Danke, Chef!

Die US-Wirtschaft dürfte weiter an Fahrt gewinnen, denn die Steuerreform hat auch Auswirkung auf Lohnentwicklung, Investitionen und Inflation, meinen Olivier de Berranger, CIO, und Enguerrand Artaz, Cross Asset Manager von La Financière de l’Echiquier.

Auch wenn die Ende Dezember beschlossene US-Steuerreform den Debatten und Fragen zu ihren langfristigen Auswirkungen kein Ende bereitet hat, motiviert sie die amerikanischen Arbeitgeber zur Großzügigkeit. Lohnerhöhungen, insbesondere beim Mindestlohn, außerordentliche Prämien und vieles mehr … Die Zahl dieser Meldungen hat sich seit der Verabschiedung der Reform vervielfacht.

Nach Comcast und AT&T sowie den Banken Wells Fargo, Bank of America und Fifth Third Bank hat schließlich auch Walmart am Donnerstag die Anhebung des Mindestlohnes von 9 Dollar pro Stunde auf elf Dollar vermeldet. Hinzu kommt die Zahlung einer Sonderprämie, die bis zu 1000 Dollar betragen kann. Die jeweiligen Beträge sind beachtlich: Auswirkungen von 300 Millionen Dollar auf das nächste Geschäftsjahr durch die Lohnerhöhungen und inklusive der Prämien von 400 Millionen Dollar machen sich positiv für jene bemerkbar, die sie erhalten.

Diese Umverteilung der Gewinne aus der Steuerreform werden zwei Auswirkungen haben. Die erste ist offensichtlich: Indem sie ihren Mitarbeitern zu mehr Kaufkraft verhelfen, stimulieren die Unternehmen die Nachfrage, während sie einen weiteren Teil der Steuersenkungen für Investitionen verwenden und das Angebot beleben. Zwei kumulierte Auswirkungen, die kurzfristig das US-Wachstum ankurbeln.

Die anderen Auswirkungen betreffen die Inflation. Eine Voraussetzung für ein deutliches Wachstum der Verbraucherpreise ist der sichtbare Anstieg der Löhne, der in den USA trotz einer Arbeitslosigkeit von 4 % bisher quasi nicht vorhanden war. Neben den Debatten über die Digitalisierung der Wirtschaft, die Inflation und die Löhne ist ein weiterer Punkt zu berücksichtigen: der Anstieg des mittleren Einkommens in den USA oder anders ausgedrückt: das Einkommen der Mitarbeiter mit einem dauerhaften Arbeitsverhältnis. Parallel hat die Schaffung neuer Stellen dazu geführt, dass in den letzten Quartalen viele Langzeitarbeitslose wieder beschäftigt werden konnten, die sehr niedrige Vergütungen akzeptiert haben. Dieses zweite Phänomen kompensiert das erste, wodurch der Eindruck entsteht, dass die Lohnstückkosten nicht gestiegen sind.

Nun betrifft die Umverteilung durch die Steuerentlastung in großen Teilen die untersten Lohngruppen. Jene, die zuletzt zu schlechten Vergütungsbedingungen auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt sind, werden teilweise eine deutliche Anhebung ihrer Löhne erleben. Die Anhebung des untersten Stundenlohnes von neun Dollar auf elf Dollar bei Walmart ist ein Anstieg von 22 %. Der Schereneffekt kann mit der Steigerung der Löhne und infolge der Inflation daher stark sein.

Dies begründet eines unserer zentralen Themen für 2018: eine unterschätzte Inflation, die sich schneller als vorhergesagt beschleunigt und zu einer aggressiven Reaktion der Zentralbanken führen kann. Die Märkte erwarten weiterhin nur zwei Zinserhöhungen der Fed im Jahr 2018, obwohl diese drei Erhöhungen angekündigt hat. Sollten sich die beschriebenen Phänomene materialisieren, ist nicht auszuschließen, dass sie sogar vier Erhöhungen vornimmt. Entsprechend könnte sich der Normalisierungsprozess bis über 2019 hinaus hinziehen.




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