Die nächste Stufe der Energiewende

Stromabnahmeverträge, kurz PPAs (von Englisch: Power Purchase Agreements), sind für die Institutionellen ein wichtiges Kriterium. Doch was heißt das? Susanne Wermter, Head Investment Management Energy and Infrastructure EMEA bei Aquila Capital, gibt die Antwort. Die Expertin verrät, warum Energieinvestionen in Spanien und Portugal attraktive Chancen bieten können.

Europa ist bei den Zielen zu erneuerbaren Energien im Plan. Rund 30 Prozent des europäischen Stromverbrauchs werden schon heute durch erneuerbare Energien gedeckt, Tendenz steigend. Ohne vielfältige staatliche Fördersysteme – hauptsächlich Einspeisevergütungen in unterschiedlicher Ausgestaltung – wäre diese Entwicklung nicht in dieser Dimension und Geschwindigkeit möglich gewesen. Eines der Ziele staatlicher Anschubmaßnahmen ist es jedoch zumeist, sich selbst obsolet zu machen: Dementsprechend wurden die Förderinstrumente, insbesondere die festgelegten Vergütungssätze, sukzessive zurückgefahren. Bei gleichzeitig gesunkenen Systemkosten können nun Photovoltaikanlagen an einigen Standorten subventionsfrei wirtschaftlich betrieben werden.

Dies ist insbesondere bei neuen Projekten in Spanien und Portugal der Fall. Im gemeinsamen Strommarkt von Spanien und Portugal (MIBEL) ist die Netzparität hergestellt. Dort werden PV-Anlagen ohne staatliche Förderung installiert und betrieben. Über entsprechende Strukturierungen können Marktrisiken in planbare Einnahmenströme umgewandelt werden und damit für institutionelle Investoren ein rentables Anlageziel mit einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil darstellen. Wie ist es dazu gekommen? Und was unterscheidet die Iberische Halbinsel dabei von anderen Standorten in Südeuropa beziehungsweise im Mittelmeerraum?

Gestehungskosten für Photovoltaikmodule stark gesunken

Ein wesentlicher Grund für die gestiegene Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit von Subventionen der PV-Anlagen sind die stark gesunkenen Preise für Photovoltaikmodule. Die massive Ausweitung der Produktionskapazitäten von Solarzellen, vor allem in China, und die damit einhergehenden Skaleneffekte haben zu einem deutlichen Preisverfall geführt. In den vergangenen 15 Jahren sank der Modulpreis pro installiertem Megawatt peak (MWp) von etwa 2,6 Millionen Euro auf heute rund 340.000 Euro. Damit sind die Gestehungskosten für PV-Strom auf einem Niveau angekommen, das im Vergleich zu vielen anderen, auch konventionellen Erzeugungsarten wettbewerbsfähig ist. Der technologische Fortschritt, beispielsweise ausgedrückt im Effizienzgrad der PV-Module, konnte in den vergangenen Jahren allerdings nur marginal gesteigert werden.

Für Netzparität und Wettbewerbsfähigkeit von PV-Strom ist jedoch eine hohe Stromproduktion erforderlich. Der Standort der Anlage sollte aus klimatischen Gesichtspunkten gut geeignet sein und sich durch viele Sonnentage und eine hohe Sonneneinstrahlung auszeichnen. Das ist in Südeuropa beziehungsweise im Mittelmeerraum tendenziell eher der Fall als in Nord- oder Mitteleuropa.

Niedrige Systemkosten und günstige Standortbedingungen sind allerdings nur zwei Faktoren. Genauso wichtig für die Attraktivität der Investition ist die Nachfrageseite: Voraussetzungen für einen dauerhaft subventionsfreien wirtschaftlichen Betrieb und für ein den Anforderungen institutioneller Investoren entsprechendes, rentables Anlageziel sind ein ausreichendes Preisniveau sowie das Interesse der Stromabnehmer, langfristige Stromabnahmeverträge abzuschließen.

