Achtung vor verborgenen Zusammenhängen

Wenn es um den Brexit geht, kann man es nur mit Sokrates halten und sich eingestehen, dass man nicht weiß, wie es weitergehen wird. Je nach Szenario kann der Brexit aber gravierende Folgen für Investoren haben. Lesen Sie hier den zweiten Teil unserer Brexit-Analyse.

Als wäre die Situation nicht schon kompliziert genug, tritt nun auch noch die Bank of England (BoE) auf den Plan. Sie spricht davon, dass das BIP (Bruttoinlandsprodukt) bei einem chaotischen Brexit um acht Prozent einbrechen könnte. Das wäre die größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Selbst während der globalen Finanzkrise sank das Britische BIP um knapp sechs Prozent. Spätestens jetzt sollten diverse Alarmglocken läuten. Zwar sind besagte acht Prozent ein Extremszenario und eher unwahrscheinlich; doch zeigt dies auch wieder die Bandbreite an Möglichkeiten auf. Auf der einen Seite die blühenden Landschaften der Brexit-Befürworter und auf der anderen Seite die möglichen dramatischen negativen Effekte für Volkswirtschaft, Investoren und Bevölkerung.

Finanzindustrie transferiert Vermögen auf Festland

Auch im Finanzbereich ist die Unsicherheit zu spüren. Laut Studien wurden bereits etwa 800 Milliarden Britische Pfund auf das Festland transferiert und neue Stellvertretungen in Frankfurt, Amsterdam, Dublin oder Paris eröffnet, um die regionalen Geschäftstätigkeiten auch bei einem harten Brexit nicht zu gefährden beziehungsweise den EU Regularien zu entsprechen. Auch wenn London aller Wahrscheinlichkeit nach seine Marktführerschaft im Finanzbereich nicht verlieren wird, die Einbußen relativ zum Status Quo und dem Szenario eines EU-Verbleibs sind für die City und die Finanzindustrie in Großbritannien beträchtlich. Gesamthaft arbeiten knapp 2,2 Millionen Menschen im Finanzbereich und tragen 12,5 Prozent zum BIP des Landes bei. Einbußen und weniger Wachstum in diesem Bereich werden sich auch gesamtwirtschaftlich niederschlagen.

Für Finanzinvestoren und -institutionen wäre ein No-Deal Brexit daher auch ein Albtraum. Ohne festgeschriebene Regelungen würde ein juristisches Vakuum entstehen. Bestimmte Tätigkeiten auf dem Festland zum Beispiel bei Dienstleistungen in der Vermögensverwaltung wären von Großbritannien aus nicht mehr möglich.

Dies würde nichts an der wirtschaftlichen Bedeutung Großbritanniens in den verschiedenen Aktien-Indizes von Anbietern wie MSCI oder FTSE ändern, zumal die Mehrheit der dort enthaltenen Firmen einen Grossteil ihrer Umsätze im Ausland erwirtschaftet. Doch besteht die Gefahr, das langfristig geringeres Wachstum und weniger Personenfreizügigkeit auch im Bereich Innovation und letztendlich bei den Unternehmensgewinnen Spuren hinterlassen wird.

Zölle und Grenzkontrollen unterbrächen mindestens Produktionsketten

Sollte es wirklich zu einem unkontrollierten, chaotischen Brexit kommen, dann würde das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU auf die WTO-Regeln (World Trade Organization) zurückfallen. Dies würde bedeuten, das Zölle erhoben und die Grenzen kontrolliert werden müssten. Diese würde im besten Fall nur zu Staus und Lieferengpässen und Teilunterbrechungen von Produktionsketten und im schlimmsten Fall zu Lebensmittel- und Medikamentenknappheit und potenziellen Toten führen.

Seite zwei – völliges Chaos ist unwahrscheinlich, Achtung bei verborgenen Zusammenhängen



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