Fed hält Zinsniveau für „knapp neutral“

Die US-Notenbank bewertete den aktuellen Leitzins über­ra­schen­der­wei­se als „knapp neutral“; dies impliziert meist pessimistische Wachstumserwartungen, oder sogar Marktschocks.

Im Oktober hat der Ausverkauf an den Aktienmärkten für Schlagzeilen gesorgt. Die Anleger sollten darüber aber nicht vergessen, dass die wirklich großen Veränderungen an den Anleihemärkten stattgefunden haben. Oft geht eine Wende am Anleihemarkt einer Aktienmarktwende voraus, da die Diskontfaktoren, also die Abzinsung von Aktien mithilfe der risikolosen Staatsanleihezinsen berechnet werden und es letztlich die Kreditvergabe ist, die die Privatwirtschaft am Laufen hält.

Erstmals in diesem Jahr kamen die Kreditmärkte wirklich unter Druck. Denn letzte Woche ließ Fed-Chairman Jerome Powell eine echte Bombe platzen, als er sich zur Zinspolitik äußerte.

US-Zinsen „Knapp neutral“

Noch am dritten Oktober hatte Powell erklärt, dass die US-Zinsen „weit entfernt von neutral“ seien. Bis zu einem Niveau, auf dem sie die Inflation weder anheizen noch dämpfen würden, sei es noch weit. Letztlich hat genau diese Aussage den Aktienmarktausverkauf im Oktober ausgelöst. Am Mittwoch dann beschrieb Powell die Leitzinsen zur Überraschung vieler Marktteilnehmer als „knapp neutral“.

Das Ausmaß dieser 180-Grad-Wende zeigte sich in der anschließenden Kursentwicklung: Der S&P 500 Index stieg an nur einem Tag um 2,3 Prozent, und an den Anleihemärkten schien man plötzlich von nur noch 1,5 Zinsschritten für 2019 auszugehen, während die Fed stets drei in Aussicht gestellt hatte. US-Staatsanleihen waren gefragt, der US-Dollar-Index verlor 0,55 Prozent und Emerging-Market-Titel erhielten massiven Auftrieb.

Zinserhöhungszyklen sind für die Märkte oft nicht einfach. Eine mögliche Zinspause oder ein Ende des Zinszyklus könnten daher etwas Gutes sein. Und doch scheint es intutitiv wenig plausibel, dass risikobehaftete Titel auf diese Nachricht so positiv reagierten.

Schließlich betonte Powell, dass die Fed die Wirtschafts- und Finanzdaten „sehr genau beobachten“ werde. Offensichtlich fürchtet er ein schwächeres Wachstum sowie eine niedrigere Inflation und sorgt sich um die Stabilität der Märkte. Wenn die Renditen auch ohne Leitzinserhöhungen weitgehend neutral sind, impliziert dies pessimistischere Wachstumserwartungen, eine höhere Wahrscheinlichkeit von Marktschocks oder sogar beides.

Kreditmärkte und Außenhandel

Die Kreditmärkte könnten ähnliche Befürchtungen aufkommen lassen. Im November war die Stimmung an den Unternehmensanleihemärkten schlecht. Die Spreads für Hochzinsindizes sind nun etwa 60 Basispunkte breiter als zu Jahresbeginn, wobei 75 Prozent dieser Spreads auf den November fielen. Momentan liegen sie gegenüber US-Staatsanleihen bei etwa 400 Basispunkten. Im Euroraum war der Ausverkauf von High Yield ähnlich stark.




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