China öffnet sich

Noch sind chinesische Unternehmen in den Portfolios vieler Investoren untergewichtet. Damit verzichten sie auf die Möglichkeit, Alpha zu generieren.

China hat im Dezember 2016 das Stock-Connect-Programm der Börsen Shenzen und Hongkong eröffnet. Gemeinsam mit dem seit November 2014 bestehenden Shanghai-Hongkong-Connect-Programm haben Investoren jetzt Zugriff auf 1.447 Aktien und damit auf über 50 Prozent der chinesischen Marktkapitalisierung. Für ausländische Investoren sind die beiden Stock-Connect-Programme Meilensteine, denn sie erleichtern den Zugang zu den sogenannten A-Aktien, Aktien chinesischer Unternehmen, die an den Börsen von Schanghai und Shenzen in Renminbi gehandelt werden. Damit wird eine der dynamischsten Volkswirtschaften zugänglich.

Renminbi nur zwei Prozent aller globalen Währungsumsätze

Die Öffnung des chinesischen A-Aktienmarktes steht im Zeichen der Internationalisierung des Renminbi, welche mit der der Kapitalbilanz eng verflochten ist. Während China als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft 15 Prozent des globalen Sozialprodukts ausmacht, vereinigt der Renminbi lediglich zwei Prozent aller Währungsumsätze auf sich. Dieses Ungleichgewicht möchte das Land beseitigen. Um zu den großen Währungen zu gehören, muss die chinesische Währung vollständig konvertibel sein, sowohl für Handelsumsätze als auch an den internationalen Finanzmärkten. Die Öffnung der Börsen und die Möglichkeit für Chinesen, in Hongkong-Dollar denominierte Aktien chinesischer Unternehmen zu kaufen (H-Aktien), waren wichtige Schritte in diese Richtung.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass sich das Wechselkurs- System des Renminbi an Marktgegebenheiten orientiert. So schwankt der Renminbi seit 2015 innerhalb einer Spanne, die zwar von der People’s Bank of China (PBoC) täglich festgesetzt wird, die sich jedoch an Marktkursen orientiert. Die PBoC interveniert zu einem gewissen Grad, was man an den Schwankungen der Devisenreservschritteen gut beobachten kann, das Wechselkurssystem orientiert sich dennoch stark genug am Markt. Das wurde durch die Aufnahme des Renminbi in den Korb der Währungen mit Sonderziehungsrechten durch den Internationalen Währungsfonds im Oktober 2016 offiziell bestätigt.

Chinas Pragmatismus

Chinas Autoritäten handeln pragmatisch: Die Vorteile einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs überwiegen aus ihrer Sicht die Risiken, die eine solche Entscheidung birgt. Unternehmen können dank der Öffnung der Kapitalbilanz zum Beispiel einfacher internationales Technologie-Know-how erwerben, etwa durch die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka, oder internationale Marktanteile kaufen, wie bei dem Einstieg bei Syngenta. Und tatsächlich haben chinesische Unternehmen ihr Augenmerk in den vergangenen Jahren zunehmend auf Technologien und moderne Dienstleistungen gerichtet. Neben anderen Vorteilen ermöglicht ihnen der freiere Kapitalverkehr die Auslagerung von Aktivitäten mit geringer Wertschöpfung in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten. China ist nicht mehr das Billiglohnland, das es bei seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation war.




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