100 Tage nach der Wahl: Wieso Anleger abwarten sollten

Mehr als 100 Tage ist die neue Regierung Malaysias nun im Amt. Kenneth Tang, Senior Portfoliomanager für asiatische Aktien bei Nikko Asset Management, zieht ein erstes Resümee. Der ASEAN-Spezialist Tang ist sich sicher: Für Optimismus ist es noch zu früh!

Kann die vormalige Oppositionspartei mit ihrem 92-jährigen Führer Mahathir Mohamad tatsächlich einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel im Land erreichen?

In den 100 Tagen seit dem überraschenden Wahlausgang hat die Koalition der Hoffnung (Pakatan Harapan) die Macht übernommen und als Teil ihres Manifests eine neue Wirtschaftspolitik initiiert. Sie machte zehn Versprechen, die größtenteils populistischer Natur sind. Bei deren Umsetzung hat sie bereits einige Fortschritte erzielt. So wurden Richtlinien zur Abschaffung der ‚Goods and Sales Tax‘ (GST) und zur Einführung der ‚Sales und Service Tax‘ (SST) auf den Weg gebracht. Außerdem hat die Regierung drei Milliarden Malaysische Ringgits (MYR) bereitgestellt, um die Verbraucher durch die Subventionierung von Benzin und die Einführung eines Mechanismus, mit dem die Subventionszuteilung gezielter erfolgen kann, zu unterstützen.

Bei anderen Versprechen wurden weniger Fortschritte erzielt. Wir erwarten, dass die Regierung darauf hinarbeitet, auch diese in den kommenden Monaten noch einzulösen. So sollen alle Megaprojekte, die an fremdländische Staaten vergeben wurden, einer Prüfung unterzogen, der nationale Mindestlohn vereinheitlicht und ein Schuldenerlass für die Siedler des Palmölunternehmens FELDA eingeleitet werden. Insgesamt bewerten wir dies als vielversprechende Schritte für die soziale und wirtschaftliche Agenda der neuen Regierung.

Wir sind jedoch der Meinung, dass mehr getan werden muss, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Die Aufhebung der GST wird beispielsweise noch immer als eine populistische Aktion betrachtet. So sehr dies den inländischen Konsum auch ankurbeln dürfte, ihr Hauptaugenmerk sollte die Regierung vielmehr darauf legen, die neue SST möglichst transparent und effizient umzusetzen, um langfristig das Haushaltsdefizit des Landes abzubauen.

Als Investor sind wir seit den Wahlen im Mai in Malaysia untergewichtet. Nach den ersten 100 Tagen sind wir vorsichtig optimistisch, dass die neue Regierung eine glaubwürdige Wirtschaftsstrategie für das Land entwickeln kann. Obwohl sie schon viel erreicht hat, sollten Investoren aber zunächst abwarten, ob die neue Wirtschaftsagenda die Finanzen des Landes langfristig reparieren und Investoren ein transparenteres, weniger korruptes und damit rentableres Umfeld bietet kann, das zudem nicht auf dem Rücken von Minderheiten gebaut ist.

Sollte dies gelingen, dürften Unternehmen und Investoren davon profitieren. Bei der Suche nach Möglichkeiten, um das Engagement in Malaysia zu erhöhen, sollte der klare Fokus auf Unternehmenswerten liegen, die von einem potenziell stärkeren Geschäftsumfeld profitieren werden.




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