E-Commerce in Indien bietet viel Potenzial

Der indische E-Commerce hat im Gegensatz zu dem in China wenig Aufmerksamkeit bekommen, trotz der zweithöchsten Zahl an Internetnutzern weltweit.

In Indien nutzen 355 Millionen das Internet. Nur in China sind es mit 783 Millionen mehr. Trotzdem hat der indische E-Commerce bisher im Gegensatz zum chinesischen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Der Sektor kann in Indien mit nur drei börsennotierten Unternehmen aufwarten, mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt fünf Milliarden US-Dollar. In China sind es mehr als 15 Unternehmen mit knapp einer Billion US-Dollar.

Zwei Dinge sind mir bei meinen Treffen mit einigen nicht börsennotierten indischen E-Commerce-Unternehmen aufgefallen: Der Markt ist jung und steht möglicherweise vor einem Wendepunkt. Die Bevölkerungszahlen und die Internetgeschwindigkeit in Indien können mit China mithalten. Leider enden hier die Gemeinsamkeiten.

Obwohl Indien den viertgrößten Einzelhandelsmarkt der Welt hat, belegt sein E-Commerce-Markt nur den neunten Platz. Das liegt vor allem am niedrigen Bruttoinlandsprodukt (BIP) Indiens. Pro Kopf sind es nur 1.939 US-Dollar, das entspricht etwa einem Viertel von Chinas BIP. Auch die Internetdurchdringung liegt nur bei 26 Prozent, in China ist sie doppelt so hoch. Basierend bei den beiden Kennzahlen hinkt Indien sieben bis 15 Jahre hinter China her.

Dieser augenscheinliche Entwicklungsrückstand auf dem indischen Markt sollte Investoren nicht davon abhalten, sich mit dem indischen E-Commerce-Markt zu befassen, vor allem wegen der positiven Entwicklungen der letzten zwei Jahre. Sie könnten dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

Alibaba-Gründer Jack Ma hat das Iron Triangle, (eisernes Dreieck) vorgeschlagen. Es ist ein Werkzeug zur Bewertung der indischen E-Commerce-Branche. Es definiert drei Schlüsselfaktoren für Erfolg im E-Commerce. Indien hat in den letzten Jahren Fortschritte in den ersten beiden Bereiche gemacht, im dritten brauch es noch viel Arbeit.

Daten und Internet

Mit dem Start von Reliances Jio hat Indien einen Wandel in der Daten- und Internetverfügbarkeit erlebt. Die Investitionen des Unternehmens in das eigene Netzwerk hatte einen Dominoeffekt, denn Bharti Airtel, Idea Cellular und Vodafone folgten. Dieses Investitionsvolumen der letzten fünf Jahre in Höhe von 118 Milliarden US-Dollar ließen ein panindisches 4G-Netzwerk entstehen.

Die Disruption setzte sich beim Preis fort, da Jio die Datentarife um 99 Prozent senkte, vom Industriepreis INR250/GB, der seit 2012 bestand, auf INR3/GB. Im gleichen Atemzug stellte das Unternehmen eine Reihe von kostenlosen Videoinhalten zur Verfügung. Demnach überrascht es kaum, dass die Datennutzung in Indien rasant wächst. Rund 95 Prozent der in Indien verkauften Smartphones sind jetzt 4G-fähig. 2016 waren es noch 40 Prozent. Die monatliche Datennutzung hat sich mehr als verzehnfacht. Das macht Indien zum drittgrößten Verbraucher von mobilen Internetdaten und zum größten Verbraucher auf Abonnentenbasis.

Online-Zahlungen

Indiens Online-Zahlungsverkehr wächst schnell und ist wohl ebenso wichtig wie die Netzabdeckung beziehungsweise –geschwindigkeit. Noch basiert Indiens Zahlungsverkehr weitgehend auf Bargeld, 68 Prozent der Transaktionen werden in bar abgewickelt.

Um die Digitalisierung von Zahlungen über eine sichere Plattform zu beschleunigen, hat die Reserve Bank of India im August 2016 das Unified Payment Interface (UPI) eingeführt. UPI ermöglicht Benutzern, mehrere Bankkonten über eine mobile App zu verbinden, um Peer-to-Peer- und Peer-to-Merchant-Transaktionen abzuwickeln.




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