Frontier-Märkte im Auge behalten!

Die soliden Renditen der letzten Jahre in Kombination mit einem dauerhaften säkularen Wachstum und einer geringen Korrelation zum globalen Wirtschaftszyklus, wecken verstärkt das Investoreninteresse. Eine Einschätzung des Frontier-Experten Oliver Bell von T. Rowe Price.

Die makroökonomischen Fundamentaldaten in vielen Frontier Markets – also dynamischen, aber weniger entwickelten Volkswirtschaften mit besonderem Wachstumspotenzial – sind derzeit sehr positiv. Und erinnern an die Situation vor 15 bis 20 Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt vieler Frontier Markets wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich zwischen sechs und neun Prozent liegen, und somit viel stärker sein als in vielen Schwellenländern. Zusätzlich sind nahezu 60 Prozent der Einwohner dieser Grenzmärkte unter dreißig Jahre alt. Diese jungen Arbeitskräfte werden das wirtschaftliche Wachstum antreiben und einmal eine solide Mittelklasse von Konsumenten in zahlreichen Ländern bilden. Die spezifischen Bedingungen und Investmentmöglichkeiten variieren hinsichtlich der jeweiligen Märkte teilweise stark, sogar wenn diese in derselben Region liegen. Die Aktienbewertungen sind immer noch angemessen und der Langzeit-Ausblick vieler Unternehmen sogar unterbewertet. In diesem Umfeld wird es Gewinner und Verlierer geben.

Lateinamerika: Argentinien profitiert von Reformen

Dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri ist es gelungen, das Interesse der Anleger wieder auf sein Land zu lenken. Fortschritte sind in Sachen Senkung der extrem hohen Inflation gelungen und auch das inländisch-basierte Wirtschaftswachstum hat sich schrittweise wieder beschleunigt. Die Reformagenda wurde zuletzt bei den Zwischenwahlen im Oktober von den Wählern bestätigt – indem die Regierungskoalition einen überzeugenden Sieg einfuhr. Die ergriffenen Maßnahmen umfassten die Abschaffung der Devisenverkehrsbeschränkungen, einen Anstieg der Strompreise und die Aufhebung von Tarifregelungen zum Schutz der heimischen Wirtschaft. Künftige Reformvorhaben richten sich auf die Bereiche Steuern, Bildung und Arbeitsmarkt – allesamt sollten also einen positiven Einfluss auf das wirtschaftliche Umfeld haben. Chancen liegen vor allem bei Aktien aus dem Finanz-, Energie- und Immobiliensektor.

Afrika: Nigeria bietet Chancen bei Währungsinvestments

Die gesamtwirtschaftliche Situation in Nigeria war in den vergangenen drei Jahren herausfordernd – angesichts niedriger Ölpreise, verspäteter Währungskorrekturen und ineffizienter Reformmaßnahmen. In Kombination haben diese Faktoren das Land in die Rezession getrieben. Wechselkursanpassungen bei der nigerianischen Währung Naira haben allerdings jüngst zu einer substanziellen Verbesserung der Liquidität in US-Dollar geführt, eine Entwicklung, die Bell begrüßt. Dennoch würden wir es gerne sehen und sogar eine Übergewichtung in Betracht ziehen, wenn es künftig einen einheitlichen flexiblen Wechselkurs gäbe.  Insgesamt kann der Bankensektor als vielversprechend eingeschäftzt werden: Banken mit hoher Qualität sollten von der mittelfristigen Stabilisation der Wirtschaft profitieren. Die Bewertungen im Bankensektor Nigerias sind ausgesprochen attraktiv, gerade im Vergleich zu denen von Mitbewerbern aus der Region. Die Aussichten auf ein Kreditwachstum ist eindeutig gegeben, da Nigeria eines der niedrigsten Niveaus der Kreditdurchdringung aller Schwellenländer und Frontier Markets aufweist.

Asien: Fokus auf Sri Lanka und Vietnam

Die Wachstumsperspektive für die Grenzmärkte Asiens – darunter Sri Lanka, Vietnam und Bangladesch – bleibt vor dem weiterhin gesunden makroökonomischen Hintergrund intakt. Vietnam baut seine Exporte kontinuierlich aus und erreicht dabei inzwischen die Niveaus von entwickelten Volkswirtschaften, speziell auf dem Gebiet von mobilen Telefonen und Endgeräten. Gleichzeitig bildet sich eine junge, sehr produktive Mittelklasse. In Vietnam setzt der Frontier Markets Equity Fund unter anderem auf Konsumgüterunternehmen, die ihren Marktanteil im Exportgeschäft ausbauen und zudem am Inlandsmarkt und Online expandieren.

„Bullish“ ist unser Management im Hinblick auf Investmentmöglichkeiten in Sri Lanka, denn hier findet er einige der am attraktivsten bewerteten und am besten gemanagten Unternehmen im gesamten Universum der Grenzmärkte. Wir sind überzeugt vom Bauboom in Sri Lanka, weil eine verbesserte Politik dazu führen dürfte, dass zentrale Infrastrukturprojekte nach einer Phase der Untätigkeit wiederaufgenommen werden – unter anderem der Bau neuer Häfen und Straßen. Die strategisch günstige Lage des Landes im indischen Ozean könnte das Land zu einem regionalen Handelsknotenpunkt werden lassen. Das hat bereits zu signifikanten Investitionen in Hafenanlagen geführt, zuletzt in Form eines Engagements in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar durch China in den Hambantota Port.

Europa: Rumänien wird von der heimischen Nachfrage getragen

Die rumänische Wirtschaft zeigte zuletzt Anzeichen eines zyklischen Aufschwungs. Dieser wird durch eine solide Inlandsnachfrage untermauert, die auf Lohnwachstum, niedrigen Zinsen und Senkung der  Mehrwertsteuern beruhte. In Rumänien ist Bell von Finanztiteln angetan, weil die Banken nach der Krise von 2008 ihre Kreditportfolios bereinigt haben und sich auch die Qualität der Assets verbessert. Bell fokussiert daher unter anderem auf in Rumänien ansässige Franchiseunternehmen in schnellwachsenden Segmenten der Kreditvergabe – die nachhaltige und hochprofitable Margen liefern.

Wir erwarten, dass der Sektor weiterhin eine gute Performance zeigen wird, sowohl aufgrund einer Konsolidierung als auch des gesamtwirtschaftlichen Hintergrunds. Zudem sind wir auch für das strukturelle Wachstum des privaten Gesundheitsvorsorgebereichs in Rumänien positioniert. Dort könnten gerade die Marktführer ihren Anteil ausweiten, weil sie von Skaleneffekten und Wettbewerbsvorteilen begünstigt sind.

Für das Jahr 2018 bleibt die Aussicht positiv

Die soliden Renditen, die die Grenzmärkte in den letzten fünf Kalenderjahren boten, in Kombination mit einem dauerhaften säkularen Wachstum und einer geringen Korrelation zum globalen Wirtschaftszyklus, wecken verstärkt das Investoreninteresse. Die wirtschaftlichen Indikatoren haben sich in den vergangenen Monaten stark verbessert und auch die Wechselkurse rechtfertigen eine gute Prognose für 2018 und die Jahre danach.




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