Machtverhältnis verschiebt sich

Im Jahr 2017 hatten Aktien aus Schwellenländern eines ihrer besten Jahre während der letzten Dekade. Angesichts der festen Tendenz an den globalen Märkten begannen die Anleger das Jahr 2018 in guter Stimmung. Diese frühe Euphorie verfliegt jedoch langsam.

Die Aussicht auf einen Handelskrieg zwischen den USA und China hat weltweit alle Märkte beeinflusst. Daher stellen Anleger die Wachstumserwartungen für viele Volkswirtschaften in Frage. Deswegen dürfte sich die beeindruckende Vorjahresperformance 2018 nicht wiederholen.

Volatiles erstes Halbjahr

Die ersten sechs Monate des Jahres 2018 waren volatil, sowohl für die Weltwirtschaft im Allgemeinen als auch für die Schwellenmärkte im Besonderen. Neben Ängsten vor einem Handelskrieg gab es Befürchtungen hinsichtlich steigender Inflation in den Industrieländern. In den Schwellenmärkten verstärkten die Wahlen in Mexiko im Juli 2018 und in Brasilien im Oktober 2018 die Unsicherheit. Ende Mai und Anfang Juni war Brasilien von einem LKW-Fahrer-Streik betroffen, der die Lieferkette des Landes beeinträchtigt hat. Daher stellen Anleger die Fähigkeit der Schwellenmärkte in Frage, das hohe Tempo von 2017 aufrechtzuerhalten.

Es gibt aber auch Gründe für Optimismus. Früher griff Volatilität in den Industrieländern oft auf die Schwellenmärkte über. Es wurde davon ausgegangen, dass bei einer Verlangsamung in den Industrieländern die Schwellenmärkte folgen würden. Außerdem war man in der Vergangenheit traditionell der Meinung, dass bei einem Anstieg des US-Dollars Geld aus den Schwellenmärkten abfließt. Wenn die Zinsen in den USA stiegen, kehrte tendenziell das Geld der Anleger dorthin zurück.

Schwellenländer widerstandsfähiger als erwartet

Allerdings haben sich die Schwellenmärkte als wesentlich widerstandsfähiger erwiesen, als sie es noch vor zehn Jahren unter ähnlichen Bedingungen gewesen wären. In der Vergangenheit waren die Schwellenmärkte auf das Geld ausländischer Anleger angewiesen. Mittlerweile stehen sie auf eigenen Füßen. Dies zeigt sich an der Stärke und Tiefe lokaler Rentenmärkte, inländischen Mittelzuflüssen, verbesserten Leistungsbilanzen und soliden Unternehmensgewinnen. Steigende US-Zinsen – und die damit verbundene Aufwertung des US-Dollars – haben nicht zu einer Flucht aus den Schwellenmärkten geführt. Dies zeigt, dass die Schwellenmärkte inzwischen deutlich gesünder sind.

Auch langfristige Trends begünstigen die Schwellenmärkte. Das massive Produktivitäts- und Bevölkerungswachstum wird sich weiterhin in einem stärkeren Wirtschaftswachstum widerspiegeln. Die Unternehmen profitieren vom steigenden Binnenkonsum. So überzeugt der E-Commerce-Riese Alibaba mit seiner robusten Ertragskraft. Als einzelwertorientierte Anleger versuchen wir, die Volatilität zu durchschauen und ertragsstarke Unternehmen zu finden.

Technischer Fortschritt in Schwellenländern schneller als in Industrieländern

Überraschenderweise haben die Schwellenmärkte im ersten Halbjahr 2018 nicht noch mehr nachgegeben. Vor zehn Jahren hätten globale Inflationsängste, eine Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums, Bedenken bezüglich der Tech-Branche (wegen Datenschutz), ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und China und Zinserhöhungen der US-Notenbank die Märkte erschüttert. Insofern wäre es natürlich gewesen, einen massiven Ausverkauf an den Schwellenmärkten anzunehmen. Es ist beruhigend, dass angesichts der verbesserten Gesundheit unserer Volkswirtschaften gerade in diesem Szenario die Schwellenmärkte nicht stärker nachgegeben haben als beispielsweise Europa. Eine weit verbreitete Meinung ist zum Beispiel, dass die Technologie in Industrieländern fortschrittlicher ist als in Schwellenmärkten. Doch in vielen Bereichen schreiten die Schwellenmärkte deutlich schneller voran.




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