Blockchain schafft Web 3.0, verhindert Zensur

Karsten Müller, Geschäftsführer bei Chainberry, sieht die Datenkontrolle von Dienstleistungsplattformen wie Ebay kritisch. Die Blockchain-Technologie könnte helfen, denn sie dezentralisiert Nutzerdaten.

In den USA verklagt ein Abgeordneter des Repräsentantenhauses den Plattformbetreiber Twitter auf 250 Millionen US-Dollar, weil er der Ansicht ist, dass Tweets von ihm politisch motiviert unterdrückt werden. Ein Whistleblower aus dem Hause Facebook machte öffentlich, dass Mark Zuckerbergs Social-Media-Gigant Algorithmen entwickelt hat, um bestimmte Inhalte zu „deboosten“, also als nicht wichtig einzustufen. Das soll ihre Verbreitung und ihr Erscheinungsbild in den Newsfeeds einschränken. Das sei angeblich politisch motiviert und daher heimliche Zensur. Auch in Europa geht mit der geplanten Urheberrechtsreform die Sorge einher, dass durch sogenannte Upload-Filter der Internet-Plattformen das Recht zur freien Meinungsäußerung eingeschränkt wird. Manche sprechen hier vom Startschuss für Zensur im großen Stil. Das alles zeigt die Macht der großen zentralisierten Plattform-Giganten und könnte zu einem ernsten Problem werden.

Dezentrale Organisation im Internet

Prinzipiell ist das Internet nach wie vor dezentral organisiert, denn es gehört niemandem. Allerdings werden wichtige Teile mittlerweile von zentralisierten Unternehmen zur Verfügung gestellt. Egal ob Internet-Service-Provider, Suchmaschinen, E-Mail-Versand, Web-Hosting oder soziale Medien – alle Dienste werden mittlerweile von einigen wenigen, sehr großen Unternehmen kontrolliert. Auch wenn die Kommunikation direkt und nach dem Peer-to-Peer-Modell stattfindet, läuft das Business stets über einen Mittelsmann. Wer zum Beispiel etwas von einem anderen Nutzer auf Ebay kauft, ist dabei auf die Abwickelung durch Ebay als Mittelsmann angewiesen. Der Grund ist simpel: Plattformen haben sich als Dienstleister etabliert. Sie regeln die Interaktion zwischen Nutzern und Unternehmen. Sie bringen Teilnehmer zusammen, welche sich unter Umständen gar nicht persönlich kennen und sich daher nicht gegenseitig vertrauen können. Als „vertrauenswürdige“ Mittelmänner machen es die Plattformen den Nutzern dagegen leicht und bequem.

Aber genau dieser vermeintliche Nutzen hat auch einen gravierenden Nachteil, denn die Plattformen haben die volle Kontrolle über die Daten der User. Sie können zudem ihre eigenen Regeln aufstellen. Sie bestimmen, wer wann welche Dienstleistung in Anspruch nehmen darf und wer was an Inhalten zu sehen bekommt. Google entscheidet, welche Bilder auf Basis einer Suchanfrage auf der ersten Seite platziert werden. Facebook steuert den größten Informationskanal der Welt und entscheidet, welche Informationen valide sind und welche nicht. Die Daten der Nutzer sind dabei das höchste wirtschaftliche Gut. Aber die Probleme mehren sich. Datenmissbrauch, Manipulationsvorwürfe, Lecks und Identitätsdiebstahl sind an der Tagesordnung.

Renaissance des Internets mit Blockchain

Doch das muss nicht so bleiben: Die Blockchain-Technologie leitet gerade die Renaissance des Internets und der dezentralen Plattform-Ökonomie ein. Mit dieser neuen Technologie kann die Mittelsmann-Funktion, die zurzeit noch die zentralen Plattformen innehaben, eliminiert werden.

Die Blockchain ermöglicht es stattdessen, mit Dritten sicher Geschäfte abzuschließen, Eigentum sicher und ohne Mittelsmänner zu transferieren und mit digitalen Währungen im Internet zu bezahlen. Eine zentrale Plattform als Instanz wird nicht mehr benötigt. Ein weiterer Vorteil ergibt sich daraus, dass Nutzer Dienstleistungen in Anspruch nehmen und Apps verwenden können, ohne die Hoheit über ihre Daten aufgeben zu müssen. Völlig neue Geschäftsmodelle können entstehen. Ein Web 3.0 der Zukunft entwickelt sich, befeuert durch die Blockchain-Technologie und dem Verlangen nach mehr Sicherheit und Vertrauen zwischen allen Marktteilnehmern. Alle Transaktionen sind dabei fälschungssicher auf unendlich vielen Rechnern im Internet redundant verteilt. Programme werden zukünftig dezentral ausgeführt und mit Smart Contracts neue Geschäftsmodelle definiert. Die Zeit der dezentralen Plattformen hat begonnen.

Dass das funktioniert, zeigt beispielsweise Storj, ein dezentrales Äquivalent zur Dropbox, das Daten zerstückelt, die Stücke verschlüsselt und sie auf die unterschiedlichen Knoten des Netzwerks verteilt. Weitere Projekte, die einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben, sind Swarm, Maidsafe oder das Interplanetary File System. Nutzer dürfen sich auf eine Renaissance des freien Internets dank Blockchain freuen. Etablierte Unternehmen, allen voran die großen Plattformbetreiber, werden sich neu erfinden müssen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt