Systematisch kombiniert: Multi Asset per Smart Beta

Global Investor im Interview mit Bruno Poulin, Mit-Gründer und Geschäftsführer des französischen ETF-Anbieters Ossiam, über systematisch-regelbasierte Investmentstrategien, die steigende Nachfrage nach transparenten und kostengünstigen Produkten auch bei vermögensverwaltenden Produkten sowie Ossiams ersten Multi-Asset Smart-Beta ETF.

Mit Smart Beta und Multi Asset kombiniert der Ossiam Global Multi-Asset Risk Control zwei der großen aktuellen Investmenttrends. Bedienen Sie mit dem Fonds mehr als nur eine vorübergehende Mode, die vor allem dem derzeitigen Kapitalmarktumfeld geschuldet ist?

Bruno Poulin: Definitiv. Die Nachfrage nach systematischen, streng regelbasierten und gleichzeitig transparenten Investment-Strategien ist ebenso wenig ein bloßer Modetrend wie diejenigen nach Multi-Asset-Produkten. Der Trend zu passiven Investments ist bereits seit der Jahrtausendwende nicht zu übersehen. Ein Grund dafür ist die vielfach enttäuschende Performance aktiver Manager, die weitaus höhere Gebühren verlangen. Smart Beta schreibt diesen Trend fort, indem der Ansatz nicht nur die Kosten- und Transparenzvorteile passiver Investments aufweist, sondern auch systematisch die Schwächen traditioneller Indizes und entsprechender Investments adressiert. Eine steigende Nachfrage nach Ansätzen, die unterschiedliche Assetklassen dynamisch kombinieren und Anlegern damit die Entscheidung über die jeweils richtige Vermögensaufteilung abnehmen, ist auf den ersten Blick zumindest teilweise auf die anhaltende Niedrigzinsphase zurückzuführen, die Anleger stärker als zuvor nach Alternativen zu klassischen Zinsanlagen suchen lässt. Aber auch wenn die Zinsen wieder steigen, sehen sich Anleger doch weiterhin zunehmend komplexen Kapitalmärkten gegenüber, die den klassischen Aktien-Anleihen-Mix obsolet machen und stattdessen nach einer dynamischen Vermögensaufteilung über mehrere Anlageklassen verlangen.

So ziemlich jeder Mischfonds, der Aktien, Anleihen und Cash hält, wird heute mit dem Label „Multi Asset“ geadelt. Andere Produkte investieren auch in exotische oder illliquide Anlageklassen. Was genau findet sich in Ihrem Fonds?

Poulin: Der Ossiam Global Multi-Asset Risk Control bietet breit gestreut Zugang zu Aktien und Anleihen aus den Industrie- und Schwellenländern sowie alternativen Investments. Auf der Aktienseite unterscheiden wir zwischen Aktien aus den Industrienationen – US-Titel, Aktien aus der Eurozone und Großbritannien – sowie Schwellenländerpapieren. Gleiches gilt für Staatsanleihen. Hinzu kommen Unternehmensanleihen und High Yields aus den USA und Europa. Zu den alternativen Anlagen zählen Rohstoffe und Immobilien. Außerdem gehört eine variable Cash-Quote für Risikomanagement-Zwecke zur Strategie.

Über welche Vehikel bilden Sie diese Anlageklassen ab, und wonach richtet sich deren jeweilige Gewichtung?

Poulin: Im zugrunde liegenden Index kommen ausschließlich ETFs verschiedener Anbieter für die jeweiligen Assetklassen zum Einsatz. Die Gewichtung richtet sich streng regelbasiert nach einem Mean-Variance-Ansatz, der vereinfacht gesagt eine Umsetzung der Modernen Portfoliotheorie von Nobelpreisträger Harry Markowitz ist. Der Ansatz hat zum Ziel, die erwarteten Erträge eines Portfolios bei gegebenem Risikobudget zu maximieren oder andersherum das Risiko für einen bestimmten erwarteten Ertrag zu minimieren. Dafür bestimmt er die Gewichtungen der Assetklassen im Portfolio unter Berücksichtigung des jeweiligen Risikos, des erwarteten Ertrags und der Korrelationen. Die Korrelation oder Kovarianz steht für das Ausmaß, in dem sich Assetklassen gleichgerichtet oder entgegengesetzt entwickeln. Das bedeutet, dass die Nutzung günstiger Korrelations-Konstellationen dabei helfen kann, das Gesamtrisiko des Portfolios zu reduzieren, ohne dafür auf Ertragsseite bestraft zu werden. Im konkreten Fall des ETFs optimiert der Mean-Varianz-Prozess das Risiko-Ertrags-Verhältnis des Portfolios und bestimmt die jeweilige Gewichtung von Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Immobilien unter Berücksichtigung von Maximalgewichtungen für die einzelnen Assetklassen – denn der ETF ist natürlich ein stark regulierter Ucits-Fonds. Das Ergebnis ist ein effizientes Portfolio, also eine unter den jeweiligen Marktbedingungen hinsichtlich erwartetem Ertrag, Risiko und Korrelation optimale Kombination risikobehafteter Anlageklassen.

