Bemerkenswerterweise war das prognostizierte KGV des japanischen Aktienmarktes Mitte 2013 erheblich höher (14) als heute. Das bedeutet effektiv, dass die Kurse japanischer Aktien im Großteil der Hausse von 2012 bis 2017 nicht mit dem Wachstum der Unternehmensgewinne mithielten, während die Anleger US-Unternehmen in dieser Zeit für vergleichsweise schwächere Leistungen übermäßig belohnten.

Fundamentaldaten gewinnen wieder Einfluss

Obwohl ein instinktgetriebenes Handeln nahezu zwangsläufig zu Verzerrungen führt, werden fundamentale Verzerrungen im Laufe der Zeit unweigerlich korrigiert. Das trifft nicht nur auf Länder-, sondern auch auf Sektorebene und innerhalb von Sektoren zu. Man denke nur an die explosionsartige Outperformance von Technologieaktien und die unglaublich eng beieinanderliegenden Spitzenreiter am US-Aktienmarkt in den letzten Jahren. Eine ähnliche Dynamik war auch in Japan zu beobachten, und obwohl wir relative Argumente für die Bevorzugung eines passiven Engagements in japanischen Aktienindizes gegenüber ihren US-Pendants (auf KGV-Basis) vorbringen könnten, sind wir überzeugt, dass eine auf Fundamentalanalyse basierende Kapitalanlage bedeutende Wertsteigerungen erzielen kann.

Unter thematischen Aspekten hat die Wachstumsdynamik in einigen Fertigungssektoren nachgelassen, insbesondere in Bereichen mit Bezug zu Smartphones und Automatisierung. Globale Rezessionsgefahren erscheinen aufgrund des robusten Privatkonsums, der weiterhin von soliden Realeinkommen in den Kernländern getragen werden dürfte, als gering. Aufgrund des knappen Arbeitskräfteangebots dürften die Löhne potenziell steigen. Der niedrigere Rohölpreis dürfte die Inflation zügeln. Im Oktober 2019 soll die Konsumsteuer in Japan von acht auf zehn Prozent angehoben werden. Um den negativen Effekt zu begrenzen, beabsichtigt die Regierung, der Wirtschaft im Vorfeld mit einem Konjunkturpaket sowie mit Maßnahmen wie Einkaufsgutscheinen oder Steuersenkungen beziehungsweise Subventionen für Neufahrzeuge unter die Arme zu greifen.

Japans starker Technologiesektor

Eines der Anlagethemen, die wir für das Jahr 2019 ins Auge fassen, ist die Trendwende im Maschinenbausektor. In letzter Zeit hat diese Branche massiv unter den Sorgen vor einer weltweiten Wachstumsverlangsamung und den Handelskonfliken zwischen China und den USA gelitten. Auf Basis bisheriger Erfahrungen und früherer Trends glauben wir jedoch, dass der Tiefpunkt zu Beginn des zweiten Quartals 2019 oder sogar schon gegen Ende des ersten Quartals erreicht sein wird. Wir beurteilen das strukturelle Wachstum des Maschinenbausektors zuversichtlich, da die Fabrikautomatisierung nicht nur notwendig ist, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen, sondern auch, weil viele Produkte und Elektrobauteile zunehmend diffiziler geworden sind und erstklassige Produktionsverfahren benötigen. Diese Arbeit kann nicht mehr von menschlichen Arbeitskräften erledigt werden – hier ist mechanische Präzision erforderlich.

Darüber hinaus haben die Hersteller in Bereichen, die direkt von den Handelskonflikten betroffen sind, offenbar notwendige Investitionen zurückgestellt. Wenn sich allerdings unser allgemeines Szenario eines nachhaltigen, soliden Privatkonsums als richtig erweist, werden sie zu höheren Investitionen gezwungen sein, um die Nachfrage der Endkonsumenten zu bewältigen. Aus strategischer Sicht sind wir weiterhin der Ansicht, dass börsennotierte Unternehmen auf absehbare Zeit jährliche Gewinnwachstumsraten im hohen einstelligen Bereich halten können.

Japan befindet sich nach wie vor an der Speerspitze technologischer Innovationen, insbesondere im Bereich Robotertechnik. Wir sind davon überzeugt, dass Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT) auch zukünftig Impulse für neue Geschäftschancen und effizientere Arbeitsabläufe geben. Die Konsumnachfrage sollte dank der Weiterentwicklung von Technologien wie 5G und der Cloud robust bleiben. Trends in den Bereichen Elektromotorisierung, autonomes Fahren und bargeldlose Zahlung – letztere wird vor allem von staatlicher Seite vorangetrieben – dürften sich indes beschleunigen.

Überverkaufter Markt bietet Einstiegschancen

Das Wachstumspotenzial der japanischen Unternehmensgewinne wird zwar 2019 voraussichtlich geringer sein als im letzten Jahr. Doch der Gewinntrend von Aktien, die wir als „Leaders“ ansehen, ist robust. Im deutlichen Gegensatz dazu erscheint uns der Aktienmarkt überverkauft, insbesondere in den Bereichen Smartphones und Fabrikautomatisierung. Insgesamt scheint der Aktienmarkt eine globale Rezession übermäßig stark eingepreist zu haben. Deshalb halten wir eine Höherbewertung des Marktes für sehr wahrscheinlich. Auf Einzelaktienebene sehen wir einige Anlagechancen in ausgewählten Unternehmen, die ihre Gewinne wiederholt mit einem soliden Tempo steigern können, aber dennoch auf niedrigen Bewertungsniveaus gehandelt werden.




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