Die „Fünf-Sterne-Bewegung“ gewinnt Wahl

Luca Beldi, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, kommentiert den Wahlsieg der „Fünf-Sterne-Bewegung“. Was kommt auf Italien und Europa zu?

Bei den Parlamentswahlen in Italien am vergangenen Wochenende sind, nach einem erbitterten Wahlkampf, zwei Parteien gestärkt hervorgegangen: Während die Fünf-Sterne-Bewegung nach aktuellen Prognosen rund 32% der Stimmen für sich gewinnen konnte, gelang es der immigrationsfeindlichen Lega Nord etwa 18% der Wähler zu überzeugen. Damit kann keine Koalition einen Sieg für sich beanspruchen, was zu einer Ungewissheit führt, wohin Italien nun politisch steuern wird.

Die in den Tagen vor der Wahl von uns für möglich gehaltene Lösung – eine Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Koalition – ist nun nicht mehr tragfähig. Die beiden Persönlichkeiten der letzten Jahre, Matteo Renzi und Silvio Berlusconi, haben in der Kombination kaum ein Drittel der Sitze im Unterhaus erreicht, so dass sie nicht die primären Kräfte der nächsten Exekutive sein werden. Zudem hat Matteo Renzi Konsequenzen aus der Wahl gezogen und seinen Rücktritt angekündigt. Demgegenüber erhielt die Fünf-Sterne-Bewegung jede dritte Stimme und dominiert sogar in den südlichen Regionen des Landes fast vollständig. Ein solches Ergebnis kann der Präsident, dessen Aufgabe es ist, den Premierminister zu nominieren, bei der Wahl der nächsten Regierung Ende März nicht ignorieren. Die Anti-Establishment-Partei muss im Mittelpunkt jeder Verhandlung stehen, um eine Mehrheit zu bilden.

Zwei mögliche Szenarien – zwei mögliche Koalitionen

Die zwei wahrscheinlichsten Szenarien, die wir aktuell sehen können, sind entweder eine Koalition zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung, der extremen Linken und der Partei von Matteo Renzi oder einer Koalition zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega Nord. Das zweite Szenario ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt das wahrscheinlichere angesichts der Tatsache, dass die linke Koalition zuletzt eine Reihe von internen Kämpfen zu überwinden hatte. Ein drittes Szenario würde den linken Flügel zusammen mit der Mitte-Rechts-Koalition sehen, aber eine Ehe zwischen PD und Lega Nord ist sehr unwahrscheinlich.

Inzwischen ist die Reaktion des Marktes auf das Wahlergebnis in Italien verhalten ausgefallen. Während die MIB-Futures zunächst um 2% zurückgingen, erholten sie sich jedoch nach der Markteröffnung und verloren nur etwa 75 Basispunkte. Bei Staatsanleihen ist der 10-jährige BTP um etwa 20 Cent gesunken, so dass der Spread zwischen BTP und Bundesanleihen bei 135 Basispunkte liegt, während der Euro gegenüber dem US-Dollar insgesamt stabil blieb.

Ende der Sparmaßnahmen

Doch wie geht es nun weiter? Auf die Frage, wie die zukünftige Regierung des Landes aussehen könnte, sollte man sich besonders auf die Rolle des Finanzministeriums konzentrieren: die Fünf-Sterne-Bewegung bezeichnet Andrea Roventini als ihren Favoriten für das Ministerium. Die Akademikerin ist entschieden gegen den Austritt aus dem Euro, sieht aber die Sparmaßnahmen als schädlich für die Wirtschaft an. Ein noch düstereres Szenario ist, wenn die Lega Nord um diesen Sitz im Rahmen einer Koalitionsverhandlung bittet; ihre Kandidaten Claudio Borghi und Alberto Bagnai sind die stärksten Anti-Euro-Kämpfer des Landes. Mittelfristig ist das Bild sehr ungewiss und es ist schwierig, das endgültige Ergebnis vorherzusagen, aber im Moment erwarten wir eine relativ ereignislose Woche für die Märkte, bis die Parteien mehr Licht ins Dunkel bringen.

Einige Marktteilnehmer hatten auf ein Wahlergebnis gehofft, das zu einer Neubewertung italienischer Papiere führen würde. Dies war allerdings nicht der Fall und es wird Zeit oder einen Katalysator brauchen, um dies auszulösen. BTP-Renditen, die sich auf dem Niveau portugiesischer Papiere befinden, machen fundamental keinen Sinn. Aber im Moment liegen sie dort und werden in der nächsten Zeit auch dort bleiben.




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