Abe(nomics) im Aufwind?

Japans Wirtschaft war als Sorgenkind der Weltwirtschaft bekannt. Der Wandel zeichnet sich ab. Das Land könnte aus der Not eine Tugend machen. Tadahiro Fujimura, Manager des Swisscanto (LU) Equity Fund Small & Mid Caps Japan, kommentiert.

Der japanische Premierminister Shinzo Abe schaut seinem fünfjährigen Jubiläum in Regierungsverantwortung entgegen. Damit kann Abe schon heute die drittlängste Amtszeit seit der Einführung der Demokratie 1945 verbuchen. Die Abe-Jahre waren bisher von Ambivalenzen geprägt: Zum einen konnte unter ihm eine stabilere Regierung gebildet werden, was in der jüngeren japanischen Vergangenheit keineswegs Gewohnheit war, zum anderen wurde im Laufe des Jahres 2017 die politische Realität durch fortlaufende Skandale im Kabinett der Abe-Regierung erschüttert. Zweitweise drohte gar der Fortbestand der Abe-Regierung ins Wanken zu geraten.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen für einen japanischen Premier – Stichwort: Deflation – sind denkbar schwierig. Daher stehen wirtschaftspolitische Reformen schon immer im Zentrum der Regierungsarbeit Abes. Die wirtschaftliche Reformagenda seiner zweiten Amtszeit brachte sogar ein Kofferwort hervor: Abenomics. Ein Wort, das insbesondere für eine aggressive geldpolitische Lockerung steht.

Anziehende Konjunktur stabilisiert Regierung

Die vergangenen Monate scheinen allerdings trotz einiger Skandale für die Abe-Regierung zu sprechen. Das hat unterschiedliche Gründe: Die Konjunktur zieht seit geraumer Zeit leicht, aber kontinuierlich an. Zudem werden die im August verabschiedeten Reformen positiv bewertet, die Oppositionspartei ist durch anhaltende interne Skandale geschwächt und die Spannungen mit Nordkorea stabilisieren die Regierungsinitiativen. Nun hat sich bei den vorgezogenen Neuwahlen am 22. Oktober gezeigt, dass ein Kurswechsel von der Bevölkerung nicht gewünscht ist.

Die Wirtschaftslage Japans bleibt zweifelsohne brisant. Ein zentrales Problem für das Wirtschaftswachstum stellt etwa der Arbeitskräftemangel dar. Von wachsender Jugendarbeitslosigkeit, unter dem viele entwickelte Länder leiden, ist Japan daher nicht betroffen. Die zahlreichen Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Bewerber tragen langfristig eher zur Stabilität der japanischen Gesellschaft bei. Folglich hat die Struktur des Arbeitsmarktes zunehmende ökonomische und politische Auswirkungen. Eines der aktuellen zentralen politischen Programme von Premierminister Abe ist die „Arbeitsstil-Reform“, mit der sich der derzeitige Arbeitskräftemangel noch verschärft. Seitdem die Suizide junger Arbeitnehmer aufgrund von Überarbeitung in den Nachrichten Schlagzeilen machten und der Anteil an Frauen bei den Arbeitskräften gestiegen ist, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, wurden flexiblere Arbeitszeiten, bezahlter Urlaub und strenge Obergrenzen für Überstunden eingeführt. Diese Maßnahmen führen wiederum bei großen Unternehmen zu höheren Personalkosten sowie zu einer weiteren Verstärkung des Fachkräftemangels.




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