„Goldilocks-Economy“ sollte 2018 andauern

Andy Ho, Chef-Volkswirt der in Vietnam führenden Investmentgesellschaft VinaCapital, betrachtet in seinem zweiten Teil, welche Trends das südostasiatische Land für das Jahr 2018 erwarten.

Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2018 das BIP-Wachstum an dem Niveau von 2017 anknüpfen kann und die stabile Inflation und Wechselkursentwicklung in Vietnam anhalten werden. Aktienmarkt: Wir erwarten einen stetigen Strom von neuen Börsennotierungen, sowohl von SOEs als auch von Privatunternehmen. Wir sind jedoch unsicher, dass ein 40-prozentiger Anstieg im VN-Index (wie in 2017) nachhaltig ist, insbesondere da ein Großteil dieses Wachstums durch eine Handvoll Large-Cap-Aktien erzielt wurde. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des VN-Index ist im Vergleich zu regionalen Vergleichswerten, die sich um das 18-19-fache bewegen, kein Schnäppchen mehr, obwohl die Wachstumschancen in Vietnam insgesamt hoch sind. Wir erwarten, dass der vietnamesische Aktienmarkt von dem globalen Vertrauen an den Aktienmärkten positiv beeinflusst wird.

Privatisierung: Die Regierung hat ehrgeizige Ziele für die Privatisierung staatseigener Unternehmen für den Zeitraum 2017-2020 festgelegt: sie erwartet, dass 137 Staatsunternehmen teilweise privatisiert werden, was für die Staatskasse Einnahmen von 13 Mrd. USD oder mehr bedeuten könnte. Bedeutende Unternehmen, die in den nächsten zwei Jahren privatisiert werden, sind Vinataba, Saigon Trading, Ben Thanh Corp, Saigon Tourist, VNPT und Tochtergesellschaften von PetroVietnam. Die State Capital Investment Corporation (SCIC) ist außerdem berechtigt, ihren Anteil an mehr als 100 Unternehmen zu verkaufen, darunter die Blue Chips Bao Minh Group, Binh Minh Plastic, Military Bank, Domesco und Vinamilk.

Bankensektor: Der Bankensektor zählte an Vietnams Börsen zu den stärksten im Jahr 2017. Die notleidenden Kredite sind auf 2,55 Prozent10 der gesamten ausstehenden Kredite des Bankensystems gesunken, ein starker Rückgang von 17,2% im Jahr 201211. Jüngste Gesetzesänderungen sollten der Vietnam Asset Management Company (dem Unternehmen, das geschaffen wurde, um schlechte Schulden in das System aufzusaugen) ermöglichen, die von ihr erworbenen Vermögenswerte effektiver zu verkaufen. Während es einige gute staatliche und private Banken gibt (wir haben in einige wenige investiert), ist eine weitere Konsolidierung notwendig, und es bedarf einer weiteren Stärkung, um die Basel-II-Ziele zu erreichen. Darüber hinaus ist die verstärkte Beteiligung ausländischer Banken an diesem Sektor noch nicht erfolgt, obwohl die Regierung von Fall zu Fall darauf hingewiesen hat, dass sie die Grenzen für ausländischen Besitz erhöhen würde.

Kurz gesagt, das kommende Jahr sollte mehr Kapitalbeschaffung bringen, um das erwartete starke Kreditwachstum zu finanzieren. Infrastruktur: Während der Energiesektor 2017 einen  bedeutenden Teil der ausländischen Direktinvestitionen auf sich vereinigte, erfordern zahlreiche andere Infrastrukturprojekte Investitionen. Die Verkehrsstaus in Hanoi und HCMC verschlechtern sich, und der Fortschritt der UBahnlinien in beiden Städten schreitet im Schneckentempo voran. Um den wachsenden Tourismus zu erhalten, müssen die Flughäfen in Hanoi und insbesondere in Ho Chi Mhin City (HCMC) ausgebaut werden. Auf dem lang geplanten (und teuren) Long Thanh International Airport außerhalb von HCMC gibt es keinen nennenswerten Fortschritt. Vietnams anhaltende Attraktivität als Ziel für ausländische Direktinvestitionen hängt zum Teil von der modernen Infrastruktur ab.

Abschließende Gedanken

Das Jahr 2017 war auch gut für VinaCapital. Von Januar bis Ende November stieg der Nettoinventarwert pro Aktie der VOF in USD um 24,3 Prozent, wobei das Kapitalmarktportfolio im
Einklang mit dem VN-Index stieg. Der Nettoinventarwert des VOF belief sich auf über 1 Mrd. USD. Im vergangenen Jahr ist der Aktienkurs des VinaCapital Vietnam Opportunity Fund (VOF) in USD um 37,6 Prozent gestiegen. Der Forum one – VCG Partners Vietnam Fund, unser UCITS-konformer Fonds, ist auf USD 84 Millionen angewachsen und hat seit Jahresbeginn 32,4 Prozent erwirschaftet. Ende April haben wir den Vietnam Equity Special Access Fonds (VESAF) aufgelegt, der es Ausländern ermöglicht, in kleine und mittelgroße Unternehmen zu investieren, die nicht von ausländischen Eigentumsbeschränkungen betroffen sind. VinaLand hat mehrere Vermögenswerte verkauft, so dass es im Jahr 2017 drei Ausschüttungen an die Aktionäre vornehmen konnte. Der Aktienkurs ist in den letzten 12 Monaten um rund 30 Prozent gestiegen.

In Bezug auf unsere Anlagephilosophie gibt es kaum Änderungen. Wir konzentrieren uns weiterhin auf Unternehmen, die an der anhaltend starken Binnenkonsumentwicklung Vietnams teilnehmen
und davon profitieren. Privatisierungen sind immer etwas, das wir uns ansehen werden, aber viele der Unternehmen, die sich in diesem Prozess befinden, sind von geringerem Interesse und
Bewertungen müssen sinnvoll sein. In der Private Equity-Branche befinden wir uns derzeit in fortgeschrittenen Verhandlungen über einige Deals, die, sollten wir diese erfolgreich abschließen,
werden wir dies in der ersten Hälfte des neuen Jahres bekannt gegeben (ein Nebeneffekt der lebhaften Wirtschaft ist, dass Private Equity Deals längere Verhandlungen benötigen, da die Erwartungen höher sind).

Wir sind typischerweise in unserem Optimismus gegenüber den Aussichten für die Wirtschaft Vietnams vorsichtig, eine Perspektive, die sich aus unserer jahrzehntelangen Arbeit und Investition in diesen Markt ergibt. Wir sind jedoch sehr ermutigt von dem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Vietnams „Goldilocks Economy“ – weder zu heiß noch zu kalt, sondern genau richtig – sollte in 2018 fortdauern.

 




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