„Wir senken lieber Kosten, als Risiken zu erhöhen“

Bei Fonds zählen der Vertrieb und das Fondsmanagement zu den größten Kostenblöcken. Setzt man hier den Rotstift an, lassen sich bessere Renditen erzielen, ohne höhere Risiken einzugehen. Nach dieser Grundidee haben Investoren jetzt einen neuen Stiftungsfonds lanciert.

Kirchliche Anleger wie der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg (ELKM) sind gehalten, ihre Investments sicher und rentabel anzulegen. Im Fokus stehen dabei oft Stiftungsfonds mit der klassischen Vermögensstruktur 70 % Anleihen und 30 % Aktien. Da diese wegen des Zinstiefs nicht die erforderlichen Renditen erzielen, stellt sich der ELKM, wie vielen anderen Investoren, die Frage nach Alternativen. Soll der Ertrag durch höhere Risiken gesteigert werden? Können die Kosten gesenkt werden, ohne die Qualität zu beeinträchtigen? Lohnt sich der Tausch des aktuellen Fonds in einen mit besserem Management?

Höhere Anlagerisiken sind in vielen Fällen keine Option. Viele Anleger sehen sie nicht nur kritisch, häufig sind sie ihnen auch durch Anlagerichtlinien untersagt. Der ELKM hat daher gemeinsam mit anderen kirchlichen Anlegern und der Stiftung von Terre des Hommes einen klassischen Stiftungsfonds aufgelegt. Wichtig waren bei der Konstruktion des Smart & Fair-Fonds drei Ziele: erstens die Vermeidung unnötiger Risiken, zweitens geringere Kosten und drittens die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.

Wenn man Kosten sparen möchte, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Wertschöpfungsblöcke. Die folgende Grafik zeigt, dass es zwischen Anlegern und Asset Managern dabei unterschiedliche Perspektiven gibt. Aus der Sicht der Asset Manager fallen sie vor allem im Vertrieb, der Betreuung und im Portfoliomanagement an. Aus Sicht der Investoren stehen die Betreuung sowie das Portfoliomanagement im Fokus.

Die Wertschöpfung im Asset Management

Erfahrene Anleger können auf Beratung verzichten

Wer darauf verzichtet, sich von Vertriebsmitarbeitern Produkte anbieten zu lassen und stattdessen selbst die Auswahl übernimmt, kann viel Geld sparen, ohne Qualitätseinbußen beim Produkt in Kauf zu nehmen. Im konkreten Fall sind die Anleger ausreichend kompetent, um ohne persönliche Beratung die Qualität dieses Fonds beurteilen zu können. Die notwendigen Informationen sind detailliert auf einer eigenen Homepage des Fonds verfügbar. Dadurch gelingt es, einen großen – für viele erfahrene Anleger vermeidbaren – Kostenblock zu umgehen.

Kosteneinsparung durch Verzicht auf aktives Management

Häufig wird zudem empfohlen, zur Kostenreduktion passiv anzulegen, da man sich damit das teure aktive Portfoliomanagement sparen kann. Implizit wird damit unterstellt, dass sich das aufwändige Research und die teuer bezahlten Spezialisten nicht lohnen. Während die Theorie der effizienten Märkte ganz klar für die passive Variante spricht, stellen die Fondsgesellschaften in Aussicht, dass sie den Markt schlagen können und somit den gewünschten Zusatzertrag erwirtschaften. Und in der Tat gibt es immer wieder Vermögensverwalter mit einem eindrücklichen Track Record. So wie es auch beim Roulette Tische gibt, an denen schon 20 Mal Rot hintereinander gefallen ist. Glücklicherweise gibt es Statistiken, die für Fonds Licht ins Dunkel bringen können. Diese zeigen, dass über 10 bis 15 Jahre passive Produkte zu rund 80 % besser rentieren als aktive. Hintergrund ist nicht zuletzt, dass die Kosten deutlich niedriger sind. Aufgrund dieser Erkenntnis haben sich die Fondsinitiatoren entschieden, auf das Risiko des teuren aktiven Managements zu verzichten.

Gleichgewichtung vermeidet unnötige Risiken

Allerdings kam eine reine passive Ausrichtung an marktkapitalisierungsgewichteten Indizes auch nicht in Betracht. Zum einen, weil dadurch die individuellen Nachhaltigkeitskriterien, die sich an den Empfehlungen der Evangelischen Kirche Deutschland und der Bischofskonferenz der Katholischen Kirche orientieren, nicht umsetzbar wären. Zum anderen sind marktkapitalisierte Indizes nicht ideal diversifiziert und erzielen konstruktionsbedingt nur durchschnittliche Renditen. Daher wurde der Universal-Investment vorgegeben, den Fonds regelgebunden zu managen: 30 % des Fondsvermögens wird gleichgewichtet in die jeweils führende „Low-Risk-Aktie“ der verschiedenen nachhaltigen Branchen investiert. 70 % wird gleichgewichtet sehr breit diversifiziert in Euro-Anleihen aus verschiedenen Ländern und Branchen angelegt. Die sehr breite Streuung und die Gleichgewichtung führt zur Vermeidung von Scheindiversifikation und Klumpenrisiken, die eine Orientierung an marktkapitalisierten Indizes mit sich bringt.

Der Verzicht auf Vertrieb und aktives Management führt also zu Kosteneinsparungen ohne Qualitätseinbußen. Diese liegen in der Größenordnung von 0,6 % und sind damit relevant: Denn um 0,6 % mehr Ertrag zu erzielen, muss man zusätzlich das Risiko einer 10%-igen Aktienquote eingehen – für viele konservative Anleger keine Alternative zu geringeren Kosten.

 




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