„Chinesische Anleihen sind billig“

Wilfred Wee, Portfoliomanager bei Investec, hat vor Kurzem eine gewagte Behauptung aufgestellt: Chinesische Anleihen seien fast durch die Bank attraktiv bewertet. Was ihn zu dieser Behauptung verleitet, lesen Sie im Interview.

Moderator: Herr Wee, Sie haben in einem Ihrer Berichte eine gewagte Behauptung aufgestellt: und zwar, dass chinesische Anleihen fast durch die Bank attraktiv bewertet sind.

Wilfred Wee: Ja, in der Tat. Und zwar sehe ich das darin begründet, dass China mit einigen Problemen zu kämpfen hat, die sich im Laufe des Jahres aufgrund der Programme zur Schuldenreduzierung aufgetan haben. Meiner Ansicht nach hat sich dieses Jahr wegen der zunehmenden Handelsspannungen mit den USA die Stimmung etwas getrübt und derzeit sieht es so aus, als ob sich die konjunkturelle Entwicklung im kommenden Jahr möglicherweise verlangsamen könnte.

IWF erwartet verlangsamtes Wirtschaftswachstum in China

Der Internationale Währungsfonds gibt in seiner jüngsten Ausgabe des World Economic Outlook eine schwächere Prognose hinsichtlich der Konjunkturentwicklung in China in den Jahren 2019/20 und auch wir gehen von einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf etwas über sechs Prozent aus. Gleichzeitig scheint die Inflation relativ stabil zu sein, und es ist davon auszugehen, dass sowohl die Geld- als auch die Haushaltspolitik so gestaltet wird, dass sie das Wirtschaftswachstum fördern. Und unserer Ansicht nach sind in einem solchen stabilen Wachstums- und Inflationsumfeld Anleihen, insbesondere Onshore-Anleihen, bei Investoren nachgefragt und die Renditen werden aller Voraussicht nach nur begrenzt wachsen, selbst wenn das globale Zinsumfeld insgesamt ansteigen wird.

Moderator: Bei Betrachtung des aktuellen Makroumfelds sind Anleihen, wenn man so will, unumgänglich. Es gibt derzeit also moderates konjunkturelles Wachstum; somit besteht in Zukunft kein Inflationsrisiko, und es ist beeindruckend, wie die chinesischen Behörden ihre Politik so verändert haben, dass die hohen Wachstumsraten aus der Vergangenheit gebremst werden konnten. Wie wichtig ist diese Entwicklung?

Wilfred Wee: In Bezug auf die proaktive Vorgehensweise der chinesischen Behörden hat sich meiner Meinung nach die Kommunikation mit einem höheren Maß an Koordination zwischen den wesentlichen Finanzregulatoren bewährt. Was meiner Ansicht nach ausschlaggebend war, ist dass sie verstanden haben, dass die Verschuldung, die nach der globalen Finanzkrise angehäuft wurde, ein systemisches Problem darstellen könnte und es ein viel höheres Maß an konzertierten Maßnahmen zur Vermeidung von Blasen auf den Finanzmärkten gibt.

Immobilienmarkt wird weiter stabilisiert

Wir erwarten weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Immobilienmarkts, jedoch liegt aktuell der gemeinsame Fokus auf ein stabiles Wachstum. Es ist von weiteren Reformen, möglicherweise sogar bei staatlichen Unternehmen, auszugehen. Weiterhin kann auch erwartet werden, dass zur Ankurbelung der Verbraucherausgaben eine Senkung der Körperschaft- und Umsatzsteuer umgesetzt wird.




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