Langfristige Stromabnahmeverträge sind das entscheidende Kriterium

Diese Stromabnahmeverträge, kurz PPAs (von Englisch: Power Purchase Agreements), sind für institutionelle Investoren wie Versicherungen, Versorgungswerke oder Pensionskassen ein entscheidendes Kriterium. Die Preise an den Spotmärkten für Strom sind zu volatil, um jene langfristig planbaren Erträge zu generieren, die Investoren zur Bedienung ihrer eigenen Verpflichtungen benötigen. Erst ein Stromabnahmevertrag mit festen Preisen über Laufzeiten von sieben bis zehn Jahren macht ein subventionsfreies PV-Projekt für einen Großteil institutioneller Anleger überhaupt erst investierbar.

PPAs über solche Zeiträume sind im iberischen Raum inzwischen möglich. Abnehmer sind entweder direkte Endverbraucher wie beispielsweise Industriebetriebe, Rechenzentren – man spricht dann von Corporate PPAs – oder Versorgungsunternehmen. Gegenüber den Spotmarktpreisen gehen PPAs zwar in der Regel mit einem hohen Preisabschlag einher, garantieren dafür aber die Abnahme des Stroms zu fixen Preisen, ohne dass der Strom selbst aktiv und mit allen dazugehörigen unternehmerischen Risiken vermarktet werden müsste.

Zwar ist der PPA-Markt in Spanien und Portugal noch nicht so entwickelt und liquide wie beispielsweise im skandinavischen Verbund Nord-Pool, wo die Liberalisierung des Strommarktes schon sehr viel länger zurückliegt. Im Vergleich zu Skandinavien profitieren Investoren in Spanien und Portugal allerdings von einem höheren Strompreisniveau.

Spanien und Portugal sind die Vorreiter der PPA-Märkte in Südeuropa

Im Vergleich zu allen anderen Strommärkten in Südeuropa wiederum ist der PPA-Markt auf der Iberischen Halbinsel am weitesten entwickelt. Italien oder Griechenland beispielsweise können perspektivisch auch interessante Märkte darstellen. In der Regel sind dort jedoch momentan nur sehr kurzfristige Abnahmeverträge über höchstens ein oder zwei Jahre möglich, sofern sich überhaupt entsprechende Vertragspartner finden.

Obwohl inzwischen weitgehend Marktparität hergestellt ist und sich mit PPAs auch subventionsfrei rentable und langfristig planbare Investment Cases darstellen lassen, gibt es in Spanien zur weiteren Unterstützung des Ausbaus aller erneuerbaren Erzeugungsarten ein staatliches Förderinstrument. Das Ausschreibungsverfahren ist jedoch kompliziert; zudem werden die in Aussicht gestellten Renditen alle drei Jahre angepasst, sodass eine Teilnahme abgewogen werden muss. Gerade in Spanien haben viele Investoren schlechte Erfahrungen mit regulatorischen Risiken gemacht: 2013 hatte die spanische Regierung die nicht umlage-, sondern steuerfinanzierte Einspeisevergütung rückwirkend substanziell gesenkt. Bei vielen Investoren hat dies zu einem Vertrauensverlust geführt.

Den Risiken regulatorischer Änderungen von Fördermechanismen sowie schwankenden Spotmarktpreisen an den Strombörsen können institutionelle Investoren in liquiden Strommärkten durch langfristige Stromabnahmeverträge entgegenwirken. Wichtig ist neben der ausreichenden Bonität des Abnehmers ein reifer und liquider PPA-Markt. Die Gegebenheit eines solchen Marktes sowie die klimatischen Bedingungen machen Spanien und Portugal zum Vorreiter von Investitionen in Solaranlagen ohne staatliche Fördermaßnahmen in großem Maßstab.

Mit dem geplanten sukzessiven Zurückfahren der Förderinstrumente in Europa, den perspektivisch weiter sinkenden Gestehungskosten für Strom aus PV-Anlagen und der weiteren Etablierung von PPAs als Vermarktungsmodell werden rentable subventionsfreie PV-Investitionen schrittweise auch in anderen Ländern Europas für institutionelle Investoren interessant sein. Subventionsfreie erneuerbare Energien werden die europäischen Strommärkte in den kommenden Jahren grundlegend verändern und sowohl Chancen als auch Risiken für Investitionen in bestehende und zukünftige Anlagen mit sich bringen.




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