„Eurozone is back!“

Wie stark ist die Eurozone?  Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei La Financière de l’Echiquier (LFDE) widmet sich in seinem Ausblick dieser Frage.

In Davos skandierte Emmanuel Macron mit großen Worten: „France is back.“ Wahrscheinlich hat er recht – zumindest aus makroökonomischer Sicht. In der Tat ist die gesamte Eurozone wieder in den Vordergrund der Weltwirtschaft gerückt. Mit einem geschätzten BIP-Wachstum von 2,5 % im Jahr 2017 gemäß Eurostat weist die Währungsunion eine seit 2007 nicht dagewesene wirtschaftliche Expansion auf. Das ist eine große Überraschung, da noch vor einem Jahr die Konsensprognose bei einem BIP-Wachstum von 1,4 % bis 1,7 % lag.

Kann sich ein solcher Trend im Jahr 2018 fortsetzen? Nein, wenn man den Prognosen Glauben schenkt. Die OECD erwartet ein Wirtschaftswachstum von 2,1 %, und der IWF rechnet, wie der Bloomberg-Konsens, mit einem Plus von 2,2 %. Aber sollte man denjenigen vertrauen, die bei der Wachstumsprognose 2017 um 1 % – eine Bagatelle – danebenlagen?

Einige Faktoren werfen gleichwohl Fragen auf, insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich der output gap – die Lücke zwischen dem potenziellen und dem realisierten Wachstum – schließen dürfte. Sollte sich dieser Abstand schnell verringern, ist dies zum einen auf die Beschleunigung im vergangenen Jahr zurückzuführen, aber auch auf eine Verlangsamung des potenziellen BIP-Wachstums aufgrund der schwachen Investitionen und der Demographie.

Kann das potenzielle Wachstum der Eurozone also wieder anziehen? Alle Bedingungen dafür sind jedenfalls gegeben. Die nach wie vor sehr entgegenkommenden Finanzierungsbedingungen begünstigen die Neuverschuldung der Unternehmen, und die Rentabilität der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors hat sich erholt und übertrifft damit die historischen Höchststände von Anfang 2017. Die Binnennachfrage ist zunehmend schwieriger zu befriedigen, und bestimmte Sektoren haben Schwierigkeiten bei Neueinstellungen. Überdies scheinen jüngsten Umfragen zu den Inflationserwartungen zufolge die privaten Haushalte bereit zu sein, Preissteigerungen hinzunehmen. In Verbindung mit der Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt und der Zunahme der Kaufkraft dürften diese Faktoren den Unternehmen ermöglichen, ihren Spielraum zur Preisgestaltung auszuweiten.

In einem solchen Umfeld haben Unternehmen wie Staaten jedes Interesse an einem Wiederanziehen der Investitionen. Für erstere geht es darum, wieder Betriebsgewinne zu erzielen, deren statistische Relation mit der Investitionsquote beachtlich ist und die fast bei den Niveaus vor der Krise liegen. Für letztere hingegen geht es darum, die Binnennachfrage zu befriedigen, um zu verhindern, dass die Einfuhren das Wirtschaftswachstum und die Handelsbilanz belasten. Das Wiederanziehen der Investitionen könnte zeitweilig für einen positiven Zyklus sorgen: Steigende Investitionen werden mit Einstellungen einhergehen, die den Arbeitsmarkt noch angespannter machen und Lohnsteigerungen bewirken. Daraus wird sich zudem eine zusätzliche Zunahme der Kaufkraft ergeben, was den Konsum beflügelt, während sich die Sparquote wohl nicht deutlich erhöhen dürfte.

Dies alles sind Faktoren, die zuversichtlich stimmen: Im Jahr 2018 dürfte das Wachstum der Eurozone die aktuellen Schätzungen (+2,1 %/+2,2 %) deutlich übertreffen und wahrscheinlich sogar über die 2017 verzeichneten +2,5 % steigen.




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