Brexit – Auch die Pharmabranche hat ihre Gewinner und Verlierer

Banken, Banken, Banken! Der Brexit wird in Deutschland vor allem mit der britischen Finanzbranche in Verbindung gebracht. Kann Frankfurt von einem Exodus der Institute von der Themse profitieren? Oder sind gar Dublin, Paris oder Brüssel die Gewinner? Diese Fragen dominieren die Berichterstattung und die politischen Diskussionen. Gastkommentar von Tarik Dede, freier Journalist

Standortfrage: Wer kriegt die Zulassungsbehörde?

Doch genauso spannend ist, was derzeit in der Pharmabranche passiert. In London sitzt nämlich die European Medicines Agency (EMA), die wichtigste Zulassungs- und Kontrollbehörde für Arzneimittel und medizinische Behandlungsmethoden in Europa. Sie dürfte im Zuge der Umsetzung des Brexits auf jeden Fall zurück nach Kontinentaleuropa wandern. Unter anderen befinden sich auch Bonn und München im Rennen. Schließlich geht es dabei nicht nur um die 900 Jobs bei der EMA, sondern auch um die Frage, wo die vielen Pharmalobbyisten ihre Zelte aufschlagen. Und zudem dürfte es auch hier wichtige Verhandlungen geben, denn ein Produkt, dass in Großbritannien als Referenzland zugelassen wurde, konnte bisher EU-weit vertrieben werden. Mit dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union muss auch hier vor allem eine patientenfreundliche Lösung gefunden werden.

Pharmakonzerne profitieren vom schwachen Pfund

Daneben ist Großbritannien aber der mit Abstand größte Biotechstandort Europas sowie ein wichtiges Zentrum für große Pharmakonzerne der Welt. Viele US-Konzerne bearbeiten den europäischen Markt von der Insel aus. Zudem hat mit Glaxo Smithkline der sechstgrößte Pharmakonzern der Welt den Hauptsitz in London. Das Brexit-Votum hatte sich in der Branche bereits 2016 bemerkbar gemacht. Viele britische Unternehmen konnte dank Währungseffekten höhere Gewinne ausweisen. Denn in der Gesundheitsbranche zählt nur der Weltmarkt und da ist Großbritannien – der dortige Markt ist etwa halb so groß wie der deutsche – nur ein kleines Licht. Pharmakonzerne sind vor allem exportstark und da kommt den Unternehmen eine schwache Heimatwährung entgegen. Größer dürften die Risiken für die deutschen Unternehmen sein. So ist Großbritannien mit einem Handelsvolumen von rund 20 Milliarden Euro der sechstwichtigste Handelspartner der deutschen Chemie- und Pharmabranche. Vor allem Spezialchemikalien und Pharmazeutika werden über dem Kanal hinweg gehandelt. Deutsche Unternehmen besitzen dort 63 Tochtergesellschaften mit einem Umsatz von über vier Milliarden Euro, wie Zahlen von KPMG zeigen.




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