Das Ende der Ära „Jaffa-Orange“

Die digitale Spitzentechnologie ist heute eine wichtige Säule für die israelische Exportwirtschaft. Das weckt Begehrlichkeiten sowohl bei Gründern als auch bei Investoren.

Bereits ein Jahrzehnt bevor die offiziellen diplomatischen Beziehung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel am 12. Mai 1965 ihren Anfang nahmen, lieferte die junge Republik Israel 150.000 Kisten gefüllt mit Orangen nach Deutschland. Es war im Jahr 1952, als die sonnengereiften Zitrusfrüchte mittels Frachter über die Niederlande und Dänemark schließlich die dänisch-deutsche Grenze passierten, um den bundesdeutschen Endverbrauchern eine Gaumenfreunde zu bereiten. Diese Orange hat Symbolkraft. Der abenteuerliche Umweg der Früchte fand zu Zeiten statt, als es zwischen beiden Ländern noch keine formellen Beziehungen gab und ein direkter Handelsweg mit Sicherheit zu heftigen Reaktionen der israelischen Öffentlichkeit geführt hätte. Denn deutsche Güter unterlagen einem Handelsverbot, bilateraler Handel war inexistent.

Israels Aufstieg zur High-Tech-Macht

Seitdem hat sich vieles verändert. Israel ist längst nicht mehr nur der Exporteur von Jaffa-Orangen, sondern exportiert Spitzentechnologien, die bis zu 50 Prozent des Exportvolumens ausmachen.
Deutschland ist mittlerweile zu einem der wichtigsten europäischen Handelspartner geworden. Das israelisch-deutsche Handelsvolumen umfasste im Jahr 2015 5,3 Milliarden US-Dollar, beide Staaten verfügen über hoch komplementäre Volkswirtschaften. Deutsche Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Bayer, Merck, Siemens und SAP haben das Potenzial Israels erkannt und sind seit Jahren vor Ort aktiv, dabei erschließen sich Unternehmen die innovativen Landschaften auf vielfältige Formen – durch Forschungs- und Entwicklungszentren, Vertriebsbüros, Investitionsabteilungen.

Israels Erfolg als Innovationsstandort kommt nicht von ungefähr. Auf die acht Millionen Einwohner schaffen es 5.000 Start-ups. Die Gründerszene kann auf den weltweit höchsten Pro-Kopf-Anteil an Risikokapital zurückgreifen. Kein anderes Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) übertrifft die Quote von 4,5 Prozent des BIP an ziviler Förderung bei Forschung und Entwicklung. Die Szene profitiert von bestens vernetzten Technologiezentren in Tel-Aviv, Jerusalem und Be’er Scheva. Die Universität Gurion in Be’er Sheva gehört unter die besten Hochschulen im Bereich Cybersicherheit. Die Deutsche Telekom betreibt dort mittlerweile ein Innovation Lab.

Bibliothek der Ben-Gurion-Universität des Negev (Bildquelle: Shutterstock)



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