Chinesische Aktien erfordern aktives Management

Der chinesische Aktienmarkt ist riesig und wächst weiter, dabei scheinen ausländische Investoren kaum engagiert. Zudem greifen viele Anleger lediglich auf ETF-Produkte zu. Warum das gerade für den chinesischen Markt ein Fehler sein kann, erläutert Greg Kuhnert, Portfoliomanager des Investec All China Equity Fund bei Investec Asset Management.

Der chinesische Aktien-Binnenmarkt ist der zweitgrößte der Welt. Aber nur zwei Prozent davon befinden sich in Besitz ausländischer Aktionäre. Angesichts des bisherigen enormen Wachstums und der unverändert positiven Prognosen für China scheint dies erstaunlich. Hinzu kommt: Die wenigen Anleger, die in chinesische Aktien investieren, versuchen dies oft mittels ETF-Produkten. Aber gerade dieses Vehikel ist nach meiner Auffassung für den chinesischen Markt eher ungeeignet, da man nur mit aktiven Stockpicking die komplette Breite des Marktes abdecken kann.

Kein Portfolio ohne A-Aktien

Ein Großteil der Indexfonds beschränkt sich auf den B- und H-Aktien-Markt, sowie auf US-gelistete chinesische ADR-Titel, die in ausländischer Währung in Hongkong oder den USA gelistet sind. Diese Titel repräsentieren jedoch einen Bruchteil chinesischer Unternehmen. Schaut man einen Blick auf die MSCI-„All China“-Indizes, sind nur 30 Prozent der chinesischen Aktien sind in Hongkong gelistete H-Aktien. In die Kategorie B, in Shanghai oder Shenzen in US-Dollar oder Hongkong-Dollar gehandelte Aktien, fallen sogar nur 0,2 Prozent aller chinesischen Titel. US-gelistete chinesische Unternehmen (hauptsächlich Technologietitel) machen etwa 11 Prozent aus. Dies hat historische Gründe, da chinesische Aktien vor 2002 nur von Chinesen gehandelt werden durften. Inzwischen hat sich das Land ausländischen Investoren geöffnet und es erfolgt eine schrittweise Angleichung an den internationalen Kapitalmarkt. Der MSCI China Index, der aktuell nur Aktien enthält, die nicht auf Inlandswährung lauten, also Aktien der Kategorien B, H, sowie der US-gelisteten ADR-Titel, umfasst derzeit lediglich 149 Werte. Nimmt man die große Gruppe der in Renminbi gehandelten A-Aktien hinzu, kommt man auf über 1.000 Einzelaktien. Erst im Sommer dieses Jahres hatte MSCI angekündigt, A-Aktien in den Schwellenländerindex aufzunehmen, die ersten 200 bis August 2018. Wären alle chinesischen Aktien vollständig im Index erhalten, würden diese nahezu 40 Prozent des MSCI Emerging Markets ausmachen. Nur, wer Aktien der Kategorie A, H oder US-gelistete ADRs hält, investiert auch wirklich in den gesamtchinesischen Markt. Wer sich derzeit über Indexfonds am chinesischen Markt beteiligt, sollte sich zudem im Klaren sein, dass der MSCI China mit seiner Beschränkung auf B- und H-Titel die chinesische Wirtschaft nur sehr verzerrt abbildet. So sind IT-Titel stark übergewichtet, während der MSCI China andere Sektoren wie Gesundheit, Basiskonsumgüter oder Industrietitel stark untergewichtet. Eine repräsentative Abbildung erreicht man meiner Auffassung nach allein über einen All China-Index, der A-, B- und H-Aktien umfasst.

Allein der in Inlandswährung gehandelte Markt der A-Aktien macht 57 Prozent des chinesischen Aktienmarktes gemäß MSCI „All China“ Index aus. Er ist vor allem durch Privatanleger geprägt, die häufig unter kurzfristigen Gesichtspunkten investieren und sich eher von Emotionen, und Geschichten leiten lassen, als langfristigen Strategien zu folgen, die auf Grundlagendaten der Unternehmen basieren. 2015 erfuhren einige Unternehmen dramatische Aktienkursschwankungen, so dass der Aktienhandel zwischenzeitlich ausgesetzt werden musste, was für Indexfonds eine Herausforderung darstellte. Das sind einige der Gründe dafür, warum man mit einem überlegten Asset Management vorgehen sollte, bei dem sich Analysten aktiv mit Einzeltitelauswahl nach dem Bottom-Up-Prinzip beschäftigen. Freilich erfordert das die entsprechenden Kapazitäten.




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