Der Drache erstarkt

Würde man in der Finanzwelt einen Preis für die beste Jahresperformance vergeben, hätte Vietnam ihn verdient. Sämtliche Makro-Zahlen sprechen Vietnam ein beeindruckendes Zeugnis aus, sagt Mario Timpanaro, Investor Relations Manager bei Vogt Asset Management.

Im Jahr 2017 konnte der Vietnam-Index (VNI) um 52,34 Prozent zulegen, der Vietnam-All-Share-Index (VNAS) sogar 53,25 Prozent. Das Bruttoinlandprodukt stieg um 6,81 Prozent und weist damit eine der höchsten Wachstumsraten in Südostasien auf. Der Einkaufsmanager-Index (PMI-Index) lag im Dezember bei 52,8. Das unterstreicht das stabile Wachstum. Die Exporte verzeichneten einen neuen Rekordwert und stiegen um 21 auf 214 Milliarden US-Dollar, Smartphones, Tablets und andere Hightech Produkte, Landwirtschaft- und Textilprodukte wurden am meisten nachgefragt. Auf der anderen Seite stiegen die Importe um 21.2 Prozent auf 211 Milliarden US-Dollar. Das lag vor allem an der Einfuhr von Maschinen, Teilen für die Telekommunikationsindustrie sowie Stahl aus China. Da mehr Waren exportiert als importiert wurden, gab es einen Handelsbilanzüberschuss. Die Inflationsrate blieb mit 3,53 Prozent moderat und wird in diesem Jahr vermutlich auf diesem Niveau verharren. Die Foreign Direct Investments (FDI) wuchsen 2017 um 35,9 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 44 Prozent. Die größten Investoren kommen mit einem Anteil von 25,40 Prozent aus Japan, gefolgt von Südkorea mit 23,7 Prozent, dank Samsung, und Singapur mit 14,8 Prozent.

Reformwille und Privatisierungen treiben die Börsen rasant an

2017 floss vermehrt ausländisches Kapital nach Vietnam. Anfang des Jahres lag die Börsenkapitalisierung noch bei 73,77 Milliarden US-Dollar, gegen Dezember betrug sie 153,3 Milliarden US-Dollar. Somit hat sie sich mehr als verdoppelt. Dieser Wert lag Anfang 2009 noch bei etwa acht Milliarden US-Dollar. Angesichts dessen ist es nicht erstaunlich, dass die Börsenindizes auf einem Zehn-Jahres-Hoch notieren. Dieser Erfolg wird einerseits der reformwilligen Regierung zugeschrieben, vor allem aber der positiven Wirtschaftsentwicklung. Hinzu kommt die Welle der Privatisierungen, die das Wachstum weiter vorantreibt und lange nicht abgeschlossen ist.

Die Einführung eines geregelten Futures-Markts im August 2017 war bedeutend für den vietnamesischen Finanzplatz. Laut der Hanoi Stock Exchange (HNX) verzeichnete der Derivatmarkt in den folgenden vier Monaten bemerkenswerte Ergebnisse, das Interesse der Investoren stieg. Ende 2017 gab es 1,1 Millionen Kontrakte im Wert von 4,23 Milliarden US-Dollar.

Nach dem rasanten Aufstieg des vietnamesischen Aktienmarkts würde eine Konsolidierungsphase in diesem Jahr niemanden erstaunen. Auffallend ist, dass ausländische Investoren meistens bekannte Aktien erwerben, die Teil des VN-Indexes sind und eine höhere Bewertung aufweisen, das heißt ein Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) von 17 bis 19 (VN30-Index). Vogt Asset Management bevorzugt für seinen Lumen Vietnam Fund jedoch nach wie vor Aktien im Mid- und Small-Caps-Segment, die zum VN70 Index, die rund 35 Prozent tiefer bewertet werden, also mit einem KGV von elf bis zwölf. Um solche Unternehmen zu finden, bedarf es gut ausgebildeter Analysten vor Ort, die über umfassendes Wissen und ein tiefes Verständnis von Gesellschaften und ihrem Management verfügen. Der Lumen Vietnam Fund investiert schon seit seiner Lancierung einen Großteil seines Vermögens in diese Unternehmen. 2012 lag der Anteil bei 60 bis 70 Prozent. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz auch in schwierigen Zeiten zu weniger Volatilität führt.

Konsumkredite sind bei jungen Vietnamesen beliebt

Auch die junge und produktive Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 30,1 Jahren treibt die Wirtschaft an, indem sie Konsumkredite aufnimmt. Zwischen 2012 und 2016 wuchs der Wert der Konsumkredite um 21 Prozent jährlich. Mittlerweile ist der Gesamtbetrag auf ungefähr 26 Milliarden US-Dollar angewachsen. Obwohl der durchschnittliche Kredit etwa 2.000 US-Dollar beträgt, machen die Kredite mittlerweile zehn Prozent des Bruttoinlandproduktes aus. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass der durchschnittliche Vietnamese 67 Prozent seines Einkommens ausgibt. Das lag im vergangenen Jahr dem FBI Fact Book zufolge bei durchschnittlich 6.500 US-Dollar. Mit dem Geld kauft er in erster Linie Konsumgüter wie Haushaltsgeräte, Computer, Mobilgeräte, Urlaubsreisen und Autoleasings.




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