Die karibische Agrarwirtschaft

Die Karibik ist bekannt für ihre malerischen Insellandschaften, eklektischen Kulturen, atemberaubende Vielfalt. Nun hat die Region darüber hinaus ihre wertvollste Ressource revitalisiert: ihr Land. Ein Beitrag des Regionalexperte Gerard M. Acosta.

Seit ihrer Entdeckung im 14. Jahrhundert ist die Karibik reich an landwirtschaftlichen Ressourcen, ein Paradebeispiel der Agrarökonomie. Heute ist der Tourismus ihre bekannteste Einnahmequelle, aber historisch betrachtet hat die Region versucht, die eigene Position durch den Export von Zucker, Gewürzen, Kaffe und Tee auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Die verschiedenen Inseln haben einzigartige geografische und klimatische Bedingungen, die die Basis für ihren Agrarsektor bilden. Puerto Rico oder Trinidad und Tobago bauen auf einer Höhe von 730 bis 1.340 Metern über dem Meeresspiegel Kaffee- und Kakaobohnen in biologischer Qualität an. Sorten wie der populäre Arabica-Kaffee oder die Edelkakao-Sorte Trinitario haben dort ihren Ursprung, die ihre Qualität dem fruchtbaren Boden verdanken. Die Produktion auf den Inseln könnte den höchsten Produktionsstandards entsprechen, doch wird die Entwicklung des Agrarsektors durch brachliegende Flächen gebremst; 97,2 Prozent der geeigneten Böden bleiben ungenutzt.

Positive Entwicklung zeichnet sich ab

In der Vergangenheit waren die Probleme auf Puerto Rico sowie Trinidad und Tobago ein Mangel an Kaffeebauern, innovative landwirtschaftliche Techniken, hohe Exportzölle und langwierige Eintrittsprozesse in den europäischen und japanischen Handel. Die Entwicklung ist jedoch positiv: Die Inseln haben ihre lokale Produktion erhöht, was ihnen im globalen Konkurrenzkampf zugute kommt. Während der letzten drei Jahre haben sie zudem Anbau- und Marketingstrategien entwickelt, mit denen sie nicht nur die Qualität der Kaffee- und Kakaobohnen erhöht haben, sondern auch ihre Präsenz auf dem internationalen Markt; das zieht auch direkte Investitionen aus dem Ausland an.

Die Regierung Puerto Ricos stützt sich auf ihre Zugehörigkeit als Außengebiet der Vereinigten Staaten und hat damit begonnen, Vorschriften in Abstimmung mit dem amerikanischen Food-Security-Plan 2016 zu implementieren. Ziel des Plans ist es, die lokale Produktion von Nahrungsmitteln in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent zu erhöhen. Die Regierung rechnet mit einem Anstieg der agrarwirtschaftlichen Bruttoeinnahmen des Agrarsektors um zwanzig Prozent, durch Bildungsprogramme und Anreize bezogen auf die Krankenversicherung für Bauern sowie kommunalen Subventionen. Zusätzlich setzt das puerto-ricanische Bildungsministerium das Nutrition-Assistance-Programm um, demzufolge Schulkantinen mindestens sechzig Prozent ihrer Nahrungsmittel von lokalen Landwirten beziehen müssen. Darüber hinaus erneuert die Regierung der USA ihre Unterstützung für das Conservation-Reserve-Programm und das Noninsured-Crop- Disaster-Assistance-Programm, die Nutzpflanzen und die Ernte bezuschussen.

2016 stellte das United States Institute of Food and Agriculture 56 Millionen US-Dollar für Bildungssprogramme zur Verfügung. Mit diesen Mitteln schuf man unter anderem die Infrastruktur in Puerto Ricos ländlichen Gebieten, um Landwirten einfacher die neuesten Anbau- und Produktionstechniken zu vermitteln. Eine dieser Techniken ist außergewöhnlich: Es handelt sich dabei um die moderne Ernte bei Nacht, wenn Luftdruck und -feuchtigkeit optimal sind, um die Bohne im bestmöglichen Zustand zu ernten. In Übereinstimmung damit hat die puerto-ricanische Regierung innerhalb größerer landwirtschaftlicher Betriebe einige kommerzielle, hydrokulturelle Farmen eröffnet. Dort werden neue Inkubator-Techniken an Landwirte vermittelt. Manche dieser Maßnahmen zeigen bereits Ergebnisse: Immer mehr Landwirte aus Regenwaldgebieten sind Teil der 2012 gegründeten Caribbean-Eco-Seed-Handelsorganisation und exportieren mehr als siebzig verschiedene Samen nach Zentral- und Südamerika.




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