftigen uns intensiv mit Themen wie Digitalisierung, Design Thinking und neuen Managementmethoden. Das ist für eine klassische Kapitalverwaltungsgesellschaft insgesamt eine große Herausforderung.




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