Dieses „Risiko-Portfolio“ wird um ein „Cash-Portfolio“ ergänzt. Wie funktioniert das genau?

Poulin: Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie des Ossiam Global Multi-Asset Risk Control ist die strikte Begrenzung des Risikos. Und weil das allein mit risikobehafteten Anlageklassen nur unzureichend gelingt, sorgt ein in das Indexkonzept integrierter Mechanismus über eine dynamische Allokation zwischen dem Risiko-Portfolio und Geldmarkt-ETFs für eine Begrenzung des maximalen Drawdowns. Ehrgeiziges Ziel ist, den maximalen Verlust auf 8 Prozent zu begrenzen. Dabei sieht der Index eine Gewichtung zwischen 43 und 100 Prozent von ETFs des Risikoportfolios vor, der Rest ist ins Cash-Portfolio investiert. Standardmäßig erfolgt eine Neugewichtung des Index auf vierteljährlicher Basis. Dabei hängt die genaue Allokation von der vorausgegangenen Performance im jeweiligen Marktumfeld ab. Ergebnis ist eine Strategie, die in starken Marktphasen in das optimierte Risikoportfolio investieren und diese Investments reduzieren kann, wenn es an den Märkten bergab geht. Zusätzlich zur vierteljährlichen Anpassung ermöglichen optionale Neugewichtungen eine dynamische Korrektur unter extremen Marktbedingungen.

Risikobudgets zählen längst zum Repertoire vieler Multi-Asset-Manager. Was machen Sie anders oder besser?

Poulin: Anders als die meisten Multi-Asset-Fonds fällt unser neuer Fonds weder unter die Kategorie aktiv gemanagter Produkte, noch gehört er zu den rein passiven Produkten. Die Fondsinvestments werden nach einem wesentlich ausgeklügelteren Regelwerk ausgewählt und gewichtet, als dies bei traditionellen passiven Strategien der Fall ist. Im Multi-Asset-Bereich halten diese gewöhnlich schlicht fixe Portfolio-Anteile in unterschiedlichen Anlageklassen und sehen keine Anpassung an das Marktumfeld vor. Dennoch ist der Fonds auch nicht im traditionellen Sinn aktiv verwaltet. Denn im Gegensatz zu aktiv gemanagten Produkten ist unser Multi-Asset-Fonds – wie alle unsere Produkte – streng regelbasiert. Die jeweiligen Regeln werden absolut systematisch und ohne jeden menschlichen Einfluss umgesetzt – und zwar in jedem denkbaren Marktumfeld. Das macht unsere Produkte vollständig transparent und unabhängig von jeglicher „Black-Box-Investment-Entscheidung“. Gleichzeitig sind sie kosteneffizienter als aktiv gemanagte Fonds.

Für welche Anlegergruppen ist der Multi-Asset Risk Control geeignet, und was können diese von ihm erwarten?

Poulin: Sehr aktive Anleger, die in jedem Marktumfeld danach streben, ihre Erträge zu maximieren, sind in dem Fonds möglicherweise nicht immer gut aufgehoben. Alle mittel- bis langfristig orientierten Anleger, die ein kosteneffizientes, transparentes vermögensverwaltendes Konzept – etwa für die langfristige Altersvorsorge – suchen, finden in unserem Multi-Asset-Fonds eine sehr gut passende Lösung. Mit dem Fonds können sie ein breit gestreutes Kerninvestment mit einem Fokus auf die Vermeidung größerer Verluste aufbauen.




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