Keine weitere Phase von Preiserhöhungen

Robert Minter, Investment Strategist bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert die US-Sanktionen gegen Iran und die Auswirkungen auf den Ölpreis.

Präsident Donald Trumps Art zu verhandeln, hat das ohnehin schon komplexe Umfeld für Investoren noch komplexer gemacht. Die schroffe Kommunikation des US-Präsidenten kann auch bei grundlegenden Themen Verwirrung stiften. Trotz der starken Rhetorik sind die tatsächlichen Zölle der USA gegen China im Vergleich zu denen, die angekündigt wurden, allerdings relativ unscheinbar.

Der Krieg der Worte zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani hat jedoch eine andere Tonart, da dieser den Kern der langjährigen Auseinandersetzung in der Region zu treffen scheint. Aus diesem und weiteren Gründen hat der Ölmarkt die Drohungen ernster genommen. Die Sanktionen gegen Iran im November haben die Befürchtung ausgelöst, der Ölpreis könnte das wirtschaftlich erträgliche Maß übersteigen. Dies erinnert uns an ölgetriebene Konjunkturabschwächungen der Vergangenheit.

Wir sind allerdings der Überzeugung, dass dies nicht der Beginn einer weiteren Phase von Preiserhöhungen ist, denn in den vergangenen zwölf Monaten ist der Ölpreis bereits um mehr als 60 Prozent gestiegen. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass die Sanktionen mit hoher Wahrscheinlichkeit im November nicht in Kraft treten werden. Denn die beiden Akteure, die am meisten zu verlieren haben, wenn 2,5 Millionen bpd (Barrel pro Tag) iranische Exporte vom Markt genommen werden, sind die Präsidenten der USA und des Iran selbst. Sie sind auch diejenigen, die in der besten Position sind, dieses Ergebnis zu kontrollieren oder zu ändern. Sollten die Sanktionen dennoch greifen, stehen dem Iran Mittel und Wege zur Verfügung, die Exporte fortzusetzen. Im schlimmsten Fall erwarten wir einen Rückgang von nur 500.000 bpd, zumal China den Kurs kaum mittragen wird.

Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Öl zu jedem Preis anhalten wird, da der Anstieg der letzten 12 Monate bereits Anzeichen von Stress hervorgerufen hat. Und auch mit Blick auf die Angebotsseite erscheint eine Preiserhöhung nicht wahrscheinlich: Die OPEC- und Nicht-OPEC-Produzenten haben sich darauf geeinigt, die Produktion zu erhöhen, um etwaige Produktionsausfälle unter dem zulässigen Zielwert auszugleichen.

Insgesamt glauben wir, dass externe Kräfte den Ölpreis über den konjunkturell gerechtfertigten Preis getrieben haben und dass sich der Ölpreis in absehbarer Zukunft bei einer Spanne zwischen 60-70 US-Dollar pro Barrel einpendeln wird. Ein Niveau, das den notwendigen Profit abwirft, um die Kapitalallokation für Exploration und Produktion zu gewährleisten, aber dabei nicht die Nachfrage gefährdet.




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