Die Zukunft der BRIC-Staaten

Wie entwicklen sich die BRIC-Staaten? Michiel Vanstrepen, Ökonom bei Degroof Petercam AM, und Michaël Vander Elst, Co-Manager des DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable, kommentieren die Märkte. Die Experten erläutern, warum China und Russland nicht auf dem Investmentradar stehen.

Zurück zu alter Stärke?

Nach dem anfänglichen Hype um die sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China ist es lange Zeit ruhig geworden um die weltweit bedeutendsten Schwellenländer. Dabei hatte es Anfang des Jahrtausends gut angefangen. Über Jahre stand das Akronym BRIC für hohes Wirtschaftswachstum und überdurchschnittliche Renditen. Dann aber steckten Brasilien und Russland in einer Rezession, China schlug einen kreditfinanzierten Wirtschaftskurs ein, und in Indien wartete man lange vergeblich auf den großen Reformwurf. Die Misere spiegelte sich auch an den Börsen der BRIC-Länder wider, die ihren langjährigen Einbahnstraßenmodus verließen.

Die Probleme der BRIC-Staaten führten dazu, dass sich viele Investoren aus diesen Märkten zurückzogen. Eine solide wirtschaftliche Erholung in 2017 und vielerorts strukturelle Fortschritte haben das Blatt nun gewendet. Sollte sich der positive Trend fortsetzen, könnten die BRIC-Staaten zu den Gewinnern in 2018 werden und bei Anlegern wieder deutlich beliebter werden.

Nach wie vor liefern die BRIC-Staaten den größten Beitrag zur weltweiten Bruttowertschöpfung. Außerdem sind sie der wichtigste Indikator für die Verfassung der Schwellenländer insgesamt. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung im globalen Wirtschaftsgefüge und in 2018 anstehenden Wahlen in allen vier BRIC-Staaten lohnt sich eine genauere Analyse:

Brasilien: Starke Konsumnachfrage

Brasilien lässt gerade die Rezession hinter sich. Nach 2 Prozent Wachstum in 2017 sollten in den kommenden Jahren sogar 3 Prozent jährlich möglich sein. Getragen wird die positive wirtschaftliche Entwicklung zum größten Teil vom privaten Verbrauch. Die Einzelhandelsumsätze stiegen 2017 um 8 Prozent. Umfragen deuten darauf hin, dass die Konsumnachfrage in 2018 noch steigen wird. Sinkende Arbeitslosenzahlen – die Rate liegt wieder deutlich unter 13 Prozent – stützen diesen Trend. Dies stärkt die Disinflation in Brasilien – die Kerninflation hat 2017 die 4-Prozent-Marke unterschritten.

Die Fiskalpolitik steht derweil vor einem Dilemma. Einerseits festigt der lockere Notenbank-Kurs den Erholungspfad der Wirtschaft. Andererseits könnte dieser nicht nachhaltig werden, wenn zu schnell zu viel gewollt wird. Hier eine Balance zu finden, wird auch ein großes Thema bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst sein.

Russland: Die Abhängigkeit vom Öl wird geringer

Auch Russland befreit sich langsam aus seiner tiefen Rezession. Schlüsselfaktor hierbei ist die immer geringer werdende Abhängigkeit vom Öl. Der Rohstoffgigant konnte 2017 bereits die Hälfte seines Sozialproduktes, das um ca. 2,5 Prozent gestiegen ist, aus Öl unabhängigen Sektoren generieren. Der starke Binnenkonsum trägt ebenfalls zur wirtschaftlichen Trendwende in Russland bei. Dennoch bleiben Löhne und Lebensmittelpreise niedrig. Die Inflation liegt weiterhin unterhalb der Zielmarke von 4 Prozent. Somit sollte der unterstützende Kurs der russischen Notenbank vorerst anhalten.

