Asiens „pragmatische Wirtschaftspolitik“

Wilfred Wee von Investec spricht über die Aussichten von Schwellenländeranleihen in diesem Jahr, vor allem in Asien. Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews.

Lisa Sußner: Die geopolitische Lage in Europa und den USA bleibt unsicher. Deswegen rücken Schwellenländer – besonders die asiatischen – wieder in den Fokus der Investoren. Für welche Regionen gilt das besonders?

Wilfred Wee: Asien weist ausgezeichnete Wachstumsbedingungen auf: stabile Inflationsraten, hohe Sparquoten und eine grundsätzlich pragmatische Wirtschaftspolitik mit dem Ziel einer positiven Wirtschaftsentwicklung. Neben angebotsseitigen Reformen setzt China seit 2018 auf den Abbau von Schulden. In diesem Jahr werden weitere gezielte Entlastungsmaßnahmen für die Privatwirtschaft folgen.

Indonesien und die Philippinen haben gemeinsame Maßnahmen zum Ausbau der Produktionsinfrastruktur mit dem Ziel beschlossen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der beiden Länder zu steigern.

In Indien beobachten wir, trotz der bekannten Bedenken hinsichtlich des Haushaltsdefizits, große Fortschritte durch die Einführung der „Goods and Services Tax” und Reformen im Bankensektor.

Die Entwicklung des Renminbis schätzen wir – aufgrund der günstigen Bewertung, ausgelöst durch den anhaltenden Handelskonflikt zwischen China und den USA – seit dem Jahresende 2018 zunehmend positiv ein. China konnte sich bisher gut gegen die USA behaupten. Ein wesentlich koordinierteres Vorgehen der Politik sowie geld- und haushaltspolitische Entlastungsmaßnahmen werden voraussichtlich für ein stabiles Wachstum sorgen. Wir gehen daher davon aus, dass sich chinesische Wertpapiere potenziell besser entwickeln werden.

Sobald mehr Klarheit hinsichtlich der Regierungskoalition in Thailand herrscht, dürfte sich das Land als Investitionsstandort, aufgrund seiner positiven Außenbilanzen und der stabilen Touristenzahlen, positiv entwickeln.

Ausgehend von einer sinkenden Inflationsrate – ausgelöst durch abnehmende Reisimporte – setzen wir seit Jahresbeginn die Übergewichtung philippinischer Anleihen in unserem Asienfonds. Die Wertentwicklung des philippinischen Anleihenmarkts liegt seitdem deutlich über dem Durchschnitt, wobei wir leicht sinkende Zinssätze weiterhin für möglich halten.

Sußner: Die Schwellenländer waren 2018 relativ volatil. Wie lautet Ihre Prognose für 2019?

Wee: 2018 war sicherlich ein herausforderndes Jahr für risikobehaftete Wertpapiere, darunter auch festverzinsliche Titel aus den Schwellenländern. In den ersten sechs Monaten des abgelaufenen Jahres wurde eine Liquiditätsverknappung durch die US-Notenbank befürchtet, während die zweite Jahreshälfte von zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und China geprägt war. Die Abschwünge fielen jedoch moderat aus: 4,3 Prozent bei Staatsanleihen auf Dollarbasis, 1,6 Prozent bei Unternehmensanleihen auf Dollarbasis und 6,2 Prozent bei Anleihen in lokaler Währung.

Seite zwei – Beurteilung von Anleihen in Asien



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