Am deutlichsten hat sich dies bereits jetzt in der Währung niedergeschlagen wobei das Pfund seit Abstimmung knapp 15 Prozent gegenüber dem Euro verlor. Aber auch neue Investitionen lassen auf sich warten. Firmen wie Rolls Royce, oder Jaguar Land Rover scheuen neue Investitionen in einem Umfeld, was kaum stringente Planungsprozesse erlaubt.

Die Einbussen und Probleme bei einem No-Deal Brexit wären signifikant, beispielsweise bei den Produktionsprozessen im verarbeitenden Gewerbe. Sie würden einen grossen Exportmarkt für EU-Unternehmen wesentlich schwerer zugänglich machen. Gleiches gilt jedoch auch anders herum.

Großbritanniens Wirtschaft wächst trotz Brexit

Das Wachstum in Großbritannien erscheint weiterhin recht robust und wird von Brexit-Befürwortern als Beleg dafür angeführt, dass das Ganze nicht so schlimm ausgehen wird wie teilweise beschrieben. Doch vor allem die relative Dynamik zu anderen Industrieländern hat sich substanziell verschlechtert. War vor dem Referendum Großbritannien eines der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften mit einer der geringsten Inflationsraten, so hat sich dieses Bild nun umgekehrt: Das Vereinigte Königreich ist heute eher Schlusslicht was das Wachstum und Spitzenreiter was die Inflation angeht. Zudem sind die Wachstumsraten auch vor dem Hintergrund einer globalen Wachstumsdynamik zu sehen, die sich sichtbar abschwächt – Hilfe ist hier in den nächsten Jahren nicht zu erwarten.

Das Verlassen der EU-Zollunion war eine entscheidende rote Linie für hartgesottene Brexiter, die die Freiheit haben wollen, Handelsabkommen mit anderen Ländern wie den USA zu schließen. Diese Abkommen erfordern Zeit während die wirtschaftlichen Auswirkungen eines No-Deals sofort spürbar wären. Knapp 44 Prozent aller Exporte gehen in die EU während anders herum die Quote bei acht bis 15 Prozent liegt – je nachdem wie stark intra-EU Handel mit einbezogen wird.

Großbritannien mit falschen Erwartungen

Zudem ist der Handel mit der EU, sowohl mit Waren als auch mit Dienstleistungen, immer noch erheblich größer als der mit den USA. Für einen zollfreien Handel mit den USA müsste das Vereinigte Königreich zudem die amerikanischen Standards für Lebensmittel und andere Waren akzeptieren, die nach Ansicht der EU unter den Standards der Union liegen.

Die Annahme, dass die EU unverzüglich ein Freihandelsabkommen anbieten würde, erwies sich als unrealistisch – und falsch. Aus vielen Gründen ist die EU weitgehen vereint, von Lebensmittelstandards bis hin zu Zollregelungen auf der irischen Insel.

In den letzten zweieinhalb Jahren trat die unbequeme Wahrheit über den Brexit immer mehr zu Tage: Großbritannien kann entweder unabhängig mit der Welt oder reibungslos mit Europa handeln. Beides zusammen geht nicht.

Teil zwei – Warum Anleger vor allem auf verborgenen Zusammenhänge achten sollten



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