Indien: Endlich Reformen

Mit einem Wachstum von gut 6 Prozent hat die indische Wirtschaft 2017 ihre Erholung fortgesetzt. Wie in Brasilien und Russland war auch in Indien mehrheitlich der private Konsum die treibende Kraft. Aber auch die Industrieproduktion und die Nettoexporte, die längere Zeit unter den niedrigen Rohstoffpreisen litten, erholen sich weiter. Durch die konsequente Umsetzung von Reformen, zum Beispiel auf der Steuerseite, sowie die eingeleitete Demonetisierung zur Bekämpfung von Korruption und Schattenwirtschaft waren die Investmentaktivitäten 2016 stark eingebrochen. Seit 2017 ist hier wieder ein Aufwärtstrend zu erkennen.

Aufgrund von Basiseffekten sowie steigenden Lebensmittelpreisen hat die Inflation zuletzt etwas angezogen. In diesem Umfeld dürfte die indische Notenbank weiterhin achtsam bleiben und für mögliche Straffungsmaßnahmen bereitstehen. Insgesamt ist der Ausblick für die Fiskalpolitik und das langfristige Wirtschaftswachstum in Indien positiv, nicht zuletzt aufgrund der ambitionierten Umsetzung von Reformen.

China: Das große Fragezeichen

Chinas Wirtschaftswachstum war 2017 mit ca. 7 Prozent wieder einmal dynamisch. Jedoch könnte dem Reich der Mitte eine Abkühlung bevorstehen, da stimulierende Effekte langsam auslaufen und die Politik der chinesischen Notenbank straff bleiben dürfte. Ohnehin bleibt die Herausforderung für China, hohe Wachstumsziele mit einem stabilen Finanzsystem zu vereinbaren.

Obwohl die Kreditausweitung bei Staatsbetrieben deutlich zurückgegangen ist, bleibt der große Anteil an Fremdfinanzierungen (Leverage) ein wesentliches Risiko. Auch könnten notleidende Kredite wieder zu einem ernsten Thema werden – vor allem, wenn sich die Konjunktur abkühlt. Bei den chinesischen Banken würde dies den Druck auf die Profitabilität noch erhöhen. Belastend für den Bankensektor wirkt zudem die steigende Zahl von ‚Schattenkrediten‘ an Unternehmen.

Der langfristige wirtschaftliche Ausblick bleibt ungewiss, weil die Bevölkerung Chinas zusehends älter wird und die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Exportbereich kontinuierlich schwächer wird. Vor diesem Hintergrund sollte die Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds für China für das laufende Jahr mit 6,5 Prozent zu optimistisch sein.

China und Russland nicht auf dem Investmentradar

Im Portfolio des überwiegend in Lokalwährungs-Staatsanleihen der Schwellenländer investierenden DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable finden sich indes keine Staatspapiere aus China und Russland – trotz ihrer grundsätzlich hohen Bedeutung im Schwellenländeruniversum. Der Grund resultiert aus dem nachhaltigen Investmentansatz des Fonds, der konsequent unfreie, autoritär geführte Staaten ausschließt.

Sowohl China als auch Russland erfüllen nicht einmal ein Mindestmaß an demokratischen Werten. Da Transparenz und demokratische Werte in unserer Schwellenländer-Nachhaltigkeitsanalyse insgesamt ein Drittel ausmachen, finden chinesische und russische Staatsanleihen keinen Zugang in das Fondsportfolio.

Es sei darauf verwiesen, dass Anleger ihren Blick aus Diversifikations- und Performancegründen verstärkt auch auf kleinere Schwellenländer und Frontiermärkte richten sollten. Im DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable haben Staatsanleihen dieser Märkte das Jahresergebnis 2017 entscheidend positiv beeinflusst. Während der Fonds in Euro gerechnet um 3,3 Prozent zulegen konnte, waren es auf Dollarbasis 18 Prozent. Entscheidende Performancetreiber waren Staatsanleihen aus Polen und Sambia.

Mit Blick nach vorne richtet sich der Fokus auch auf Papiere staatlicher Emittenten aus südamerikanischen Ländern. Trotz politischer Risiken in Südamerika sind die Bewertungen in der Region attraktiv, vor allem aufgrund eines verbesserten Verhältnisses von Importen und Exporten. Auch Staatsanleihen aus Südafrika sind vielversprechend. Das womöglich frühzeitige Ende der Zuma-Regierung könnte die so dringend benötigten strukturellen Reformen vorantreiben.




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